Es ist die Sonne, die auf unser Bett scheint. Oder doch der Duft von Espresso, der aus der Küche zu mir rüber zieht? Ich bin noch im Halbschlaf und weiß doch, dass gleich ein Espresso neben mir auf dem Nachttisch abgestellt wird. Ich öffne die Augen. Kurz nach sieben. Woche sechs.

Vielmehr fühlt es sich nach Woche sechzig an.
Highlights? Alle zwei Wochen am Freitag gehen wir in den Supermarkt, zum Einkaufen. Ein Unternehmen, das präzise geplant sein will. Akribische Einkaufslisten, freudvolle Planungen dessen, was wir in den kommenden zwei Wochen wohl essen wollen werden. Schnelles einkaufen im Laden, zufriedenes Auspacken und Zubereiten zu Hause. Selten haben wir so gezielt und so wenig impulsiv eingekauft, wie in den letzten Wochen. Ist das jetzt etwas Gutes?

Ich habe mich anstecken lassen. Vielleicht hat mich auch nur die Zahl auf der Waage erschreckt, vor allen in Kombination mit der Annahme, dass wir weiter im Dezember unsere Hochzeit feiern. Ich habe mich letztlich doch dazu durchgerungen Homeworkouts eine neue Chance zu geben. Yoga, HIIT und regelmäßiges Laufen stehen seitdem auf dem Tagesplan. Ein bisschen auch, weil es mir hilft nicht verrückt zu werden. Weil es mir das Gefühl gibt aktiv etwas zu tun, etwas (an mir) zu verändern in einer Zeit, in der so viele Aspekte meines Lebens von außen vorgegeben werden, ohne dass ich tatsächlich einen Einfluss auf das hätte, was passiert.
Workouts kann ich kontrollieren, ich kann entscheiden ob und wann ich mich bewege. In meinen eigenen vier Wänden zwar nur, aber immerhin.

Freitag. Es ist Freitag und der ist auch irgendwie nicht mehr das, was er mal war. Wirkliche Euphorie über dieses Wochenende, das wir nun zusammen verbringen können, kommt irgendwie nicht auf. Verbringen wir ja nun auch jeden anderen Tag zusammen. Mein Mann sitzt keinen Meter von mir entfernt, auf der anderen Seite des Esstisches. Was machen wir nun also mit diesem Wochenende, an dem wir nicht wirklich raus können (oder wollen)? Das Umpflanzen eines Oleanders wird zum aufregenden Unterfangen.

Und obwohl Zeit als limitierender Faktor wegfällt, wird mir bewusst, dass Motivation einer ist. Ja, ich habe Probleme mich aufzuraffen. Dinge anzupacken. Das Schreiben wieder anzupacken, Texte zu verfassen. Es mangelt nicht an Ideen, Konzepten – mir fehlt der Funke, der überspringt. Ich gelobe Besserung.