“Kannst du mir bitte helfen?” ist ein Satz, den ich nur in absoluten Not-Situationen ausspreche.
Wenn mein Blog nicht funktioniert, wenn mein Auto nicht anspringt, wenn ich eine Magen-Darm-Grippe habe…oder generell eigentlich nur in Situationen, die ich wirklich nicht alleine hinbekommen.
Aber warum fällt es mir eigentlich so wahnsinnig schwer um Hilfe zu bitten? Ist das jetzt auch Generation Y?

Es kostet mich wahnsinnig viel Überwindung andere Menschen um Hilfe zu bitten. Nicht bei Kleinigkeiten wie “Kannst du bitte noch Eier aus dem Supermarkt mitbringen?”. Auch nicht bei “Kannst du bitte das Bad putzen?”. Aber sehr wohl bei “Hast du Zeit Dich mit mir gemeinsam hinzusetzen und mal einen Blick auf meinen Finanzplan zu werfen?” oder bei “Würdest du Dich mit mir auf den Flohmarkt stellen um den ganzen Shit zu verkaufen, den ich in den letzten Jahren angesammelt habe?” oder bei “Kannst du mich bitte bei meiner Arbeit unterstützen?”.

Ich schaffe alles gerne alleine. Wahrscheinlich, weil ich grundsätzlich gerne alleine arbeite. Dann bin ich in meinem Flow, kann die Aufgaben in meinem Tempo abarbeiten und verbringe nicht so viel wertvolle Arbeitszeit mit Abstimmungen und Meetings. Ich habe auch zwischendurch mal nichts gegen ein bisschen Arbeit im Team – wenn jeder seine fest abgesteckten Aufgabengebiete hat. Aber immer wieder abstimmen und andere um Hilfe fragen – das war noch nie wirklich meins.
Wahrscheinlich macht mir die Selbstständigkeit auch deswegen so viel Spaß.

Im letzten Jahr musste ich aber gleich mehrmals über meinen Schatten springen:
Ende September habe ich gemerkt, dass ich es ganz alleine einfach nicht mehr schaffe. Zu viele offene Baustellen, zu wenig Zeit alle Aufgaben zu meiner eigenen Zufriedenheit zu erledigen. Ich habe mich nach einer Assistentin umgesehen und die zauberhafte Saskia gefunden. Inzwischen arbeiten wir gut und sehr effizient zusammen – aber es war nicht einfach für mich. Ich musste sie um Hilfe bitten und wieder ganz neu lernen zu delegieren. Es war für mich ein extremer Lernprozess – und nicht einfach. Heute bin ich super happy über Saskia und überlege immer mal wieder, ob ich ihr nicht noch viel viel mehr übertragen kann.

Im November habe ich noch an einer anderen Stelle eingesehen, dass ich nicht alles kann: Ich habe über Monate hinweg versucht ein neues Design für meinen Blog zu entwickeln. Und ein neues Logo. Weil ich davon überzeugt war, dass ich es alleine kann und dass ich sowieso alles schaffe. Im November hatte ich plötzlich keine Lust mehr auf mich selbst und meinen Dickkopf. Ich habe mir einen Grafiker und einen Webdesigner gesucht, die meine Wünsche umsetzen. Aber obwohl ich gemerkt habe, dass ich es alleine nicht kann – ich würde mich seitdem am Liebsten die ganze Zeit zu den Beiden an den Schreibtisch setzen und jeden Schritt überwachen. Ich kann nicht nur schlecht um Hilfe bitten, sondern auch noch schlecht delegieren. Bin ich ein hoffnungsloser Fall?

Ich glaube es nicht. Ich hoffe es nicht.
Ich arbeite mich ganz langsam und in kleinen Schritten vorwärts. Ich bitte meine Mama, ob sie für ein paar Tage vorbeikommen und mich bei ein paar Projekten unterstützen kann. Ich frage meinen Freund, ob er den kleinen Nathan für ein paar Stunden alleine bespaßen kann, damit ich eine Deadline einhalten kann. Ich gehe wieder zum Personaltraining, weil ich es alleine einfach nicht schaffe wirklich regelmäßig Sport zu machen. Ich bitte um Hilfe – mal mehr, mal weniger.

*© Titelbild: Anija Schlichenmayer