Im Vorbeigehen gefragt, ohne wirklich an der Antwort interessiert zu sein.
„Geht es Dir gut?“ Nachdem man gefragt hat, ist der sozial erforderliche Teil der Begrüßungsformel abgehackt, meist wird auf die Antwort nicht ein Mal gewartet. „Geht es Dir gut?“ – eine Frage, die eigentlich schon die Antwort „Klar, alles ok und Dir?“ impliziert. Eine andere Antwort zu geben, fühlt sich fast schon nach einem sozialen Experiment an; nach einem, das das Gegenüber vermutlich überfordern wird. 

*enthält PR-Sample und Affiliate-Links.

Im arabischen und amerikanisch-englischen Sprachraum gehört die Frage nach dem Empfinden des anderen zu der Begrüßungs-Formel, die ganz allgemein und immer verwendet wird. Und erst jetzt wertschätze ich die Privatssphäre, die mir in deutschen Cafés gewährt wird. Was geht es den Barista an, wie meine Laune ist. Was interessiert es ihn, wie meine Woche gelaufen ist und ob ich einen guten Tag habe?
An manchen Tagen ist schon das Bestellen des Kaffees eine soziale Interaktion, die mich an den Rande dessen bringt, was ich tatsächlich tun möchte. Ich möchte mich nicht ununterbrochen unterhalten – schon gar nicht im Smalltalk.

Kleid – more&more*
Jacke – mango, ähnlich hier
Schuhe – h&m

Vielleicht ist es auch das: Smalltalk. Ohne tatsächliches Interesse, ebenso gut könnten wir uns über das Wetter unterhalten. Oder darüber, was ich zum Mittag esse. „Wie geht es Dir? Was gibt es Neues?“.

So unnötig mir die Smalltalk-Variante erscheint, so sehr schätze ich die ehrliche Frage. Eine Freundin, die wirklich wissen will, wie meine Woche war. Die mich nicht unterbricht, wenn ich zwanzig Minuten darüber jammere, was schief gelaufen ist. Die sich ehrlich mit mir freut, wenn ich endlich einen Meilenstein erreicht und erfolgreich hinter mir gelassen habe.

Und meinen Partner, der manchmal gar nicht fragt. Weil er nicht mehr fragen muss, weil wir uns blind und ohne Worte verstehen und er an meiner Körperhaltung und meinem Gesichtausdruck alles ablesen kann, was er wissen muss. Der mich fest im Arm hält, minutenlang. Der mir einen Kuss auf die Stirn drückt und mir ganz ohne Worte das Gefühl gibt, dass alles wieder gut wird. Dass ich nicht alleine bin.
„Geht es Dir gut?“ Yep, I´m fine now.