…steal your heart and change everything.

Nathan bringt mir unheimlich viel Freude. Seit fast zehn Monaten ist der kleine Wusel jetzt schon ständig um mich rum, weckt mich zärtlich am Morgen, hält mich von der Arbeit ab, zwingt mich bei jedem Wetter zu Spaziergängen und kuschelt sich am Abend ganz fest ran. Mit seinen kleinen Pfötchen oder seinem ganzen warmen Körperchen ganz nah an mir oder auf mir drauf – damit ich nicht gehen kann, ohne dass er es merkt. Als ob ich ihn jemals wirklich verlassen würde.

So sehr ich Nathan liebe und so eng unsere Beziehung auch sein mag – vor ein paar Wochen hatte ich das große Glück und die unglaubliche Gelegenheit Menschen und Hunde zu treffen, die Nathan und mich in den Schatten stellen. Weil sie ein Team sind. Weil sie das Leben des anderen in einer Art und Weise bereichern, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Auf Einladung von PURINA war ich im VITA Ausbildungszentrum für Assistenzhunde im Westerwald.

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Manchmal begegne ich Menschen, die mich sprachlos zurücklassen. Nachdenklich. Menschen die meine eigenen Probleme und die täglichen Herausforderungen ganz klein werden lassen. Bei VITA habe ich gleich eine ganze Hand voll solcher Menschen getroffen.

Unter dem Begriff Assistenzhunde habe ich mir etwas vorgestellt, natürlich. Ich dachte an Hunde, die ihre Herrchen im Alltag unterstützen. Mit Schuhen, die sie ausziehen. Mit Wasserflaschen, die sie bringen. Mit Gegenständen, die sie aufheben. Das können die Assistenzhunde auch alles, die bei VITA ausgebildet werden. Aber das ist bei weitem nicht alles. Die Hunde geben ihren Besitzern, ihren Teamkollegen, in einer Art und Weise emotionale Unterstützung, die ich so nicht erwartet hatte.

Da sind Robin und Chester, die gerade erst zusammenfinden. Der kleine Junge im Rollstuhl und der quirlige Junghund haben schon jetzt eine so innige Beziehung, dass es mir fast die Tränen in die Augen treibt: Nach dem Training auf dem Hundeplatz im strömenden Regen – das beide übrigens fantastisch absolviert haben, schlafen sie zusammen in Chesters Körbchen ein.

Frida und Fellow sind schon seit acht Jahren zusammen. Der erfahrene Hund hilft der Teenagerin im Rollstuhl nicht nur bei den kleinen und großen Aufgaben des Alltags – er hat ihr auch über die Jahre jede Menge Selbstbewusstsein, Stärke und Unabhängigkeit gegeben. Dass Frida zusammen mit einer Freundin alleine in Urlaub fährt? Wäre früher undenkbar gewesen.

Jakob und Dr. Watson gehen sogar noch einen Schritt weiter: Die beiden wohnen zusammen in einer Wohnung mitten in Köln. Jakob lebt ganz alleine – und ist eben doch nicht alleine. Watson darf mit an die Uni und hat auch im Praktikum einen festen Platz neben dem Schreibtisch.

Die Hunde geben ihren Teampartnern eine gewisse Sichtbarkeit im Alltag: Eine Hundebesitzerin hat berichtet, dass man als Rollstuhlfahrer in Deutschland nicht wahrgenommen wird. Ich habe länger darüber nachgedacht und mir ist klar geworden, wie wahr diese Aussage ist: Schon als Kinder bekommen wir gesagt “Schau da nicht so hin. Starr nicht.” Und in unserer Unbeholfenheit setzen wir diese Anweisung vollkommen falsch um: Wir schauen weg, wir ignorieren, wir nehmen nicht mehr wahr. Aus lauter Angst falsch zu schauen, schauen wir gar nicht. Ein Hund gibt den Besitzern Sichtbarkeit zurück, der Hund ist eine Brücke. Eine Möglichkeit ins Gespräch zu kommen.

Pauline hat mit Candice schon ihren zweiten Hund aus dem VITA-Programm. Nach fast dreizehn gemeinsamen Jahren musste sie sich von Eve verabschieden – eine Trennung, deren Schmerz man ihr auch heute noch anmerkt. Candice ist so gelehrig, zärtlich und strahlt eine Ruhe aus, die sich auf alle Menschen auswirkt, die rund herum sind.

Und dann sind da noch Sophia und Querido – die beiden werden auch gerade erst zusammen geführt. Das schmälert aber das unübersehbare Band zwischen den Beiden nicht. Schon während der kleinen Vorstellungsrunde beobachte ich immer wieder, wie sie kuscheln und sich ohne viele Worte verständigen. Es ist so wunderschön, diese Interaktionen zu beobachten.

Das Herz und die Seele des Projektes ist Tatjana. Die Hundetrainerin ist es, die VITA vor zwanzig Jahren ins Leben gerufen hat. Auf ihrem Grundstück im Westerwald bildet sie die Hunde aus, matched die Teampartner, betreut die Teams durch ein ganzes Hundeleben – und immer wieder auch darüber hinaus. Was Tatjana leistet ist unglaublich und lässt mich sprachlos zurück: Die Ausbildung eines Assistenzhundes kostet – bis zur Übergabe an seinen Teampartner – etwa 25.000 €. Im Laufe eines Assistenzhunde-Lebens summiert sich def Betrag auf 75.000 €. Ein Betrag, der zu einem großen Teil über Spenden finanziert wird – Kosten, die auch durch viele ehrenamtliche Helfer und Paten so niedrig wie möglich gehalten wird. Auch Purina übernimmt die Kosten für einen Assistenzhund.

Berührt hat mich auch die Geschichte von Richard und Abby. Die beiden stechen ein bisschen heraus aus den Geschichten der VITA-Teams. Weil Richard kein Kind mehr ist, wie die meisten Teampartner. Weil Richard nicht im Rollstuhl sitzt und auf den ersten Blick keine körperlichen Beeinträchtigungen hat. Richard ist ein US-Soldat, ein Irak-Veteran. Ein Mann, der aus seinem Einsatz mit einer posttraumatischen Belastungsstörung – und schwer verletzt – zurückkam. Über Jahre hinweg konnte er das Haus fast nicht verlassen, bis Abby zu ihm kam. Die schwarze Labrador Hündin gibt ihm Ruhe, Sicherheit, nimmt ihm die Angst, ist für ihn da. Inzwischen arbeitet Richard auch bei VITA: Schon bei zwei Assistenzhunden hat er in der Ausbildung geholfen; beide Hunde leben inzwischen bei anderen Soldaten. Veteranen, die der Krieg traumatisiert hat. Veteranen, die Dank ihrer Hunde langsam den Weg zurück in die Zivilgesellschaft finden.

*Dieser Beitrag wurde von Purina unterstützt. Purina arbeitet schon seit Beginn mit VITA zusammen und unterstützt den Verein in vielerlei Hinsicht. Selten erschien mir der Begriff “Werbung” so falsch. Dieser Beitrag ist keine Werbung für Purina, dieser Beitrag zeigt meine ehrliche und aufrichtige Unterstützung für VITA – ein Projekt auf das mich Purina aufmerksam gemacht hat.