Dieses Jahr ist Weihnachten irgendwie anders. Weniger ruhig und weniger entspannt als ich es mir gewünscht hätte. Und gleichzeitig bin ich doch ganz ruhig und entspannt. Sind das jetzt frohe Weihnachten?

Zu Weihnachten soll man ehrlich sein…

Ich bin nach Hause gefahren zu meiner Familie. In meiner perfekten Weihnachts-Vorstellung hatte ich davon geträumt meinen Laptop erst zum Arbeiten im neuen Jahr wieder auszupacken. Das hat nicht funktioniert: Ich sitze jeden Tag von morgens bis abends an meinem Schreibtisch – dem Tisch, an dem ich schon als Kind gespielt und später für mein Abitur gelernt habe. Ich hatte noch Shootings vor mir, Texte wollten geschrieben, Rechnungen verschickt werden. Meine Steuererklärung für´s letzte Jahr ist noch nicht fertig. Von weihnachtlicher Entspannung bin ich ein ganzes Stück entfernt. Meine Familie habe ich noch kaum zu Gesicht bekommen. Frohe Weihnachten?

Die Wahrheit über „Frohe Weihnachten“

An dieser Stelle und am heutigen Tag wollte ich eigentlich ein ganz anderes Weihnachtsposting online stellen. Dann habe ich mich für die Wahrheit entschieden. Keine heile Welt, keine Weihnachtsstimmung und Stress bis zur letzten Minute.
Ich schaue auf die Uhr – es ist 3:55, also eigentlich Heilig Morgen. Die Weihnachtsstimmung muss sich jetzt langsam beeilen, die to do-Liste müsste sich langsam leeren. Frohe Weihnachten?

Entspannte Weihnachten sind frohe Weihnachten

Gleichzeitig bin ich doch völlig entspannt und meine Familie ist es auch. Wir haben heute Abend überlegt, was wir morgen Abend essen. Wir hatten vorher keine Zeit und auch irgendwie keine Lust zu überlegen. Eingekauft haben wir übrigens noch nichts – außer einer Baby-Pute. Ein Anfang vielleicht. Wir haben uns alle gemeinsam ganz bewusst entschieden, dass wir uns in diesem Jahr keinen zusätzlichen Weihnachtsstress machen. Keine drei Tage voller aufwändiger Menüs. Wir wollen nicht drei Tage in Supermärkten und drei weitere Tage in der Küche verbringen. In diesem Jahr ist es uns den Aufwand einfach nicht wert. Festlich soll es sein – aber nicht einem Staatsempfang gleichen. Frohe Weihnachten?

Echte Weihnachtswünsche für frohe Weihnachten

Wer weiß, wie oft wir noch in dieser Konstellation mit der ganzen Familie feiern können. Ich will ehrlich zu mir selbst sein: Die Jahre, vielleicht sogar die Tage, sind gezählt. Vielleicht wird dieses Fest unser letztes gemeinsames sein. Will ich dann den Abend in der Küche verbringen? Nein – ich will am Tisch sitzen mit meinen liebsten Menschen. Ich will mit ihnen genießen und lachen. Ich will einen Abend – und zwei Feiertage – mit ihnen verbringen, auf die ich später zurückblicke und ein Lächeln auf den Lippen habe. Frohe Weihnachten?

In diesem Jahr haben wir uns gegen große Geschenke entschieden. Wir alle haben das, was wir brauchen. Wenn ich mir etwas wünsche, dann kann ich es mir kaufen. In diesem Jahr sind es andere Dinge, die ich mir und uns wirklich wünsche. Das sind Wünsche, die ich nicht in Papier verpacken kann und um die keine Schleife passt. Und trotz all dem Stress, den ich beruflich habe. Trotz der wenigen Zeit, die ich mir und meiner Familie in den letzten Tagen genommen habe. Trotz des unweihnachtlichen Wetters und trotz der fehlenden Weihnachtsstimmung: Es gab schon lange kein Jahr mehr, in dem ich mich so gut gefühlt habe. So weihnachtlich.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!