Ich habe ewig nicht gebacken. Mit Ausnahme von zwei Portionen Shortbread, die ich in Amman aus lauter Weihnachtsplätzchen-Sehnsucht schnell zusammengerührt habe. In einem One-Use-Aluschälchen – das zählt nicht so richtig als backen. Nach drei Monaten hatte ich plötzlich eine solche Lust, dass ich mich vor zwei Wochen recht spontan am Abend entschieden habe einen Hefeschnecken-Kuchen zu backen. Dazu noch schnell eine Brandy-Beeren-Füllung gezaubert und schwups – am nächsten Tag fotografiert.

Vor Hefeteig hatte ich lange Zeit einen großen Respekt: Ich dachte, es wäre wahnsinnig schwierig, den Teig dazu zu bringen aufzugehen. Ich dachte, es würde mir nicht gelingen einen fluffigen Kuchen oder luftiges Gebäck herzustellen. Pustekuchen, Hefe ist nicht schwierig. Sie braucht ein kleines bisschen Zuneigung, einen warmen Platz, ein sauberes Geschirrtuch. Aber Hexenwerk ist das nun wirklich nicht.

Und der Brandy…der Brandy und die Beeren gehören zu meinem „geheimen Projekt“ für 2018.
Ganz grundsätzlich ist es so, dass ich gerne weniger besitzen würde. Das ist ein klassisches erste Welt-Problem, darüber bin ich mir bewusst. In Jordanien ist mir einfach klar geworden, wie wenig ich brauche. Wie wenig Kleidung, Makeup, Dinge im Allgemeinen. Ich möchte mich in diesem Jahr langsam aber sicher von Dingen trennen, die ich nicht brauche. Dinge, die ich nicht nutze. Wenn es nicht schön ist, einen wirklichen Sinn hat oder mich glücklich macht – dann muss es weg.
Unser Barwagen steht auch auf der Liste. Nicht, weil mich die Flaschen nicht glücklich machen. Sondern weil wir viel zu viele Flaschen haben, in denen noch ein kleiner Rest ist. Zwei oder drei Schluck. Diese ganzen Reste möchte ich nicht mehr ewig aufheben, sondern nach und nach verbrauchen. Der Portwein ist in einer Soße verarbeitet worden, der Brandy hat es – eingekocht mit ein paar Beeren – als Füllung in den Kuchen geschafft. Wenn das mal keine löbliche Resteverwertung ist.

Rezept für einen Hefeschnecken-Kuchen mit Brandy-Beeren-Füllung

Zutaten:
1 Würfel frische Hefe
250 ml Milch
500 g Mehl
60 g Butter
70 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz

250 g gefrorene Beeren
50 ml Brandy
50 g Zucker
100 g gehobelte Mandeln

150 g Puderzucker
30 g Frischkäse
etwas gemahlene Bourbon-Vanille
2 EL Wasser

Zubereitung:
1. Erwärm die Milch in einem kleinen Topf und lös dann die Hefe in der lauwarmen Milch auf.
2. Misch Mehl, Zucker und Salz in einer großen Schüssel und rühr drei Esslöffel der Mischung unter die Hefe-Milch. Lass die Mischung etwa 15 Minuten an einem warmen Ort gehen.
3. Gib die Hefe-Mischung zusammen mit einem Ei und der (warmen zerlassenen) Butter zum Mehl und knete alles gut durch.
4. Wenn sich ein einheitlicher Teig gebildet hat, deckst du die Teigschüssel mit einem sauberen Geschirrtuch ab und lässt ihn an einem warmen Ort für etwa 30 Minuten gehen.
5. In der Zwischenzeit kannst du die Füllung zubereiten: In einem kleinen Topf Vermischst du Beeren, Brandy und Zucker. Auf geringer Hitze lässt du die Mischung etwas einreduzieren, sie Masse sollte zähflüssig werden.
6. Bestäub Deine Arbeitsfläche mit ausreichend Mehl und roll den Hefeteig dünn aus. Bestreich die Teigplatte über die ganze Größe mit der Brandy-Mischung und bestreu sie mit gehobelten Mandeln.
7. Roll den Teig der Länge nach auf, sodass eine lange Rolle entsteht. Schneid die Rolle mit einem scharfen Messer in etwa 7 cm lange Stücke.
8. Fette eine runde Springform und setz die Heferollen-Stücke nebeneinander in die Form. Deck die Form nochmal mit dem Geschirrtuch ab und lass den Teig für 20 Minuten an einem warmen Ort gehen.
9. Heiz den Backofen auf 160 Grad vor und back den Hefeschnecken-Kuchen für etwa 25 Minuten.
10. Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, kannst du aus Puderzucker, Frischkäse, Vanille und Wasser eine glatte Glasur herstellen und den Kuchen damit bestreichen.