Ich sitze auf dem Ohrensessel in unserem Wohnzimmer, zum ersten Mal in diesem Jahr steht die Balkontür länger als nur fünf Minuten zum Lüften offen. Neben mir eine Tasse Tee, aus dem Lautsprecher besingt Dusty Springfield ihrer Erfahrungen mit einem “Son of a Preacher Man”.
Yes Monday – I´m ready.

Lieber Februar, bitte geh endlich.

Der Februar war einer der anstrengendsten Monate, die ich seit langem hatte. Emotional erschöpfend, ununterbrochen am Rand dessen, was möglich ist auszuhalten. Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wieder und wieder wäre ich am liebsten in einen Flieger ganz weit weg gestiegen; auf die Pause-Taste drücken und einfach dem Leben hier entfliehen. Ein paar Tage, Wochen, Monate in der Sonne und am Strand verbringen, ohne Telefon – ohne Verpflichtungen.

In der letzten Woche, hat er seinen Höhepunkt gefunden:
Mein Zugang zum Online-Banking war (grundlos) gesperrt, ich hatte zunächst starke Zahnschmerzen, dann habe ich eine (erst kürzlich eingesetzte) Krone verloren. Mein TÜV war abgelaufen (weshalb ich Strafe zahlen musste) und der Termin zur HU wurde zuerst zwei Mal verschoben, dann kamen Reparaturen im hohen dreistelligen Bereich auf mich zu. Nicht nur eine, sondern gleich zwei menschliche Enttäuschungen und ein komplett vergeudeter Tag, den ich abwechselnd mit Schimpfen und Weinen verbracht habe. Zwei geplatzte Aufträge, die eigentlich schon in trockenen Tüchern waren….die Liste würde sich noch weiter führen lassen.

Meine Empfehlungen für RICHTIG miese Tage.

Musik aufdrehen. Nein, nicht die Playlist mit den melancholischen Songs, die Dir die Tränen in die Augen treiben. Lieber eine Playlist, die Dich tanzen und mitsingen lässt. So wie diese hier von Lou.

Menschen treffen. Das fällt mir häufig am Schwersten. Ich möchte mich gerne verkriechen und nichts tun, immer tiefer in meinen miesen Tag reinfallen. Um mich selbst zu überlisten, verabrede ich mich. Mit Freunden, Familie…ich mache einen Termin beim Frisör oder nehme mir vor ein bestimmtes Café oder Restaurant zu besuchen um es zu shooten. Ich gehe in eine Ausstellung mit Führung, besorge mir Kino-Karten…irgendwas, damit ich aus dem Haus gehe.

Liegen bleiben. Oder wieder hinlegen. Ich habe mir zwischendurch einen Tag gegönnt, an dem ich einfach nicht wirklich aufgestanden bin. Ich habe mich vom Bett auf´s Sofa verfrachtet und einen ganzen Tag lang Serien geschaut. Ich wollte meine eigenen Gedanken nicht mehr hören, mich mit mir und meinen Themen nicht auseinander setzen. Aber – und das ist das Entscheidende – ich habe mich auf einen Tag beschränkt. Am nächsten Morgen ging es wieder normal weiter.

Bewusstsein schaffen. Warum geht es mir schlecht? Was ist der Auslöser? Und vor allem: Was kann ich tun, damit sich die Situation ändert? Welche Punkte liegen in meiner Macht und was muss ich akzeptieren (zB weil es von anderen Menschen kommt und ich keinen Einfluss auf das Gefühlsleben anderer habe)?
Und sich immer wieder sagen “Es ist ein schlechter Tag, vielleicht auch eine schlechte Woche oder ein schlechter Monat – es ist kein schlechtes Leben.”

Ich hatte eine miese Woche – auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick…hatte ich am letzten Sonntag einen ganz spontanen und wunderbar sonnigen Sonntag in Nürnberg. Beim Frühstück haben wir uns entschieden loszufahren und haben den wunderbarsten Tag überhaupt in Nürnberg verbracht. Am Ende erschien es uns viel zu kurz und wir wollen unbedingt mal wieder kommen.
Große Freude, wenn der Lieblingsmensch am Abend nach Hause kommt. Bei mir – aber auch bei unserem Hundekind. Es ist ein wahres Fest die Beiden am Abend zu beobachten: Wie sie spielen, schmusen und am Ende nebeneinander wegdösen.
Ganz unverhofft hatte ich einen Abend bei italienischer Salumeria, großartigem Wein und spannenden Gesprächen. Pressedinner können sich manchmal ziehen wie Kaugummi und man wartet nur darauf, dass sie endlich vorbei sind…dieses war unheimlich nett und kurzweilig. Eine perfekte Pause mitten in der Woche.
Ebenso unverhofft beim Griechen reingestolpert, zwei Ouzo zur Begrüßung und die zartetesten Calamaris vom Grill, die man sich nur vorstellen kann. Ein Liter Wein und zwei weitere Ouzo später durch den milden Abend nach Hause spazieren…ein Donnerstagabend, wie er sein sollte.
Ein Wochenende bei und mit meiner Familie. Umarmungen und Zuversicht, Vertrauen und sehr viel Liebe. Gefühle, die mich gestern Abend sehr glücklich wieder haben ins Auto steigen lassen.

Es war eine miese Woche – aber es war auch eine ganz wunderbare Woche. Manchmal liegt beides sehr nah zusammen.

Kein gebuchtes Ticket, kein Flieger in die Sonne.
Stattdessen mit meinem Lieblingsmenschen München genossen. Die ersten Sonnenstrahlen, die (hoffentlich) letzten Schneestürme. Viele Tränen, einige davon Lachtränen. Mehr Umarmungen und das Wissen, dass es auch wieder besser wird. Dass nach dem Regen und den vielen Wolken auch irgendwann wieder die Sonne zum Vorschein kommt. Dass kein Gemütszustand und keine Situation für immer bleibt, dass alles im Fluss ist.

Der Februar war anstrengend, ich war anstrengend. Für mich selbst, für andere. Jetzt ist er vorbei und ich versuche mich aufzurappeln. Ein Monat Selbstmitleid ist genug. Zeit aufzustehen. Zeit etwas zu ändern.
Der März soll besser werden, muss besser werden, wird besser.