Siebzehn Euro hat der einfache Flug von Frankfurt nach Madrid gekostet. Siebzehn Euro, die mich ins Herzen Spaniens gebracht haben. Zu Tapas, Churros und Tinto de Verano. Eher durch Zufall habe ich mich mit einer Freundin in Madrid getroffen – wir hatten gar keine Erwartungen an die spanische Hauptstadt, wollten einfach nur ein paar Tage zusammen verbringen. Was soll ich sagen, Madrid ist wunderschön und hat uns sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. 

Meine Vorbereitung auf Madrid war zugegebener Maßen eher überschaubar: Ich hatte einen Reiseführer für Gesamt-Spanien gekauft und ein bisschen was über Madrid gelesen. Dann kamen die letzten Tage und Wochen in Amman, eine Reise nach Jerusalem und Palästina – und ich bin einfach nicht wirklich dazu gekommen den Trip nach Madrid ausgiebig vorzubereiten und zu recherchieren. Dass ich im Umpackchaos in der Wohnung einer Freundin in Frankfurt dann auch noch den Reiseführer vergessen habe, ist mir erst in Madrid aufgefallen.
Entsprechend bin ich den ersten Nachmittag in Spaniens Hauptstadt ohne Plan und Ziel, stattdessen mit dem Wunsch zu entdecken, einfach mal losgezogen. Treiben lassen, mit dem Strom der Menschen schwimmen, nicht planen wo man endet. Das habe ich so ausgiebig lange nicht mehr gemacht – und ich habe es extrem genossen. Die Location, an der wir untergebracht waren, hat sich perfekt geeignet: Im Mola Hostel&Suites fast direkt an der Puerta del Sol. Mitten im Geschenen, in Laufweite aller Sehenswürdigkeiten, spannenden Viertel, Bars und vieler Restaurants.
Einen kleinen Reiseführer haben wir uns am zweiten Tag übrigens doch noch gekauft – ich war ein bisschen unruhig und hatte Angst etwas zu verpassen. Immer wieder entdecke ich durch solche Kleinigkeiten den Spießer in mir.

La Latina – Tapas, Wein und ein großer Flohmarkt

Es mag ein Klischee sein, dass nur in meinem Kopf korrekt ist – aber der Zusammenhang zwischen Tapas und Spanien hält sich doch recht fest. Deswegen war La Latina meine erste Wahl, als es Zeit für ein (sehr spanisch spätes) Dinner war.  Dank der Empfehlung eines Freundes sind wir in auf direktem Weg in die Calle Cava Baja und wurden nicht enttäuscht. Eine Bar neben der anderen, überall gibt es Tapas (meist zum Aussuchen in der Vitrine), dazu das ein oder andere Gläschen Bier, Wein, Tinto de Verano. Man kann es sich schon sehr gut gehen lassen.
Am Sonntag lohnt es sich das Viertel nicht nur zum Dinner, sondern vor allem auch am frühen Morgen zu besuchen: El Rastro ist ein riesiger Flohmarkt, der sich über das ganze Viertel erstreckt und auf dem sich neben jeder Menge Ramsch auch echte Schmuckstücke finden lassen. Wäre ich nicht mit Handgepäck unterwegs gewesen, wäre ein kleines antikes Beistelltischchen mit wunderschönen Einlegearbeiten aus Holz ganz sicherlich mit zurück nach Deutschland gekommen. Bars und Cafés zur Stärkung während des Bummels finden sich überall im Viertel, nett sind sie eigentlich auch alle. Wir haben uns für ein frühes Mittagessen bei „El capricho extremeño“ entschieden. Yummy.

Mein Tip: Espadrilles bei Hernandez. Ja, man steht ein bisschen in der Schlange. Gute 40 Minuten hat es bei mir gedauert. Aber mit einem Kaffee und einer netten Begleitung zum Plaudern geht es dann eigentlich. Und die Schuhe sind wirklich wunderschön, handgemacht und von guter Qualität – natürlich sind sie ein kleines bisschen teurer als irgendein Schrott, den man im Fast Fashion-Bereich kaufen kann, aber preislich sind sie vollkommen in Ordnung meiner Meinung nach.

Auf keinen Fall verpassen darfst du übrigens den San Miguel-Markt. An vielen kleinen (fest installierten) Ständen in der Markthalle gibt es Snacks, Tapas und Drinks. In der Mitte stehen Tische, man trifft sich mit Freunden und snackt sich durch den Tag. Genau mein Ding.

Palacio Real – wirklich königlich.

Auch wenn sie in der internationalen (und spanischen) Popularität meinem Gefühl nach eher hinter den britischen Royals rangieren – einen wunderschönen Palast haben die Spanier in Madrid in jedem Fall. Aufgrund des traumhaften Wetters hatte ich keine Lust mir den Palacio Real von innen anzuschauen, ich komme sicherlich nochmal wieder und vielleicht ist es dann nicht ganz so sonnig.
Stattdessen habe ich an einem Morgen mit Blick auf den Palacio Real im „Café de Oriente“ gefrühstückt. Ein eher kostspieliges Unterfangen – aber eben mit schönem Ausblick, im Schatten sitzend. Ich habe ein wenig mit meinem Kaffee dort gesessen und gearbeitet, die vorbeigehenden Menschen beobachtet und mich fast schon ein kleines bisschen spanisch gefühlt. Alternativ und kostenfrei sitzt es sich übrigens auch im an den Palast angrenzenden Park und Garten sehr schön. Akkordeonsmusik im Hintegrund, Sonne im Gesicht und die Füße – abgeschaut von zahlreichen Madrilenos, die nach der Arbeit mit Freunden kamen – im Wasserbecken. So kann man es schon auch aushalten. Zu meinem Glpck gefehlt hat mir ein kalter Aperol Spritz oder ein Bier – vielleicht gibt es ja bald einein findigen Verkäufer, der einen Stand eröffnet. Ich wäre in jedem Fall ein Kunde.

Malsaña – der Start der Bewegung.

Wenn man ein bisschen weiterspaziert von Palacio Real, kommt man nach Malsaña. Und ehrlich gesagt ist das eine Sache, die mir an Madrid wahnsinnig gut gefallen hat: Wie viel sich im Stadtzentrum zu Fuß erkunden lässt. Natürlich ist es eine wahnisnnig große Stadt und selbstverständlich leben und arbeiten die meisten Menschen nicht im Stadtzentrum und sind deswegen auf Autos oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Aber für mich als Touristen ist fast alles komfortabel zu Fuß zu erreichen. Das gefälllt mir gut.
Malsaña ist ein alternatives VIertel, eher ein bisschen links der Mitte. Viele Secondhand-Läden, dazu alteingesessene Bars, neue Hipster-Lokale. Eine ganz wunderbare Mischung. Hier war die „wilde Madrider Szene“ nach dem Sturz des General Franco zu Hause, Reste und Überbleibsel davon kann man noch heute sehen und spüren – es liegt etwas in der Luft.
Einen fantastischen Lunch gibt es bei Mérimeée Fuencarral, wir hatten je einen Salat (eine sehr reichhaltige und großzügige Portion), Dessert und ein Glas Rosé. Man sitzt sehr schön in einem halboffenen Restaurant, das innen mit zartem Türkis, weiß und hellem Holz ausgestattet ist. Ganz abgesehen davon, dass ich gut gegeessen habe, war ich auch optisch angesprochen. Eine perfekte Kombination.
Nach dem Lunch ist vor dem Kaffee und den haben wir in einem Café getrunken, dass uns in eine andere Zeit entführt hat. Eine so liebevolle und detailreiche Interpretation habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich mag es im Urlaub ganz besonders, wenn ich die Chance habe ganz in die lokale Kultur einzutauchen. Ein bisschen weg von der Hauptstraße, zwei Quergassen und dann sitzen nur noch Spanier um mich herum. Genauso passiert bei Lolina Vintage. Vielleicht nur ein Zufall – vielleicht sind grundsätzlich nur Spanier dort. Ich weiß es nicht, aber es hat mir gut gefallen.

Sol, Santa Ana und Huertas – let´s get the night started.

Rund um den Platz Santa Ana sind zahllose Bars, Cafés und Restaurants. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei.
Spanien, das sind für mich nicht nur Tapas, sondern auch Churros. Ich erinnere mich ziemlich genau an die erste Portion, die ich vor Jahren in Barcelona probiert habe: Heiß und fettig, mit Puderzucker bestreut und in warme flüssige Schokolade getrunkt – ein Gedicht. Direkt um die Ecke von unserem Hotel gibt es die berühmte Chocolatería de San Ginés, 24 Stunden am Tag kann man dort das goldene Gebäck bekommen. Perfekt in einem Ausgehviertel.
Zum Sonnenuntergang MUSS man eigentlich auf eine der vielen Dachterrassen. Vielleicht auch jeden Tag auf eine andere. Besonders gut gefallen haben mir die Terrasse auf dem The Hat-Hostel – dort hat man zwar keine besondere Aussicht, aber die Atmosphäre ist richtig gut. Und auf dem Dach des m by melia direkt an der Plaza Santa Ana – die Drinks sind gut gemixt, es gibt einen DJ, wahnsinnig lange Sonne und einen wunderschönen Blick auf die Stadt.

Prado, Jardín Botánico und El Retiro

Nach dem Abitur habe ich überlegt, ob ich Politikwissenschaften oder Kunstgeschichte studieren soll – für beide Fächer hatte ich eine große Leidenschaft. Am Ende habe ich mich für Politikwissenschaften entschieden und die Entscheidung keinen einzigen Tag angezweifelt, Nichts desto trotz ist meine Liebe zu Kunst und Museen unterschiedlichster Art geblieben und so konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen einen Tag im Prado zu verbringen. Und da liegt auch schon die Krux: Eigentlich müsste man sehr viel mehr als einen Tag im Prado verbringen – ähnlich wie im Louvre ist die Masse und Menge an Kunstwerken einfach viel zu umfangreich für einen Besuch am Vormittag. Zweitens ist der Prado vielleicht das bekannteste, aber nicht das einzige großartige Kunstmuseum in Madrid. In der gleichen Straße ist auch das Centro de Arte Reina Sofia (mit Fokus auf moderner Kunst und vielen Werken von Picasso) und das Museo Thyssen-Bornemisza (das einen breiten Überblick über die Europäische Kunst im Allgmeinen gibt).
Ein Tip für den Prado: Man kann die Tickets auch online kaufen, bei manchen Plattformen kommt eine Bearbeitungsgebühr von 0,50 € hinzu – für mich angesichts der langen Schlangen durchaus ein Betrag den ich bereit bin zu investieren.
Nach dem Museum bieten sich die zwei wunderschönen Museen in Laufentfernung an. Mir hat vor allem El Retiro mit dem Kristalpalast wirklich gut gefallen – als ich dort war hat ein Violinist eine ganze Stunde lang verschiedene Stücke großer Meister gespielt und meine Mittagspause so perfekt musikalisch untermalt.