Ich wohne wahnsinnig gerne in München.
Nicht nur, weil ich die Stadt wirklich gerne mag und mich hier wohl fühle. Sondern auch, weil man von München aus so wahnsinnig viele tolle Dinge erleben kann, ohne dass man ewig im Auto sitzt oder sogar in den Flieger steigen muss. Ich liebe all unsere Seen, die Nähe zu den Bergen – und die Nähe zu Österreich, der Schweiz und Italien. Seitdem ich in den letzten Jahren oft in Südtirol war, bin ich auch viel durch Tirol gefahren. Aber eben immer nur durchgefahren. Innsbruck kannte ich nur von den Schildern auf der Autobahn und von Hall in Tirol hatte ich schon mal gehört – mehr aber auch nicht. Zeit, das endlich zu ändern.

Ein Wochenende in Tirol also. Gleich ein langes Wochenende, über Pfingsten. Ich hatte mich gefreut darauf in der Sonne zu liegen, ganz gemütlich durch Innsbruck zu bummeln, eine kleine Wanderung zu machen, die Kristallwelten von Swarovski zu besichtigen…aber dann kam das Wetter. Um genau zu sein: Es kam der Regen. Viel Regen. So viel Regen, dass wir zwischenzeitlich kaum zum Auto gehen konnten vom Hotel aus. Und ich hatte – abgesehen von meinen Wanderschuhen – kein Paar geschlossene Schuhe dabei.
Mein erstes Learning: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. 🙂
Hätte ich mir besser mal den Wetterbericht genauer angeschaut. Es ist auch eigentlich kein Geheimnis, dass das Wetter in Tirol etwas wechselhaft ist – alleine wegen der Lage von Innsbruck in einem Kessel zwischen den Bergen kann es auch nicht anders sein – ich habe es nur nicht glauben wollen 😉 Wir haben die trockenen und sonnigen Momente so gut es ging ausgenutzt und ich konnte immerhin meine Ausrüstung für den Jakobsweg in aller Länge testen. Mein Fazit: Die Schuhe und die Jacke sind mehr als dicht. Falls du aus meinen (ehrlich gesagt eher nicht so wahnsinnig smarten) Erfahrungen lernen willst: Pack einen Schirm und eine wirklich gute Regenjacke ein. Und Gummistiefel. Das Wetter in Tirol ändert sich wahnsinnig schnell.

Dem Wetter zum Trotz waren wir in den Swarovski Kristallwelten in Wattens – die großartigen Wunderkammern sind in einem Gebäude. Da spielt das Wetter keine ganz so große Rolle.
Wunderkammern klingt spektakulär, ist es auch. Verschiedene Künstler haben 16 komplett unterschiedliche Kammern gestaltet. Bei allen steht der Kristall in irgendeiner Art und Weise im Fokus. Jede Kammer für sich ist so faszinierend und einzigartig, dass es sich wirklich lohnt ein paar Stunden zu investieren.
Vor dem Eingang zu den Wunderkammern gibt es einen Brunnen mit einem stilisierten „Geist“. Offenbar taucht genau dieser Geist im Hintergrund eines bekannten Bollywood-Films auf: Zu meiner großen Überraschung waren nicht nur in den Kristallwelten, sondern auch in der Innenstadt von Innsbruck zahlreiche indische Touristen unterwegs, die extra anreisen um die Filmkulisse live zu erleben. Faszinierend – ich versuche herauszufinden, um welchen Film es sich handelt. Jetzt will ich ihn auch sehen.

Die Kristallwelten haben aber nicht nur Wunderkammern, sondern auch einen ganz wunderbaren Park. Mit eigenen Schafen.
MIt Draht und 600.000 Swarovski-Kristallen wurde eine Art Wolke geschaffen. Wenn die Sonne scheint, bricht sich das Licht in den Kristallen und die Wolke fängt ganz wunderschön an zu glitzern.
Und natürlich: Es gibt einen Shop. Mit allen nur erdenklichen Schmuckstücken von Swarovski. Und mit zwischen den Vitrinen angeordneten Schaukästen, in denen spektakuläre Kooperationen mit der Fashion-Industrie ausgestellt werden. Kleider komplett mit Kristallen besetzt, Taschen, Schuhe – auffällig aber traumhaft schön.

Tirol sind natürlich auch die Berge. Also ist ein Wochenende ohne Bergtour undenkbar. Und wir hatten Glück: Unsere Wanderung war für Samstag geplant – die Sonne hat ununterbrochen geschienen, das Wetter war traumhaft.
Ich habe die Chance genutzt und bin ein letztes Mal mit meinem ganzen Gepäck für die Jakobsweg auf den Berg gestiegen. Ich wollte gerne nochmal testen, ob mit dem Rucksack und den Schuhen alles passt, ob ich noch etwas an den Eistellungen verändern muss, ob der Hund in seiner Tragetasche bleibt. Alles ganz wunderbar – keine Probleme.

Die Wanderung war im Hallertal – zur Hütte St. Magdalena. Eigentlich nicht weit, aber die Steigung hatte es in sich. Geplant hatten wir eigentlich bis zu den Salzstollen am Ende des Tals zu gehen, die Hall zum mittelalterlichen Reichtum verholfen hatten – aber an der Hütte war Schluss. Fast 20 kg zusätzliches Gewicht (der Rucksack und der Hund) in der Mittagssonne an den Steigungen hat mich an meine Grenzen gebracht und statt weiterer Steigungen gab es eine Rast auf der Hütte.
Gelohnt hat der Aufstieg sich allemal. Nicht nur wegen der Kasknödel, sondern vor allem auch wegen der fantastischen Aussichten und der einzigartigen Pflanzenwelt. Wir haben die einzige Orchideenart gesehen, die in Europa wächst. Und Felder voller Maiglöckchen: Im Hallertal hat noch bis im April Schnee gelegen und die Pflanzenwelt ist ein bisschen später dran, als bei uns. Die Maiglöckchen stehen jetzt in voller Blüte und waren so zahlreich, wie ich es noch nie gesehen habe. Über Kilometer sind die rechts und links des Wegs gewachsen. Wirklich etwas ganz besonderes.

Gewohnt haben wir in Hall in Tirol – die Stadt mit dem größten erhaltenen Altstadtkern Tirols.
Ingesamt 10 Millionen Tonnen Salz wurden im Laufe der Jahre (Zwischen 1300 und 1967) in den Salzstollen im Haller Tal abgebaut. (was ich vorher nicht wusste: hal ist das altdeutsche Wort für Salz, daher kommen zB auch Ortsbezeichnungen wie Bad Reichenhall); das Salz hat die Stadt im Mittelalter reich gemacht und die Spuren davon sind noch heute im Ortskern zu beobachten. Im Stadtkern stehen auch heute noch gut erhaltene Kaufmannshäuser, eine große Kirche.
Zwischen den altehrwürdigen Häusern immer mal wieder kleine Cafés, individuelle Geschäfte – und natürlich im Zentrum die Burg Hasegg. Hall in Tirol ist in jedem Fall einen Nach- oder Vormittag wert, den man dort verbringt.

*Vielen Dank an die Region Hall-Wattens und Swarovski für die Einladung.