…wir müssen über Gefühle reden. 

Heute ist es soweit: Meine Folge vom Perfekten Dinner läuft im Fernsehen. Ich hatte ganz ehrlich ein bisschen Bammel vor der Ausstrahlung – die Dreharbeiten sind nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Eigentlich hatte ich nicht vor mir die Folge anzuschauen. Ich wollte mir die Enttäuschung ersparen, aber letztlich habe ich mich nicht beherrschen können und war doch neugierig. Über die App habe ich meine Folge schon am Mittwoch gesehen.
Nein, ich bin noch immer nicht begeistert. Nein, ich bin noch immer nicht zufrieden mit meiner Leistung. Ich weiß, dass ich einen furchtbaren Abend hatte und das die Kamera gelaufen ist. Die ganze Zeit.

Also hol den Wein, wir müssen über Gefühle reden.

 

Am Abend der Aufzeichnung habe ich kurz überlegt das Land zu verlassen. Oder vielleicht noch besser den Kontinent. Ich war so unendlich enttäuscht von meiner Leistung, dass ich mich am liebsten nie wieder irgendwo gezeigt hätte. Nie wieder aus unserem Schlafzimmer herausgekommen wäre.
Ich habe hohe Erwartungen an mich selbst, ich bin mein größter Kritiker, manchmal mein größter Feind. Ich habe mich selbst enttäuscht und das ist das allerschlimmste. Wäre der Abend so verlaufen wie er verlaufen ist, wenn ich gelassener herangegangen wäre und über den misslungenen Oktopus gelacht hätte? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich wäre es entspannter gelaufen. Ist es aber nicht – und das ist ok. Das perfekte Dinner hat mich letztlich auf den Jakobsweg gebracht und dafür bin ich unendlich dankbar.

 

Und als ich die Folge gesehen habe, musste ich lächeln.
Ich habe mich über die netten Worte und Kommentare meiner Mitstreiter gefreut. Die Menschen sind mir innerhalb der Drehwoche ans Herz gewachsen, manche mehr – andere weniger. Bei einem trifft Dich die Kritik härter, bei einem anderen perlt sie an Dir ab.
Ich bin nicht glücklich darüber, wie der Dreh bei uns zu Hause gelaufen ist – aber ich bin dankbar für die Erfahrung.  Und es ist nicht alles schlecht gelaufen – der Wein ist gut gelaufen.

Wenn man mir die Wahl lässt, dann entscheide ich mich fast immer für einen Weißwein. Bevorzugt für Sauvignon Blanc – die cremige Textur am Gaumen entspricht genau meinem Geschmack und natürlich wolte ich auch zu meinem Dinner einen Sauvignon, zwei Sauvignon und einen Gros Maseng.
Aber so gerne ich Sauvignon Blanc trinke – eine wirklich professionelle Weinkennerin bin ich nicht, deswegen habe ich mir bei der Auswahl ein bisschen Hilfe gesucht: Ich war in Saarbrücken bei Jacques Weindepot – und ich habe von Herrn Pfeiffer nicht nur eine großartige Beratung bekommen. sondern auch fantastisch harmonierende Weine zu meinem Dinner.

 

Zum Hauptgang: CHATEAU BONNET Blanc 2015
Der Oktopus mit Couscous braucht einen etwas stärkeren Gegenspieler aus dem Weinregal. Mit dem Cuvée aus Sauvignon Blanc und Sémillon von André Lurton habe ich genau das bekommen: Einen Obstsalat aus Melone, Stachelbeere und Grapefruit – verfeinert mit der Würze von Tomatengrün und frisch geschnittenem Gras. Am Gaumen sehr pikant und knackig.

Zur Vorspeise: PAUL MAS Sauvignon 2016

Passend zu meinen Auberginen mit Tahini und Fatoush-Salat wollte ich einen leichten Wein, der das Essen unterstreicht ohne die Geschmacksnuancen zu sehr zu übertönen. Der Sauvignon Blanc von Jean-Claude Mas kombiniert die feinen Düfte von Stachelbeere und Ananas mit frischen Kräutern: Thymian und Rosmarin steigen aus dem Glas. Am Gaumen zeigt sich der Sauvignon rundum saftig, spritzig mit einer schönen Frucht.

Zur Nachspeise: JURACON Pavillion Royal Doux 2014
Das zarte Mousse mit Orangenblüten, das Pistazieneis und das Baklava – dazu wollte ich eine Süßwein, der nicht klebrig und nach Kopfschmerzen schmeckt. Mit dem Juracon habe ich einen Wein mit Geschichte ausgesucht: In alter Tradition wurden den Thronfolgern des französichen Königshauses bei der Taufe die Lippen mit Knoblauch und süßem Juracon-Wein benetzt.
Der Jurancon ist sehr elegant und nicht übertrieben süß. In der Nase eine vielschichtige Duftpalette mit deuticher Note von Honig, Pfirsich und gelben Blüten. Am Gaumen cremig, füllig, rund und angenehm saftig durch eine frische Säurestruktur.

Und was ist mit den Gefühlen?
Ich fühle mich erleichtert. Ein bisschen enttäuscht. Aber auch sehr zufrieden – vor allem mit der Entwicklung, die ich seit den Dreharbeiten durchgemacht habe. Dankbar. Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte und für das,was diese Erlebnisse mit mir gemacht habe.
In meinem Kühlschrank in München steht eine gekühlte Flasche Juracon. Sie wartet dort auf mich, wenn ich am Montag wieder in unsere Wohnung komme. Wenn ich mir ein Glas davon einschenke uind damit auf dem Balkon sitze, dann ist das für mich der Abschluss: Mit dem Dinner, den Dreharbeiten, dem Jakobsweg – und vielleicht auch en Stück weit mit dem Menschen, der ich in den letzten Monaten war und den ich selbst nicht mehr mochte. Ich stoße mit mir selbst auf mich selbst an, ich bin stolz auf mich. Wenn dafür der Wein der französischen Könige nicht die richtige Wahl ist, dann weiß ich auch nicht.