Dienstagmorgen. Der Kaffee neben mir ist schon wieder kalt geworden. Der Hund wollte gekrault werden und ich bin dem nur allzu gerne nach gekommen. Hinter mir liegen zwei Wochen, in denen sich das Leben schon wieder überschlagen hat, in denen ich kaum dazu kam durchzuatmen. Zwei großartige Wochen voller Eindrücke, die ich noch gar nicht richtig verarbeitet habe. Südafrika.
Teile dieser Montagsgedanken sind schon über eine Woche alt, dann habe ich es doch nicht mehr geschafft sie zu veröffentlichen. Habe mich für das Entdecken der Metropole am Kap entschieden. Jetzt ist es Dienstag, schon wieder verpasst.

In den letzten Wochen:

Gibt es eigentlich etwas Besseres als in Laufweite des Ozeans aufzuwachen? Wohl eher nicht. Der Atlantik ist keine fünf Minuten von meinem Hotel entfernt. Als ich um 5:30 ganz ohne Wecker wach geworden bin, habe ich mich spontan zu einem kleinen Run am Wasser entschieden. I like! Danach frisch geduscht mit einem Kaffee in der Hand meine Eindrücke der letzten Woche nieder zu schreiben — das könnte ich mir schon öfter vorstellen.

Kapstadt, „the mother city“. Ich bin ohne große Erwartungen nach Südafrika gekommen. Mit dem Wissen, dass ich die letzten Ausläufer des Winters erwische. Dass es wahrscheinlich regnen wird und ich nicht unbedingt die perfekte Reisezeit erwischt habe. Soviel dazu.
Ich wusste, dass ich nicht mal 10% des Landes würde sehen können. Eine Woche ist viel zu kurz – für einen ersten Eindruck reicht es aber. Auch hier wollte ich nicht zu hohe Erwartungen haben, mit allem happy sein, was sich eben ergibt. Wein, Wale, Natur und Ausblicke vom Tafelberg. Check – alles mitgenommen und gesehen. Eindrücke abgespeichert, konserviert. Die letzten Tage waren voll mit wunderbaren Marmeladenglasmomenten, solchen, die man lange im Herzen trägt und sich daran zurück erinnert.
Nur als kleinen Vorgeschmack auf die ausführlichen Traveldiaries, die in den kommenden Wochen online gehen werden: Ja, gefällt mir. Unglaublich gut. Die Atlantikküste, die zerklüfteten Buchten, der Tafelberg, die Wale, der Wein. Ganz sicherlich wird es nicht mein letzter Besuch im Süden des Kontinents gewesen sein – oder vielmehr: überhaupt in Afrika, denn neben einem weiteren Besuch in Südafrika stehen auch Ghana, Uganda und der Senegal recht weit oben auf meiner Liste.

Vom Flughafen aus ging es dann direkt in die Berge – nach Leogang in Österreich zum Wandern. Krasser könnte der Kontrast wohl nicht sein, beides hat seinen Reiz.
Gemeinsam mit Hanwag und Outdoor angrinst Cancer ging es für mich am vergangenen Freitag zur Peter Wiedenthaler Hütte: Ein Aufstieg von knapp drei Stunden bei strömendem Regen. Auch wenn ein bisschen weniger Feuchtigkeit dem Ausblick sicherlich gut getan hätte, konnte ich zumindest die neuen Tatra Light Lady auf ihre Tauglichkeit testen – bestanden. Oben auf der Hütte angekommen waren meine Füße tatsächlich das Einzige, was trocken war.

[© (c) Monnier Ostermair; Copyrightpermission required for reproduction, Photocredit: Monnier Ostermair]
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Bei allem Spaß, den ich am Wochenende in den Bergen hatte, war der Anlass des Ausfluges doch ein Ernster: Gemeinsam mit Globetrotter spendet Hanwag im September 10 € pro verkauftem Paar Schuhe aus der Tatra Light Lady Kollektion an die Organisation „Outdoor Against Cancer“ die von Petra Thaller ins Leben gerufen wurde. Als Petra die Diagnose „Brustkrebs“ bekam, war sie entschlossen nicht aufzugeben und andere Frauen (und Männer) im Kampf gegen den Krebs zu unterstützen. Sie bietet mit ihrer Organisation Beratung, Unterstützung und sogar kostenfreie Trainings an – für Petra ist es das Entscheidende, dass man sich mit einer Krebserkrankung nicht verkriecht, sondern an die frische Luft geht.

Was mich in den letzten Wochen bewegt hat.

Eine Flüchtlingsfamilie im Zug nach Frankfurt.
Eltern mit drei Kindern, das Mädchen ist schon ein bisschen älter. Vierzehn vielleicht, die beiden Jungs sind noch sehr klein. Als sie sieht, dass der Kleinste müde wird, nimmt sie ihn auf den Schoß. Für sie kann diese Position, in der der Kleine jetzt selig schlummert, nicht bequem sein. Ist es mit kleinen Kindern eigentlich nie. Sie sprechen untereinander Arabisch. Syrer vielleicht? Der Akzent ist mir vertraut, aber nicht so richtig.
Über zwei Stunden hat das Mädchen den Kleinen fest im Arm, streichelt ihm immer wieder zärtlich über den Kopf, wiegt ihn hin und her, damit er wieder einschläft. Die innige Vertrautheit der beiden geht mir nah. Wie oft sie ihn wohl schon so gehalten hat? Was die Zwei gesehen und erlebt haben, mag ich mir gar nicht vorstellen. Bei aller Gewalt, die sich mit Sicherheit hinter sich haben, teilen sie diesen friedlichen Moment im Zug.

Chemnitz.
Ein Konzert kann die Welt nicht verändern. Nicht nachhaltig besser machen. Aber es kann aufrütteln, verbinden, einen Anfang aufzeigen.
Wie gerne wäre ich dabei gewesen in Chemnitz. Leider ging es sich nicht aus. Aber immerhin den Livestream haben wir gesehen, vom Sofa aus. Fast kann 70.000 Menschen, die gemeinsam und friedlich ein Zeichen setzen. Es ist ein Konzert, aber keine Party. Das Gefühl kommt bei der Übertragung rüber. So soll es sein, so war es gedacht.
Es geht darum zu zeigen, dass rechtes Gedankengut in Deutschland – und auch im Rest der Welt – keine Platz hat. Darum zu zeigen, dass wir mehr sind. Dass wir aufstehen und zeigen, wie bunt Deutschland ist und bleiben soll. Wie viel und in welcher Weise jeder Einzelne sich dafür einsetzt – bleibt jedem selbst überlassen. Ich möchte nicht in der Situation sein meinem Kind erklären zu müssen, warum ich nichts gemacht habe. Wo doch der Fremdenhass so offensichtlich war und es eindeutig war, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickeln würde, wenn wir nicht aufstehen.

Rassismus und Apartheid.
Wie könnte es auch anders sein. Noch immer ist Südafrika ein gespaltenes Land, gibt es Restaurants, Bars, Clubs, ganze Stadtviertel in Kapstadt, in denen man nur weiße Menschen gibt. Dabei ist es nicht zwingend so, dass farbige Menschen keinen Zutritt haben (auch wenn die omnipräsenten Schilder, die auf das „Right of Admission“ hinweisen mir ein anderes Gefühl vermitteln), sondern daran, dass man das eben so macht. Sich nicht mischt. Wie absurd ist das eigentlich?

Herzlichkeit, Liebe und Freundschaft.
Auch mal anrufen können, 30 Minuten im Monolog jammern. Verstanden werden. Fühlt sich gut an.