Ich erinnere mich sehr gut an den ersten wirklichen Job, den ich nach meinem Studium gemacht habe.
Nach zwei Praktika (in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns und in einer PR-Agentur) hatte ich mich in einer weiteren PR-Agentur für ein Volontariat beworben. Ich saß in meinem ersten Vorstellungsgespräch mit meinem späteren Vorgesetzten und ich wusste in genau diesem Moment: Das wird nicht gut gehen, wir können nicht miteinander. Aber ich habe den Impuls ignoriert, verdrängt, nicht zugelassen.

Bis heute weiß ich nicht, was mich an diesem Mann so gestört hat.  Er war mir auf den ersten Blick unfassbar unsympatisch. Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl – und ich habe den Vertrag trotzdem unterschrieben. In den kommenden Monaten habe ich mich fast täglich gefragt, warum ich nicht auf diesen ersten Impuls gehört habe, warum ich meinem Gefühl nicht vertraut habe.
Ich vermute, dass ich zu viel gelesen hatte zur „Generation Praktikum“ und in jedem Fall vermeiden wollte in eine endlose Praktikumsspirale zu geraten. Das habe ich zwar erreicht, aber ich war nicht glücklich, nicht ausgefüllt und habe nach neun Monaten gekündigt. Hätte ich meinem ersten Impuls vertraut, wäre das nicht notwendig gewesen.

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Aus einem Bauchgefühl heraus bin ich nach Lissabon gezogen. Es war ein Impuls, das Gefühl nochmal raus zu wollen, in einem anderen Land zu leben. Ich hatte zwar ein paar Sprachkurse an der Uni gemacht, war aber eigentlich nicht wirklich vorbereitet. Ich habe mich aus einem spontanen Gefühl heraus auf den freien Uniplatz beworben und eine Zusage bekommen. Als die Mail mit der Zusage kam, saß ich in einem Konferenzraum mitten in Taipeh in Taiwan und habe mich wie verrückt gefreut. Was gefolgt ist, waren Monate in denen ich über mich selbst hinaus gewachsen bin. Monate in denen ich viel einstecken musste und unendlich viel gelernt habe.
Ich habe die Zeit in Lissabon gebraucht und mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen.

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Inzwischen habe ich mich fast schon komplett verabschiedet von ellenlangen Listen mit Argumenten für beide Seiten. Von langfristigen Planungen und Szenarien, die ich mir in meinem Kopf bis ins letzte Detail ausmale.
Stattdessen versuche ich mich darauf zu konzentrieren, was ich bei den unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten empfinde: Wie fühlt sich die Entscheidung an? Bleiben Zweifel zurück? Was sagt mir mein erster Impuls.
Es ist sehr viel schwieriger diesem Impuls zu vertrauen, als man gemeinhin denken würde - die Gesellschaft, die Erziehung ermutigt uns dazu Entscheidungen zu durchdenken, abzuwägen. Aber ich arbeite daran…