Manchmal muss man raus, nur für einen Nachmittag. Amman den Rücken kehren, raus aus der Hauptstadt und etwas Neues entdecken.
Nun ist Jordanien kein ausgesprochen touristisches Land. Solbald man die Hauptstadt und die typisachen Touristenziele wie Petra und Wadi Rum hinter sich lässt, wird es ruhig. Gemütlich und ursprünglich. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen zeigt sich noch stärker. Ein Nachmittag in Al-Salt, nur 30 Minuten von Amman entfernt, hat mir das vor ein paar Wochen nochmal gezeigt. 

 

Eigentlich wollten wir ins Jordan-Tal und ein bisschen wandern. Jetzt im Frühjahr ist es dort unheimlich grün, alles blüht. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind die abgelegenen Wiesen und Naturschutzgebiete allerdings nicht ganz einfach zu erreichen und inspiriert durch einen Beitrag bei Instagram habe ich mich ganz spontan mit zwei Freunden dazu entschieden nach Al-Salt zu fahren. Mit einem öffentlichen Bus. Ein Nachmittag in Al-Salt ist eine kleine Auszeit von der manchmal hektischen Hauptstadt. Hektisch natürlich nicht für Middle Eastern-Standards – aber hektisch für mich. Manchmal jedenfalls. Übrigens ist Al-Salt dem Schicksal der Hauptstadt nur knapp entkommen: Die Stadt, die wahrscheinlich von der Armee von Alexander dem Großen begründet wurde, war ein wichtiger Punkt auf den Handelswegen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg und der Gründung der Staaten Israel und Transjordanien wurde Amman über Al-Salt als Hauptstadt auserkoren.

Wie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Al-Salt kommt:

Der Mini-Bus fährt von der nördlichen Bus-Station. Einen richtigen Fahrplan gibt es nicht: Der Bus fährt, wenn er voll ist; das passiert recht häufig und regelmäßig – zwischen Amman und Al-Salt herrscht ein reger Pendlerverkehr. Sogar am Wochenende. Am einfachsten ist es, wenn du ein Taxi aus der Innenstadt zum nördlichen Busbahnhof nimmst. Das kostet etwa 3 JD und geht sehr viel schneller, als wenn du versuchst in Downtown den richtigen Minibus zum Busbahnhof zu erwischen. Achte beim Einsteigen ins Taxi darauf, dass der Fahrer das Taximeter anstellt („Lau samat il hadat min fadlak.“ – das ist arabisch für: „Bitte stellen Sie das Taximeter an.“) oder verständige Dich gleich zu Beginn mit dem Fahrer auf einen Festpreis. Lass Dich nicht beirren: Es fährt ein Bus nach Al-Salt. Wenn der Taxifahrer Dir etwas anderes erzählt, dann will er vermutlich einfach nur ein Geschäft machen.
Am Busbahnhof musst du nochmal nach dem Steig fragen, von dem aus der Bus nach Al-Salt fährt – auf dem Bus steht es zwar auch drauf, allerdings nur in arabischer Schrift. Die Fahrt kostet einen halben Dinar. Manchmal wird direkt am Anfang abkassiert, manchmal erst beim Aussteigen. Der Preis ist übrigens unabhängig davon, wie weit du fahren willst. Wer fährt, zahlt einen halben Dinar. Viel passieren kann übrigens nicht: Du bleibst einfach bis zur Endhaltestelle sitzen.

Und was gibt es in Al-Salt zu sehen?

Vor einigen Jahren hat die Stadt – unterstützt durch das Tourismus-Ministerium – einen kleinen Hertiage-Trail angelegt. An der Touristen-Information bekommt man einen kostenlosen Stadtplan mit einigen Infos zu den einzelnen „Sehenswürdigkeiten“. Touristeninformation, das klingt nach sehr viel mehr, als es ist: Wir haben keine anderen (internationalen) Touristen in der Stadt gesehen, es hat nicht den Eindruck gemacht, als wäre der Tourismus wirklich groß in diesem niedlichen verschlafenen Nest. Der Heritage-Trail lässt sich übrigens auch ohne den Stadtplan ganz wunderbar bewältigen: Es gibt jede Menge Schilder und Wegweiser. Wir haben uns jede Menge Zeit gelassen, sind gemütlich gebummelt, haben immer wieder Bilder gemacht und mit Menschen geplaudert – trotzdem waren wir nicht länger als zwei Stunden unterwegs.
Die Innen- und Altstadt von Al-Salt erstreckt sich im Wesentlichen über zwei sich gegenüberliegende Hügel, dazwischen liegt eine Art kleines Tal. In den alten Gassen findet am Wochenende ein wirklich netter kleiner Markt statt. Wir haben uns mit ein paar Gewürzen eingedeckt, losen Tee gekauft…und gleich zwei Mal wurden wir von Locals eingeladen: Das erste Mal auf einen Kaffee, das zweite Mal auf ein paar Pancakes.

Um es zusammenzufassen: Es gibt eine alte Festung, es gibt nette kleine Gassen. Keine großen wirklichen Sehenswürdigkeiten. Nichts wie den Eifelturm in Paris.
Braucht man aber auch gar nicht. Für mich geht es in Jordanien ganz allgemein nicht so sehr darum bestimmte Punkte auf einer Liste abzuhaken, Dinge zu sehen. Vielleicht abgesehen von Petra, das sollte man schon gesehen haben. Ansonsten geht es vielmehr darum ein Gefühl zu bekommen. Von der Kultur, den Menschen, dem Land. Und dafür ist Al-Salt perfekt.