Montag Morgen, noch vierzig Minuten der Unterricht startet. Die dritte Woche.
Inzwischen habe ich ein Café gefunden, in dem ich morgens manchmal frühstücke und einen Kaffee trinke. Direkt um die Ecke von meinem – neuen – Appartment, fantastischer Cappucchino, WLan, ein guter Spot um die Woche zu starten.

Während mich die Sonne in der Nase kitzelt und ich die Passanten auf ihrem Weg zur Arbeit beobachte, schicke ich meine Gedanken auf die Reise.
Was sind die Geschichten der Menschen, die in dieses Café kommen? Wer verbringt seinen frühen Start in die neue Woche noch am Laptop, tippend, recherchierend, Löcher in die Luft starrend. Was ist meine Geschichte? Bin ich zufrieden mit den letzten drei Wochen? Läuft meine Zeit hier so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ja, ich fühle mich zu Hause. Ich fühle mich angekommen, angekommen in einer Region, in einer Stadt. An einer Stelle, für die mein Herz schlägt. In einer Kultur, in die ich eintauchen möchte, von der ich mehr erfahren will und in die ich eintauchen möchte.
Langsam aber sicher bin ich auch sprachlich auf einem guten Weg. Die Wörter kommen mir leichter über die Lippen, ich fange an Schilder an Geschäften zu verstehen – zumindest kann ich sie lesen, das ist ein enormer Sprung.

Bin ich zufrieden? Ja. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.
Ich vermisse meine Familie, meinen Freund, unseren kleinen Hund. Ich vermisse Käse und Brot, ich würde mir hin und wieder etwas zuverlässigere Zeitangaben und einen Hauch mehr Pünktlichkeit wünschen. Aber ich weiß: Hier dauerhaft zu leben wäre eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen würde – wenn meine Lieben bei mir wären.

Denn es sind die Menschen, die das Leben prägen. Die Menschen, mit denen man sich umgibt, nehmen einen ganz entscheidenden Einfluss darauf, wie man Situationen erlebt, ob man gute oder schlechte Erinnerungen hat. Manchmal reichen einige Tage, im besten Fall Stunden, um Freundschaften zu schließen; ein gemeinsames Erlebnis, das enger zusammen schweißt, als manch langjährige Bekanntschaft das vermag. Menschen kommen und gehen; über die Jahre bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass kein Mensch zufällig in mein Leben tritt – mit jeder Begegnung kann ich etwas lernen, kann ich wachsen.
Gerade jetzt, wo ich nicht jeden schönen Moment mit meinen Lieben teilen kann, wertschätze ich sie noch mehr. Ja ich bin gerne in Jordanien, ich bin glücklich mit meiner Entscheidung hier her gekommen zu sein – aber ich weiß auch schon jetzt, dass ich mich freuen werde wieder nach Hause zu kommen. Zeit mit meinem Freund, der Familie, Freunden und dem Hund zu verbringen. Vielleicht bietet Amman auch die Chance mich auf das zurück zu besinnen, was mir wirklich wichtig ist.