Meine erste Woche in Jordanien. Bis zum letzten Moment, in dem der Flieger abgehoben hat, konnte ich es selbst kaum glauben. Der Wunsch arabisch zu lernen ist in mir gewachsen, über Jahre hinweg, über unterschiedliche Lebenssituationen, Länder, Städte. Seitdem ich mit vielleicht sechzehn Jahren einen Roman gelesen hatte, in dem die Konflikte eine – wenn auch sehr untergeordnete – Rolle spielen, wollte ich mehr über diese Region erfahren, eintauchen, ein Teil davon werden. Jetzt sitze ich hier. In Amman, mitten in der Verwirklichung meines Traums.

Meine erste Woche in Jordanien.

Die letzte Woche war ich als Besucherin in diesem Land unterwegs. Gemeinsam mit meinem Freund habe ich einen Mini-Roadtrip unternommen: Von Amman nach Wadi Rum, Petra, Shobak, ans Tote Meer und zurück nach Amman. Knapp 800 km in sieben Tagen – das ist überschaubar und bringt doch unendliche Eindrücke mit sich. Wüste ist nicht gleich Wüste, nicht einmal, wenn man sich auf einem so engen Raum bewegt wie innerhalb von Jordanien. Nichteinmal die Steinwüste in Wadi Rum und Petra ist die gleiche – obwohl nur wenige Kilometer zwischen beiden Orten liegen.

Wadi Rum

Amman

Petra

Dead Sea

Shobak

Die Menschen und die arabische Gastfreundlichkeit.

Es gibt sie wirklich, die arabische oder jordanische Gastfreundlichkeit. Sie ist so tief in der Kultur und der Erziehung der Menschen verwurzelt, dass die meisten Jordanier gar nicht anders können 😉 Gleichzeitig haben die Menschen hier ein ehrliches und aufrichtiges Interesse daran mehr zu erfahren über die Besucher, die in ihr Land kommen. Wie ist das Leben in den Herkunftsländern, warum kommt man nach Jordanien? Vor allem anderen ist es den Jordaniern aber wichtig, dass Du Dich als Tourist in ihrem Land wohl und willkommen fühlst.
In der letzten Woche hatte ich so viele spontane und wunderbare Momente der Fürsorge und Gastfreundlichkeit mit Jordaniern aller Altersklassen und Herkunftsregionen, dass ich es kaum noch zählen kann. In der Nacht in der wir angekommen sind, hatten wir einen kleinen Struggle, bis wir endlich in der Innenstadt waren. Um kurz vor fünf am Morgen waren wir finally auf dem Weg vom Parkplatz zum Hotel; zu Fuß mit unseren Backpacks an einer recht breiten Straße. Als neben uns ein Auto gehalten hat, hatte ich zuerst ein mulmiges Gefühl – es hat sich allerdings herausgestellt, dass sich der Fahrer einfach nur Gedanken gemacht hat, ob wir uns vielleicht verlaufen haben und ob wir eventuell Hilfe benötigen. Das war nur das erste von vielen solcher Erlebnisse; eines schöner als das andere.

Und warum bin ich nun in Amman?

Die ehrlichste Antwort ist wahrscheinlich: Einfach weil ich es kann. Meine Selbstständigkeit erlaubt es mir relativ ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten und genau diesen Fakt nutze ich jetzt.
Als ich im Sommer in Israel und vor allem auch in Palästina war, wusste ich, dass es an der Zeit ist. An der Zeit endlich mehr Zeit in der arabischen Welt zu verbringen. An der Zeit die Sprache zu lernen, in die Kultur einzutauchen und die Menschen besser zu verstehen.
Ich habe direkt nach meiner Rückkehr angefangen zu recherchieren, Sprachschulen zu vergleichen, Städte gegeneinander abzuwägen und habe mich schließlich für Jordanien und Amman entschieden. Ich bleibe insgesamt acht Wochen hier und komme kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland zurück. Reichen acht Wochen um Arabsich zu lernen? Nein, natürlich nicht. Obwohl ich Sprachen sehr schnell lerne und mir neue Worte und Ausdrücke gut merken kann, wäre das ein illusorisches Ziel. Acht Wochen werden eine solide Basis legen, mir einfache Konversationen erlauben. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen.

In unserer mitteleuropäischen Erziehung nehmen wir die ehrliche Gastfreundschaft häufig nicht als solche wahr:
Wir haben das Gefühl die Menschen wollen uns etwas verkaufen, aufschwatzen, uns abzocken, ausnehmen. Wir haben kein positives Gefühl. Dazu kommt eine gewisse Skepsis, eine Angst vor dem Unbekannten. Vielleicht die Befürchtung, dass wir uns in unangenehme Situationen bringen. Sicherlich sind diese Gefühle auch nicht immer falsch, manchmal berechtigt und eine gewisse Vorsicht ist angebracht.
Ich mache allerdings wieder und wieder ganz wunderbare Erfahrungen. Einen der schönsten Momente der letzten Woche hatten wir mit einigen jungen Bedouinen hoch über den Ruinen von Petra. Sie hatten eine Art nach vorne über den Abgrund geöffnetes Zelt und haben uns auf einen Tee eingeladen. Gemeinsam haben wir die Aussicht und den beginnenden Sonnenuntergang genossen, haben uns mit Händen und Füßen verständigt und uns über die unglaubliche Schönheit der Natur gefreut, die sich vor unseren Augen ausbreitet. Wir schade wäre es gewesen, wenn ich diesen Gänsehaut-Moment verpasst hätte.