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Ich ziehe die Tür hinter mir zu, schaue auf meine Armbanduhr. 
Ein bisschen knapp bin ich schon wieder dran, mein Zug fährt in 25 Minuten. Gedanklich verabschiede ich mich von dem Kaffee, den ich mir am Bahnhof kaufen wollte. 
Ich ziehe die Tür zu hinter einer Wohnung, die ein bisschen aussieht, als hätte ein Einbrecher sein Unwesen getrieben. In der Bahn sende ich eine Nachricht an meinen Freund „Es tut mir leid.“

Nichts hasse ich mehr, als unsere Wohnung in diesem Zustand zu verlassen. Meine Kaffeetasse in der Spüle – weil ich es nicht mehr geschafft habe die Spülmaschine aus und wieder einzuräumen. Unsere Hemden und Blusen sind nicht aus der Reinigung abgeholt, der Tank des Autos ist leer und auf meinem Display blinken 276 unbeantwortete Mails. 
Ich atme tief durch – ich bin nicht perfekt. Ich weiß das und versuche entspannt damit zu leben. 

Ein Spoiler an dieser Stelle: Keine von uns ist es. 
Ich habe in den letzten Tagen zwei Reisen vorbereitet – nach Kapstadt geht es direkt (literally direkt vom Flughafen) weiter nach Leogang – habe die Buchhaltung und den Jahresabschluss abgegeben, vier Stunden Arabisch Unterricht und drei Einheiten Sport untergebracht. Das ist zusätzlich zu meinem ganz normalen Arbeitsalltag vollkommen ok. 
Aber es bleibt eben etwas liegen. Wie bei jedem Menschen. Das versuche ich mir wieder und wieder ins Gedächtnis zu rufen. Keiner von uns ist perfekt. Manche lassen es so aussehen, behalten ihren Struggle für sich. Andere schlafen nur zwei Stunden pro Nacht, arbeiten unermüdlich und Non-Stop, haben vielleicht an irgendeiner Stelle Unterstützung. Perfekt sind wir alle nicht. 

Perfekt – was ist das überhaupt und wer legt das fest?
Sind es überhaupt meine eigenen Standards und Erwartungen, die ich da erfüllen will? Wer legt fest, was perfekt und erfolgreich ist? 

Ich sitze im Zug, habe mir einen Platz mit Tisch am Fenster reserviert. So wie ich es mag. Ich atme tief durch. 
Ich bin nicht perfekt – weder erfülle ich meine eigenen Standards und Ansprüche vollkommen, noch die der Gesellschaft. Ich bin nicht perfekt – aber das ist vollkommen in Ordnung. Das ist keiner von uns.