Do not let the world make you hard. Do not let pain make you hate. Do not let the bitterness steal your sweetness.

In den letzten Wochen hatte ich viele großartige Momente. Wundervolle Menschen sind in mein Leben getreten, ich durfte außergewöhnliche Erfahrungen machen und in eine fremde Welt eintauchen. Und doch gab es Unterhaltungen und Dialoge, die mich sprachlos zurückgelassen haben. Die mich bis ins Mark erschüttert haben und die mir gezeigt haben, wie groß der Hass und die Toleranz für Rassismus in dieser Region sind.

Auf meinen Reisen ist es mir schon öfter passiert, dass ich mit „Heil Hitler“ begrüßt wurde. Häufig sind die Nazis und das Dritte Reich das einzige Wissen, das die Menschen über Deutschland haben. In der Regel sind diese Menschen keine Rechtsradikalen. In der Regel.
Und dann gibt es Ausnahmen. Menschen, die auf mich zukommen und mir zu der Entscheidung für Konzentrationslager zur Vernichtung der Juden gratulieren. Menschen, die mich fragen, warum Hitler gestoppt wurde. Warum wir nicht die komplette jüdische Weltbevölkerung ausgelöscht haben. Die erste Erfahrung dieser Art hat mich sprachlos gemacht. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, was ich antworten soll – war mir nicht sicher, ob es vielleicht ein schlechter Scherz war. Nein, war es nicht

Der Hass auf Israel und die Juden ist in dieser Region der Welt omnipräsent.
Ich schreibe – bewusst – keinen politischen Blog. Ich möchte die Situation nicht werten, mich nicht öffentlich zu meiner Meinung und meiner Einschätzung der politischen Lage äußern. Nicht, weil ich keine Meinung hätte. Die politische Lage im Nahen Osten gehören seit vielen Jahren zu meinem Interessensschwerpunkt. Nichts desto trotz bin ich der Überzeugung, dass sich Jeder sein eigenes Bild machen muss; sein eigenes Bild machen sollte. Welche Auswirkungen der Konflikt auf beide Seiten im täglichen Leben hat, habe ich erst wirklich verstanden, als ich sie mit eigenen Augen gesehen habe. In Jerusalem, in Bethlehem, in Amman, in den Flüchtlingslagern der Palästinenser und Syrer.

Kleid – more&more
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Wie auch immer die Situation sein mag und welche Seite man auch ergreift – sofern man sich tatsächlich für eine der Parteien entscheiden kann – der Vorschlag ein komplettes Volk auszulöschen, hat mich schockiert. Die Ablehnung, mit der ich täglich konfrontiert bin, hat mich in ihrer Extremität schockiert.

In etwa 30 Minuten ist man von Amman aus an der Grenze zu Palästina. Von dort sind es weitere 40 Minuten bis nach Jerusalem. In etwas mehr als einer Stunde ist man in Israel, in einer anderen Welt. Man kann das „verhasste Land“ von Petra aus sehen, am Toten Meer ist es nur wenige Meter entfernt, an der Taufstelle von Jesus am Jordan ist es nur ein einfacher Maschendrahtzaun, der Jordanien von Israel trennt.
Die offiziellen Beziehungen der beiden Länder sind nicht per se schlecht, Jordanien gehört zu den wenigen Mitgliedern der arabischen Liga, die Israel als Staat anerkennen. 1994 haben die beiden Nachbarstaaten Frieden geschlossen. Offiziell. Tatsächlich leben mehr als zwei Millionen registrierte Palästinenser als Flüchtlinge in Jordanien. Sie wurden vom aufstrebenden israelischen Staat aus ihrer Heimat vertrieben. Die Situation ist – vorsichtig ausgedrückt – angespannt. Aber ein ganzes Volk auslöschen? Sich die Schrecken des Dritten Reichs zurückwünschen?
Mir fehlen noch immer die Worte.