„Stiiihille Nacht, heiiiilige Nacht – alles schläääääääääft“ tönt es hinter mir aus einem Lautsprecher. Ich gehe durch eine kleine Passage, noch ein paar Schritte die Getreidegasse hinunter und stehe auf dem Domplatz. Da ist er, der große und bekannte Christkindlmarkt in Salzburg. Der, wegen dem all die Touristen und Salzburger in die Stadt strömen. Der, der über die Stadtgrenzen und Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Aber deswegen bin ich nicht in der Stadt.

*Pressereise / Einladung

Trotzdem nehme ich mir ein bisschen Zeit die Weihnachtsstimmung aufzusaugen, einzuatmen. Mich dem Treiben ein wenig hinzugeben. Ich kaufe mir eine heiße Schokolade mit RUm und beobachte das Treiben. Schaue den Menschen zu, die sich am Glühweinstand ein bisschen aufwärmen und nebenbei beherzt in ihre Bosna beißen. Ein bisschen gehetzt sehen manche von ihnen aus – aber auch weihnachtlich. Die Lichter über mir gehen an, es wird schon fast dunkel, als ich durch die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt schlendere. Es fühlt sich an, als gäbe es außergewöhnlich viele kleine Geschäfte mit geschmackvoller Weihnachtsdekoration. Ich bin versucht ein bisschen einzukaufen, denke dann aber an die prall gefüllten Kisten voller Weihnachtsdekoration, die zu Hause auf mich warten.

Das Winterfest – ein Zirkus in der Stadt.

copyright by Erika Mayer

Mit einer Tradition von fast 20 Jahren ist das Winterfest zu einer echten Salzburger Institution zur Weihnachtszeit geworden. In 6 Wochen Spielzeit werden in drei Zelten Shows von drei ganz unterschiedlichen Zirkus- und Artistikgruppen aufgeführt. 

Wir durften die Aufführung von Cie Akoreacro aus der ersten Reihe bestaunen. Erzählt wird die Geschichte zweier Liebender, die Geschichte einer Beziehung, einer Ehe. Ganz ohne Worte, dafür aber mit viel Witz und sehr viel Akrobatik und ganz viel Liebe zum Detail. 

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Und das ist es, was sich durch meine Erfahrung beim Winterfest zieht: Die Liebe zum Detail, das Herzblut, das die Veranstalter, Organisatoren und Protagonisten bzw. Artisten in die sechswöchige Spielzeit stecken. 


Neben dem „reinen“ Besuch der Shows, die bei ca. 45 € pro Person liegen, gibt es auch die Möglichkeit in einem der Zelte eine Kombination aus Dinner und Show zu besuchen: Drei Gänge gibt es vor der Show, dann folgen 80 Minuten Faszination in der Manege – den krönenden Abschluss bilden Dessert und ein Drink, bei dem man den Abend nocheinmal Revue passieren lassen kann. Ein sehr gelungenes Konzept.


Auf einen Orangenpunsch?

Aber nicht alles, was ein bisschen „anders“ und vielleicht unerwartet ist, im Salzburger Advent, hat eine vergleichsweise kurze Tradition. Vor allem in den kleinen Familienbetrieben, die man – zu meiner großen Freude – zu Hauf in der Salzburger Altstadt findet, gibt es viele Adventstraditionen, die über mehrere Generationen gepflegt werden. 

Und ich gebe es ganz offen zu: EIn echter Geheimtipp ist es nicht, sich auf einen Orangenpunsch beim Sporer zu treffen. Das Rezept des Getränks wird nun schon von der vierten Generation unverändert zubereitet und in der Getreidegasse ausgeschenkt. Auch wenn man ein bisschen warten muss, bis man an die Reihe kommt – nirgends trinkt sich der Orangenpunsch so schön, wie in dieser Gasse und kaum irgendwo kommt man so nett und schnell mit echten Salzburgern ins Gespräch. Im Sommer gibt´s viele der hausgemachten Liköre übrigens als Sommer-Version im Spritz, statt im Punsch.

Ich hatte übrigens die Chance auf eine ganz besondere adventliche Erfahrung: Zusammen mit Michael Sporer, der das Familienunternehmen aktuell in der vierten Generation führt, haben wir einen Eierlikör zubereitet. Ich habe mir sagen lassen, dass man ihn eigentlich am besten drei Wochen ruhen lässt – pünktlich zu Weihnachten wäre er also perfekt gewesen. Wäre? Na ich konnte nicht so lange abwarten und habe doch schon mal ein bisschen probiert. Lecker, auch ganz ohne Wartezeit.

Die AIKO-Krippe.

Dunkel, ganz dunkel erinnere ich mich daran, dass wir – als ich noch klein war – eine Krippe hatten. Mit Figuren von der heiligen Familie, den drei Königen, einigen Hirten. Eine klassische Krippe eben. Etwas in dieser Richtung habe ich erwartet, als mir in Salzburg gesagt wurde, wir würden uns die AIKO-Krippe anschauen. Ich habe nicht recherchiert, sondern mich einfach eingelassen und überraschen lassen. 

Es geht um drei Ecken, durch ein altes Tor und immer weiter die Steingasse entlang, bis sich plötzlich eine Art Schaufenster auftut. Noch durch ein eisernes Tor, dann steht man drinnen, im Krippenraum. 

Mit mehr als 300 Figuren, die das Ehepaar Aichhorn-Kosina seit den frühen 70er Jahren hergestellt und angesammelt haben, zeigt sich eine Szenerie, die mit einer klassischen Krippe nur wenig zu tun hat. Ein Dorf und eine Stadtszene, viele kleine liebevoll dargestellte Geschäfte – ein Fischstadt, ein Genmüseladen, eine Gallerie, Cafés…es sind Staionen aus dem Leben von Brigitte Aichhorn-Kosina, die sich dem Besucher zeigen. In der Mitte dann doch – ein Engel, eine Frauenfigur in braunem Gewand. 

Ich bin einen Moment stutzig: In der Kunst wird Maria eigentlich immer in einem roten Kleid mit blauem Mantel dargestellt. Herr Aichhorn reagiert verwundert auf meine Nachfrage, wo denn die Heilige Familie sei. „Ist denn etwa schon Heilig Abend? Maria und Joseph sind auf dem Weg nach Bethlehem – das ist doch klar. Die Frau im braunen Gewand ist Anna – die Mutter Marias.“ 

Ich drehe mich und entdecke sie. Im Schaufenster stehen die Puppen: Joseph und Maria, mit einem Esel. Daneben Nomaden mit Kamelen – die Familie ist auf dem Weg.

Vielen Dank an Salzburg Tourismus und das Winterfest für die Einladung und für die ganz besonderen Eindrücke vom anderen Advent in Salzburg.