Die Tür knallt zu und mir laufen Tränen über die Wangen. Tränen der Wut.
Ich wusste es, ich habe die Situation schon im Vorhinein genau so kommen gesehen. Wütend und verletzt, zurückgewiesen. So fühlt es sich an, als die Tränen laufen. Durch meinen Kopf spuken Verwünschungen, am Liebsten möchte ich in diesem Moment nie wieder etwas hören. Von irgendwem. Einige Momente später klingelt mein Handy…und du zeigst wahre Größe.

Ich wollte zu Hause bleiben, dem Konflikt aus dem Weg gehen – dem Konflikt mit dem ich eigentlich gar nichts zu tun habe und in den ich doch immer wieder hinein gerate. Während ich im Flur stehe ärgere ich mich nicht nur über die anderen – vor allem bin ich wütend auf mich selbst. Darauf, dass ich mich nicht auf diesen ersten Impuls verlassen habe. Schon wieder nicht.
Mein Handy klingelt, eine Nachricht von Dir. Eine Nachricht, die wahre Größe zeigt. Ich muss mir eingestehen, dass ich diese Größe nicht besessen hätte. Mich bei Dir zu melden, den Konflikt einen Konflikt sein zu lassen. Auf Dich zugehen.

Größe zeigen. Über den eigenen Schatten springen und ehrlich sagen, was man empfindet. Auch auf die Gefahr hin zurückgewiesen zu werden.
Auch dann Größe zu zeigen, wenn man selbst verletzt ist. Den eigenen Ärger runterschlucken, über der Situation stehen.

Ich lasse Deine Nachricht für einige Minuten sacken.
Überlege mir, was du mir sagen willst. Denke darüber nach, was ich antworten soll. Möchte ich die Hand annehmen, die du mir entgegen streckst? Die Chance ergreifen, die wir beide haben? Es besser machen, anders machen. Das Muster durchbrechen, das wir seit Jahren sehen, beobachten, mitmachen. Ich trockne meine Tränen.

Dann schreibe ich. „Hallo. Vielen Dank für Deine Nachricht.“