Eine meiner liebsten Traditionen in München ist das Oktoberfest. Nicht das Saufgelage, das neuseeländische Touristen veranstalten. Das Volksfest, zu dem ich Dirndl tragen kann, mit dem Riesenrad fahren und ein paar schöne Abende oder Wochenenden mit Freunden verbringen kann. Ich bin keine echte Münchnerin, nicht mal Bayerin und habe im ersten Jahr wahrscheinlich genau die Sachen gemacht, an denen ich heute Touristen ganz eindeutig erkenne – und die ich Dir gerne erklären will, bevor du Dich auf den Weg nach München machst um auf der Wiesn zu feiern. 

Das Dirndl ist ein traditionelles Kleidungsstück.

Keine Verkleidung, kein Kostüm. So traditionell das Kleidungsstück ist, so traditionell halte ich es auch gerne mit den Farben und den Stoffen. Die meisten meiner Dirndl sind grün und haben dann Akzente in rosa, pink oder lila. Im letzten Jahr habe ich mir ein schlichtes Modell von Lodenfrey gegönnt und es in diesem Jahr um eine hellblaue Schürze und eine passende Jacke ergänzt. 
Was auf Dirndl nichts verloren hat? Animal-Prints. In Bayern gibt es nämlich gar keine Leoparden. Und weil das Dirndl eine Tracht ist, geht es in der Regel bis zur Mitte der Wade. In jedem Fall ist das Knie bedeckt. Für mich absolut indiskutabel sind Mini-Dirndl, die irgendwo über dem Knie enden. Und dann noch in Kombination mit Animal-Print? Hm….Wenn ich mir in diesem Jahr ein neues Dirndl kaufe (im Moment sieht es nicht danach aus, ich bin schon zu spät dran), dann ein bodenlanges. Der Grund? Manchmal ist es zur Wiesn schon wahnsinnig kalt und unter die bodenlangen Dirndl kann man problemlos ne Thermostrumpfhose anziehen, ohne dass es irgendwem auffällt.

Tradition hat es übrigens auch, wo die Schleife gebunden wird: Links für die Singles, rechts bedeutet „vergeben“. In der Mitte signalisiert „Jungfrau“ und hinten binden die Schleifen Witwen und Kellnerinnen. Auch wenn die Schleife sicherlich nach dem zweiten Bier niemanden davon abhalten wird Dich anzusprechen…schaden tut es auch nicht 😉

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Oktoberfestbier ist kein normales Bier.

Das klingt vielleicht albern, ist aber tatsächlich so. Das Oktoberfestbier ist nochmal ein bisschen stärker als „normales“ Bier. Wenn du es nicht gewohnt bist einen Liter auf Ex zu trinken, dann ist die Wiesn kein guter Ort es auszuprobieren. Und auch, wenn du darin geübt bist einen Liter Bier auf Ex zu trinken (ich schaffe das kaum bei einem Liter Wasser) – du brauchst es nicht zwingend an einem Samstagmorgen um 10:00 auf einer Bierbank im Schützen zu demonstrieren. Mit relativ großer Wahrscheinlichkeit ist der Samstag für Dich ansonsten gelaufen – und das wäre doch schade, oder?

Und noch ein kleiner Tipp: Ich weiß, dass das Essen auf der Wiesn teilweise unverschämt teuer ist. Ich ärger mich auch manchmal. Essen solltest du trotzdem hin und wieder was. Erfahrung macht klug: Das ganze Bier braucht dringend eine Grundlage, am Besten eine fettige. Wenn wir keinen frühen Tisch haben, starten wir oft mit einem Weißwurstfrühstück bei uns zu Hause. Brezn und Wurst schaffen eine gute Grundlage. Aber auch auf dem Festgelände ernähre ich mich nicht nur flüssig. Ich esse am liebsten Kässpätzen (die sind eigentlich überall gleich gut) oder einen Ochsen in der Ochsenbraterei. Oder einen Steckerlfisch. Zur Not eben Brezn mit Obazda. Ein kleiner Beilagensalat ist jedenfalls keine gute Idee.

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Mach Dich nicht kleiner, als du bist.

Bei meiner ersten Wiesn habe ich Ballerinas getragen. Für mich war es irgendwie logisch: Ich bin den ganzen Tag auf den Beinen. Laufen, tanzen, mit dem Karussell fahren, noch mehr laufen und dann wieder tanzen. Gelandet bin ich schließlich an der P1-Bar im beim Käfer und wurde von einem schwulen Wiesn-Profi angesprochen: Eine halbe Stunde hat er mir einen Vortrag darüber gehalten, dass ich in meinem Dirndl ja ganz süß aussehe, aber die Ballerinas leider alles zerstören. Als ich zu Hause in den Spiegel geschaut hab, musste ich ihm leider Recht geben: Wenn der Bund des Dirndls in der Mitte der Wade aufhört, dann stauchen Ballerinas das eh schon optisch verkürzte Bein zusätzlich. Seit diesem Tag trage ich verschiedene Varianten von Pumps, Heels und Peeptoes – nie die neusten und schönsten, weil sie am Ende des Tages ganz offensichtlich gelitten haben. Aber immer immer immer Schuhe mit Absatz. Und ich habe es noch nie bereut.

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Zeig was du hast.

Ein Dirndl ist wohl eines der vorteilhaftesten Kleidungsstücke, die man als Frau tragen kann. Es zaubert eine wunderschöne Taille, Kurven an der richtigen Stelle (und versteckt die Stellen, an denen man die Kurven vielleicht nicht zeigen will) und es macht einen traumhaften Ausschnitt – wenn man das richtige Dirndl und vor allem den passenden BH gewählt hat. Ein Dirndl-BH pusht das, was da ist und macht es noch ein bisschen schöner. Auch wenn ich den Rest des Jahres NIE einen Push-Up trage, ist er zur Wiesn einfach Pflicht für mich. Mein Dirndl-BH ist von Mey und passt wie angegossen – ich kann noch atmen (nicht zu unterschätzen) und für mich pusht er ganz genau so, wie er soll. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

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Sei nett zur Bedienung.

Ganz ehrlich: Wenn der Service schlecht ist, dann kritisiere ich diesen Service und bestrafe ihn mit einem geringen Trinkgeld. Überall – in jedem Land und bei Restaurants in jeder Preisklasse. Der einzige Ort, an dem ich das NIEMALS mache, ist auf der Wiesn. Niemals.

Erstens weil ich trotz des überdurchschnittlichen Gehalts in meinem ganzen Leben nicht mit einer Bedienung auf der Wiesn tauschen will. Der Job ist unfassbar hart und jeder Euro ist mehr als verdient. Und wenn ich dann am 14. Tag an eine Bedienung gerate, die vielleicht nicht mehr ganz so frisch und freundlich ist, dann habe ich dafür vollstes Verständnis. Die Münchner Fotografin Sonja arbeitet seit Jahren als Bedienung im Hofbräuzelt und hat ihren „Verfall“ während der Wiesn vor ein paar Jahren mal fotografisch festgehalten – die Bilder sagen für mich mehr als 1000 Worte.
Zweitens bin ich nett zur Bedienung, weil ich von ihr abhängig bin. Wenn sie mich nicht mag, bekomme ich abgestandenes Bier in einem Glas, das nur halbvoll ist. Oder ich bekomme gar kein Bier, weil sie an unserem Tisch nicht vorbei kommt. Und wenn man eine Stunde wartet, bis man mal nochmal ein abgestandenes Radler bekommt…dann ist´s auch gar nicht mehr so wahnsinnig lustig.

Ich gebe ein ordentliches Trinkgeld – besonders beim ersten Bier aber auch bei jedem, das folgt. Ich bedanke mich höflich und meckere nicht, wenn es mal etwas länger dauert. Wer sich die Gänge anschaut, den kann es eigentlich nicht wundern, dass das Bier nicht direkt da ist. Übrigens liegt es auch bei der Bedienung, ob sie vielleicht doch noch irgendwo ein Plätzchen findet. Vielleicht an einem reservierten Tisch, der nicht ganz voll ist. Oder sie findet eben keinen Platz für Euch.

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Bleib in Deinen Grenzen.

Sonst endest du auf dem Kotzhügel und dann auf München kotzt. Das willst du nicht – ganz sicher nicht.

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Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit mey entstanden.