Ich liebe die Großstadt. Ich liebe all die Möglichkeiten, die ich hier habe. All die Chancen, die sich mir bieten. Jedenfalls theoretisch: Jeden Abend zahlreiche Theatervorstellungen, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Restaurants und Bars. Wenn ich wollen würde – und über Zeit und Kleingeld verfügen würde – dann könnte ich jeden Abend so wahnsinnig viel unternehmen. Ich liebe diese Vielfalt und weiß sie zu schätzen. Aber manchmal…manchmal zieht es mich raus. In die Berge. Einfach mal tief durchatmen und Kraft sammeln. 

Tief durchatmen: Wo stehe ich gerade?

Der Alltag lässt mir manchmal keine Zeit groß nachzudenken. Dinge müssen erledigt, todo-Listen abgearbeitet und Mails beantwortet werden. Ruckzuck ist ein Tag vorbei, eine Woche, ein Monat. Das geht nicht nur mir so – das geht den meisten berufstätigen Menschen so. Unter der Woche bleibt kaum die Zeit sich für einen Moment hinzusetzen und – eher bildlich, aber auch tatsächlich – tief durchzuatmen.

Wo stehe ich? Bin ich glücklich und zufrieden an diesem Punkt? Was würde ich gerne ändern und wie kann ich das umsetzen?

Ab und zu sind mir diese Fragen – und die passenden Antworten – wichtig. Ein kleiner Realitätscheck, ein Überprüfen der eigenen Situation. In der Stadt komme ich nicht dazu. In der Stadt werde ich abgelenkt und es passiert viel zu viel zum Durchatmen. Durchatmen kann ich auf dem Land, am See, am Meer und am allerbesten in den Bergen.

Durchatmen: Mit der Seilbahn ins Glück.

Wenn ich mir viel Zeit nehme, dann ziehe ich meine Wanderschuhe an. Ich fahre mit dem Zug oder dem Auto irgendwo hin und laufe los. Auf die erste Hütte, zum Gipfel, einen Rundweg. Was sich eben ausgeht und wonach mir der Sinn steht. Wenn es zeitlich nicht ganz so gut aussieht oder mir die Motivation fehlt, dann nehme ich die Seilbahn.
Vor ein paar Wochen in Südtirol habe ich die Seilbahn genommen. Auf 3000 Metern über dem Meeresspiegel hat es mich ganz ordentlich durchgepustet. Auch wenn ich bitter gefroren habe, hat es mir wahnsinnig gut getan. Im wahrsten Sinne des Wortes bekomme ich in den Bergen ein bisschen Weitblick. Mache mir wieder bewusst wie klein ich bin, wenn ich die Alpen vor mir sehe. Plötzlich werde ich ganz ruhig und gleichzeitig bin ich wieder voller Energie. Ein bisschen durchatmen tut gut.