Das Kapitel ist abgeschlossen, irgendwie. Ich wusste es, hatte trotzdem dieses nagende Gefühl in mir. Den Wunsch die Zeit zurück zu drehen; nochmal zurück kommen. Nur um sicher zu gehen, dass ich mich nicht täusche. Ich bin zurück. Und mit dem fahlen Geschmack im Mund aufgewacht – dem Gefühl plötzlich genau zu wissen, dass es vorbei ist.

Der letzte Sonnenuntergang in Amman – fotografiert aus dem Fenster eines meiner liebsten Cafés, dem Wild Jordan Center.

Hey Amman, I missed you. Somehow.

Vier Flüge, vier Züge, vier Taxis oder Ubers…so viele Verkehrsmittel und kein einziges hat während meiner Hin- oder Rückreise in den Nahen Osten den Zeitplan eingehalten.
Fast sechs Stunden habe ich am Flughafen von Amman auf meinen Flieger gewartet (btw…wessen Idee ist es eigentlich Flughäfen auf diese Eis-Temperaturen herunter zu kühlen), hätte meinen Anschluss in Istanbul verpasst, wenn der nicht auch so viel zu spät gewesen wäre. Ist das dann Glück im Unglück?

Wer würde diese Plastiktischdecken nicht lieben? *ironie off*

Wann ist lang zu lang?
Sechs Monate waren es. Es fühlt sich an wie ein ganzes Leben. So, als wäre ich nicht mehr die Selbe, als wäre eine andere Version von mir im Sommer durch die Strassen von Amman gelaufen. Ist es, weil ich gar keine Zeit hatte anzukommen? Weil so viele meiner Freunde die Stadt inzwischen verlassen haben, weil sich alles ein bisschen einsam und fremd anfühlt?
Kleinigkeiten des Alltags stoßen mir bitter auf. Kurz frage ich mich, wie ich das tolerieren konnte. Ob ich die vielen Stolpersteine des Alltags und der Gesellschaft nicht wahrgenommen habe. Oder ob ich tatsächlich eine Andere bin, als die, die vor sechs Monaten gefahren ist.

Immer immer immer muss ich Knafeh essen. Bei Habiba in Downtown gibt es (für mich) die beste Knafeh überhaupt.

KonMari – does is spark joy.

Jaja, ich bin infiziert. Schon seit Monaten.
Ich gebe aber ehrlich zu, dass ich mich bis jetzt nicht ganz an das Konzept und die vorgeschriebene Herangehensweise gehalten habe. Ich habe keinen Berg all meiner Kleider auf dem Bett gemacht. Wahrscheinlich, weil das Bett nicht einmal in Ansätzen ausreichen würde. Ich habe immer wieder Teile des Schranks in Angriff genommen.
In dieser Woche steht nochmal ein kleines Aufräum-Fest an. Angefangen habe ich gestern mit meinem Postfach. Anders als gehofft hat die DSGVO mich nicht von all den ungewollten Newslettern befreit, ohne dass ich etwas dafür hätte tun müssen. Nachdem ich diese (nervige und zeitaufwändige) Angelegenheit wirklich Ewigkeiten vor mir hergeschoben habe, bin ich gestern tätig geworden. Habe zumindest angefangen. Und es fühlt sich so unglaublich gut an. Befreit. Denn ganz ehrlich: Die meisten Newsletter bringen mir keine Freude, den Großteil öffne ich nicht einmal und wenn doch verleiten sie mich nur dazu Dinge zu kaufen, die ich nicht brauche.

Does it spark joy? Der Moment in dem dieses Bild entstanden ist war voller Glück und Freude.

4 Glücksmomente

Am Flughafen.
Dieser Moment, wenn du einen Freund nach langer Zeit wieder siehst. Am Flughafen und er mit einem Kaffee auf Dich wartet. Schwarz mit einer Spur von Zucker – ganz genau so, wie ich den türkischen Kaffee mag.

Schnee.
Es hat geschneit in Amman. Verrückt. Der Glücksmoment war aber gar nicht so sehr im Schnee begründet (davon hatten wir in München ja nun wirklich genug), sondern vielmehr in der Freude, die er den Jordaniern gebracht hat. Am nächsten Morgen war der weiße Zauber schon wieder verschwunden, aber die Freude ist geblieben.

Im “Schneechaos” habe ich mich ganz einfach mit Michelle und einer heißen Tasse Kakao in ein Café gesetzt, gelesen und die Menschen beobachtet. Es war ein Fest.

Der Ruf zum Gebet.
Einer meiner liebsten Plätze in Amman ist die Citadelle, die hoch oben auf einem der Hügel über der Stadt tront. Mein Blick schweift über die ganze Stadt und ich weiß, dass ich es rechtzeitig geschaft habe. Der Ruf zum Freitagsgebet schallt aus all den vielen Moscheen der Stadt, wie eine kleine Symphonie. Ich bin ganz alleine gekommen und genieße diesen besonderen Moment.

Ausschlafen.
14 Stunden in meinem Bett in meinem alten Kinderzimmer. Aufwachen, weil das Hundekind es sich auf meinem Gesicht bequem gemacht hat.