Meinen ersten Frust über den Urlaub auf Kuba bin ich schon wieder losgeworden – in dem Moment, in dem unsere Maschine den kubanischen Boden verlassen hat, war ich plötzlich entspannt. Als Lina, Markus und ich von unserem Gate zum Flieger gelaufen sind, lief im kubanischen Musikfernsehen ein Siegesmarsch – ich habe mich ein kleines bisschen wie im Film gefühlt und mich zusammen mit Lina halb tot gelacht.
In der Schule hatte ich mal einen Aufkleber auf meinem Hausaufgabenheft “Wenn der Tag nicht Dein Freund war, war er Dein Lehrer.” Kuba war nicht mein Freund. Kuba war mein Lehrer. Und mit etwas Abstand und im Rückblick kann ich auch wieder darüber lachen. Kakerlaken unter meinem Rucksack? Nicht die Schuld von Kuba. Nix zum Einkaufen im Supermarkt? Definitiv die Schuld von Kuba. Ich hab in jedem Fall unheimlich viel gelernt in den zwei Wochen. Über mich, über meine Beziehung zu Markus, über meine Freundschaft zu Lina, über die Grenzen meiner Belastbarkeit – und natürlich über Kuba. 

Schon bevor wir nach Kuba geflogen sind, wusste ich, dass wir auf viele Kuriositäten treffen würden. Ich habe es nicht anders erwartet. Vieles habe ich nicht erwartet. Manches hat mich zum lachen gebracht, anderes zum Weinen.

  1. Kuba ist ein sozialistischer Staat – trotzdem muss man für alles bezahlen. Größtenteils sind die Preise vollkommen überzogen.
  2. Es gibt zwei Währungen: CUP und CUC. CUP ist die nahezu wertlose nationale Währung, CUC wurden extra für Touristen eingeführt.
  3. In Havanna stehen viele alte Stadtvillen. Die Decken haben eine Höhe von über 5m – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Kuba in eine tiefe Krise gestürzt und der Wohnraum in Havanna wurde sehr knapp. Die Kubaner sind Meister der Improvisation und haben in vielen Häuser Zwischendecken eingezogen – jetzt wohnen zwei Familien übereinander.
  4. Obwohl theoretisch sehr viele Pflanzen, Obst- und Gemüsesorten wachsen würden, gibt es nahezu kein Obst und Gemüse zu kaufen. Die Regierung verbietet den Anbau der meisten Sorten. Die Menschen ernähren sich hauptsächlich von billigen Weizenprodukten.
  5. Der verkaufte Weizen entspricht Klasse 3, diese Qualität wird in Europa ausschließlich als Tierfutter verwendet.
  6. Die Regierung verbietet es dem Volk Kartoffeln anzubauen.
  7. In vielen Tiendas hängen große Plakate mit vielen verschiedenen Eissorten. In Wahrheit gibt es auf der ganzen Insel nur eine Sorte Eis: Krokanty.
  8. Es gibt verschiedene Fernsehprogramme – es wird allerdings nicht ununterbrochen gesendet. Zwischendurch kommt Immer wieder die Meldung „In Kürze wird das Programm fortgesetzt.“ Über Stunden hinweg.
  9. Man kann auf Kuba auch in Dollar bezahlen. Der Umrechnungskurs ist 1 zu 1 plus 10% Aufschlag. Für eine Dose Pringles kommt man dann schon mal auf 10 $.
  10. Es gibt Teile von Kuba, die für Kubaner nicht zugänglich sind – diese Orte sind nur für Touristen reserviert. Kubaner dürfen diese Teile der Insel dann betreten, wenn sie in einem Hotel dort arbeiten.

Das Titelbild stammt übrigens nicht von mir – Lina hat es während unseres Urlaubs geschossen.