Eine Woche bin ich unterwegs.
Schon eine Woche. Und auch: Erst eine Woche. Eine Woche zerrinnt mir zu Hause zwischen den Fingern, ich habe das Gefühl nur zwei Mal zu blinzeln und schon ist wieder Wochenende. Auf dem Weg ist es anders. Die Zeit vergeht langsamer – und vor allem anders als geplant. 

Wer mich kennt der weiß: Ich liebe Listen, genaue Pläne, Abläufe werden durchgetaktet und ich kann nur schlecht damit leben, wenn etwas anders läuft, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Kleinen wie im Großen. Ich werde schnell ungeduldig und bin grundsätzlich der Meinung, dass mein Plan der bessere gewesen wäre. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich bin keine besonders angenehme Gesellschaft, wenn etwas nicht so läuft, wie es in meiner Vorstellung hätte sein müssen.
Das weiß ich. Daran arbeite ich.

Und jetzt bin ich auf dem Jakobsweg. Vom ersten Tag an ist NICHTS so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ich konnte schon nicht loslaufen, als ich es geplant habe. Verschiedene private und geschäftliche Dinge sind dazwischen gekommen. Ich musste und wollte mich kümmern, habe die Abreise verschoben – um fünf Tage. Nicht so wie geplant.
Nach zwei Tagen absoluter körperlicher Erschöpfung musste ich einsehen, dass ich nicht 30 km am Tag laufen kann und dabei den kleinen Hund tragen. Nicht bei über 30 Grad. Ich musste meine Etappen anpassen. Nicht so wie geplant.
Ich wollte mich komplett ausklinken, keinen Kontakt zu Freunden und Familie haben, keine Mails schreiben – aber ich merke, dass ich die (telefonische) Unterstützung brauche. Zumindest jetzt gerade. Nicht so wie geplant.

Und ich merke auch, wie abhängig ich gerade noch von den Worten und Beurteilungen anderer Menschen bin. Wie sehr mich eine Mail treffen kann. Wie viel ich aus einer liebevollen Nachricht ziehe.
Mit jedem Schritt löse ich mich ein Stück weit von dem, was mich in den letzten Wochen und Monaten runtergezogen hat. Jeder Schritt und jeder zurückgelegte Kilometer fühlen sich nach einer Befreiung an. Ich lege mir Strategien und Pläne für meine Zukunft zurecht. Ich überlege genau, was ich anders machen will, wenn ich wieder zu Hause bin. Und ich merke, dass ich noch den ein oder anderen Schritt vor mir habe. Tatsächlich auf dem Jakobsweg und im übertragenen Sinne.

Vor allem geht es mir aber gut.
Ich habe schlechte Momente, Stunden in denen die Tränen fließen. Aber ich kann es zulassen und schaffe es wieder aus den schlechten Momenten herauszufinden. Ich genieße die Zeit, in der ich ganz alleine durch den Wald laufe und einfach nur meinen Gedanken nachhänge. Es geht mir gut. Ich bin auf einem guten Weg.