Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich alt anhöre: Wo ist denn der Juli schon wieder hin? Die Zeit rennt. Woche vorbei, Juli vorbei.

In der letzten Woche…

…habe ich wenig gemacht. Nein, das stimmt so nicht: Ich habe viel gemacht, aber nichts, was in einem Wochenrückblick Platz finden würde. Viel Administratives, Organisatorisches. Die Planung für die kommenden Monate bis Ende des Jahres (oh boy – Ende des Jahres, das klingt weit weg und ist es doch gar nicht mehr) steht und ich habe wie immer noch jede Menge vor.

Aktuell stehen – privat und beruflich – einige schwierige und kraftzehrende Entscheidungen an. In Kombination mit dem Arbeitspensum der letzten Woche, ist mir das am Sonntag über den Kopf gewachsen. Ich wollte raus, zumindest für ein paar Stunden. Meinen Gedanken Raum geben und freien Lauf lassen, mal kurz nichts entscheiden müssen und nicht abwägen. Ich bin in den Wald gefahren, habe mich für eine längere Wanderung mit dem Hundekind entschieden.
Viereinhalb Stunden haben wir niemanden getroffen, sind durch den Wald, an einer Talsperre entlang. Und ganz ehrlich: Es war genau das, was ich mir gewünscht hatte. Genau das, was ich gebraucht habe. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es wären nun alle Entscheidungen klar und getroffen. Aber ein bisschen Klarheit hat es mir einfach zurück gebracht. Den Fokus wieder auf mich selbst gelenkt, auf meine Wünsche und Bedürfnisse.
Ein kleines bisschen hat es mich auch an das Waldbaden in Seefeld erinnert: Durch die heißen Temperaturen waren die Düfte und Gerüche im Wald besonders intensiv. Die Tannennadeln, das Moos…und etwas, das mich vom Duft her ein kleines bisschen an Tonkabohne erinnert. Leider weiß ich nicht, was das ist.
Der extra Bonus? Die Brombeeren, eh klar. Ich habe in den letzten Wochen so oft und viele Brombeeren direkt von der Hecke genascht wie schon seit Jahren nicht mehr. Für mich fühlt es sich jedes Mal wieder an, als wäre ich acht Jahre alt und würde bei meinem Opa im Garten Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren direkt vom Strauch essen. Leider gibt es die Sträucher bei meinem Opa seit ein paar Jahren nicht mehr – die Erinnerung bleibt allerdings bestehen.

In dieser Woche…

…geht es zurück nach München. Ab morgen bin ich – endlich – wieder zu Hause. Zum ersten Mal seit einem Jahr wieder dauerhaft oder zumindest ohne fest geplante Abreise nach Jordanien. Ich freue mich richtig auf unsere Wohnung, gemeinsame Zeit mit dem Hundekind und dem Lieblingsmenschen. Darauf wieder ein bisschen Routinen und Alltag einkehren zu lassen und nicht auf dem Sprung zu sein. Was als nächstes kommt? Ich weiß es nicht. Aber ich freu mich darauf. HIER hatte ich schon einen Artikel dazu veröffentlicht.

Für den Rest der Woche haben wir uns Beide frei genommen. Auf dem Programm stehen ein Trip in die Berge und ein entspannter Tag am See. It´s all about the balance und nachdem wir beide lange nicht in München waren, kommen uns die beiden liebsten Freizeitaktivitäten der Münchner gerade recht 🙂 Ich habe im Moment richtig Lust auf Wandern, darauf draußen unterwegs zu sein und das Wetter zu genießen, so lange es noch schön bleibt. Erst als ich die Berge und die Seen nicht mehr vor der Haustüre hatte, ist mir wieder richtig bewusst geworden, wie sehr ich die Natur in Bayern eigentlich mag. Can´t wait!!!

Freitag steht etwas an, wozu ich die Münchner unter meinen Leserinnen und Lesern ganz besonders einladen möchte:
Ich habe ausgemistet. Schon bevor ich im Oktober nach Jordanien bin, dann im April nochmal und ich werde mich auf am Mittwoch und Donnerstag nochmal durch meinen Kleiderschrank, die Deko, das Geschirr…alles…arbeiten und nochmal radikal ausmisten. Die Ergebnisse der Aktion gibt es dann am Freitag (03.08.) dem Flohmarkt am Olympiapark zu kaufen. Wahrscheinlich wird am Freitag nicht alles weg gehen und ich stehe in der kommenden Woche am Freitag und Samstag (10.08. und 11.08.) wieder dort. So lange, bis alles weg ist 😉
Einen anderen Teil der Sachen verkaufe ich – eine kleine Ankündigung an der Stelle schon – am 26.08. beim großen Bloggerflohmarkt in Schubeck´s Teatro. Also: Vormerken. Keine Angst, dort gibt es nicht nur die Reste, sondern einfach ganz andere Teile. Unter anderem werde ich einen Großteil meiner Dirndl verkaufen, (ungetragene) Schuhe, Taschen….es lohnt sich in jedem Fall.

Wenn alle Kisten – und das sind hoffentlich nicht mehr so viele – wieder verstaut sind, geht es zur letzten Hochzeit für dieses Jahr. Wieder sind es alte Schulfreunde, die sich das Ja-Wort geben und ich freue mich wahnsinnig dabei zu sein. Hochzeiten haben in meinen Augen immer wieder etwas magisches und ich freue mich immer wieder gemeinsam mit dem Paar und bin stolz darauf an diesem besonderen Tag ihr Glück mit ihnen zu teilen und sie bei diesem besonderen Schritt zu begleiten.

Was mich in der letzten Woche bewegt hat…

  • Die Rassismus-Debatte. Der Hashtag #metwo bei Instagram und Twitter.
    Ich bin kein großer Fußball-Fan. Ich hatte keinen Lieblingsspieler in unserer Nationalmannschaft. Einen Großteil der Debatte um Özil hatte ich zuerst verpasst, weil ich am Reisen war und keine Deutschen Medien konsumiert habe. Dann ist es auf mich eingeprasselt und ich konnte es nicht fassen. Dass es ein Fehler war, mit Erdogan für ein Foto zu posieren – das steht außer Frage und nicht zur Diskussion. Aber einem Menschen – einem in Deutschland geborenen Deutschen, der hier aufgewachsen ist, sich engagiert und unfassbar viele Steuern zahlt – das „Deutschsein“ abzusprechen, eine Hetzjagd zu veranstalten und ihn zum Abschuss freizugeben? Das ist nicht das Land, in dem ich leben möchte. Das ist nicht die Gesellschaft, von der ich umgeben sein will.
    Ich kann es noch immer nicht fassen. Das Ausmaß an Rassismus schockiert mich, viel zu lange habe ich es ignoriert und hingenommen. Nicht aktiv, aber passiv. Viel zu selten bin ich aufgestanden. Und wenn doch – dann war ich immer wieder mit „Entschuldigungen“ konfrontiert. „Ach so Dein Freund kommt aus Polen – nein, das sind nicht die Ausländer, die ich scheiße finde!“ Wie bitte? Gibt es gute und böse Ausländer?
    Masha hat einen fantastischen und langen Artikel zu der Debatte, zu Alltags-Rassismus und dem ganzen Thema verfasst. Sehr lesenswert.

    In meinem direkten Umfeld hat die Debatte übrigens ihre Folgen: Ein Mensch, der mir sehr am Herzen liegt und den ich gerne in Deutschland gesehen und bei seiner Karriere unterstützt hätte, hat sich dagegen entschieden zu kommen. Ein großartiges Jobangebot abgelehnt. Weil er mit seinem Namen und seinem Aussehen in Deutschland auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Auch wenn es mir das Herz bricht, vermutlich hat er Recht. Was für ein Armutszeugnis für dieses Land.

  • Drei Syrer in der Autowerkstatt.
    Offensichtlich schon länger in Deutschland haben die Jungs vor mir in der Schlange in der Werkstatt gestanden. In fast akzentfreiem und wirklich ausgesprochen gutem Deutsch haben sie sich erklären lassen, was genau in ihrem Auto kaputt ist. Der Bremssattel. Das haben sie nicht verstanden, ich auch nicht. Auf arabisch haben sie sich dann untereinander ausgetauscht und gegenseitig gefragt, was das wohl sein könnte. In dem Moment habe ich sie angesprochen, gefragt, ob ich ihnen helfen kann.
    Und ehrlich gesagt sind das meine Lieblingsmomente: Wenn ich arabisch sprechende Menschen auf arabisch anspreche. Immer wieder schaue ich in überrascht-entsetzte Gesichter, die nicht fassen können, dass ich ihre Sprache spreche. Letztlich konnten wir gemeinsam das Mysterium um den Bremssattel lösen und die Jungs waren happy.
    Wir kamen danach noch ein bisschen ins Gespräch, sie haben mit dem Hundekind gespielt. Drei IT-Ingenieure, erst seit 18 Monaten in Deutschland. Bei ihrer Ankunft haben sie kein Wort Deutsch gesprochen. Heute sind sie fließend, haben unbefristete Arbeitsverträge, Freunde und sind angekommen. So kann Integration aussehen, wenn sie funktioniert.
    Vielleicht ein kleiner Lichtblick, jedenfalls für mich.