Der Herbst ist in Amman angekommen – von einem Tag auf den anderen. Die Temperaturen sind über nach um etwa fünfzehn Grad gefallen, die Stadt ist in reißenden Bächen und unglaublichen Wassermassen untergegangen. Und plötzlich wollten wir für ein Wochenende raus. Nochmal schnell Sonne tanken, den neu eröffneten Louvre und die große Moschee in Abu Dhabi sehen, den Wahnsinn in Dubai mit eigenen Augen sehen – und haben am Mittwochabend einen Flug gebucht um Donnerstag Nachmittag Jordanien in Richtung Osten und Vereinigte Arabische Emirate zu verlassen. Eine nicht durchweg positive aber gerade deswegen großartige Entscheidung. 

Ich bin ehrlich: Die Idee war eigentlich nicht meine. Es war meine Mitbewohnerin, die mich zwischen zwei Schulstunden gefragt hat, ob ich bereit wäre für etwas Verrücktes. War ich. Und auch, wenn die Emirate schon länger auf meiner Liste standen, hab ich es bis jetzt noch nie in die Wüstenstaaten geschafft. Irgendwas kam immer dazwischen, andere Ziele erschienen mir attraktiver. Von Amman aus dauert der Flug knappe 2,5 Stunden und ich wollte die Chance wahrnehmen. Donnerstag mit dem letzten Flug nach Dubai, Sonntag mit dem ersten Flieger wieder zurück nach Amman. Etwas mehr als 48 Stunden um zwei der sieben Emirate zu sehen.

Der Nahe Osten ist vielleicht meine größte Schwäche. Ich liebe das Gewusel auf den Straßen, den Duft der Gewürze, der regelmäßige Ruf zum Gebet gibt meinem Tag eine liebenswerte Struktur (auch ohne dass ich selbst dem Ruf folge). Ich liebe das gewachsene Stadtbild von Amman, die Straßenführung die auf den ersten Blick keinen Sinn macht, das Unperfekte, das die Stadt so liebenswert macht. Ich liebe die offene Herzlichkeit der Menschen, die Einladungen zum Tee und den starken türkischen Kaffee, den man für einen halben Dinar an jeder Ecke kaufen kann. Das ist der Nahe Osten, der einen so großen Platz in meinem Herzen hat.

Und dann ist da Dubai. Keine über die Jahrhunderte gewachsene Stadt, sondern ein vertikales Wunderwerk der modernen Ingenieurskunst – das mich vom technischen Anspruch her begeistert, aber nicht wirklich in den Bann zieht. Der direkte Vergleich zwischen Amman und Dubai führt mir nochmal deutlich vor Augen, dass der verallgemeinernde Begriff „Naher Osten“ irreführend ist. Die „arabische Welt“ ist so divers wie Europa es ist. Viele verschiedene Länder und Kulturen, die durch eine gemeinsame Sprache und eine einheitliche Religion verbunden werden. Neben den Gemeinsamkeiten existiert eine unendliche Bandbreite an Unterschieden.

Vielleicht tue ich Dubai mit meinen Eindrücken Unrecht, schließlich hatte ich nur 24 Stunden in der Stadt, bevor ich nach Abu Dhabi gefahren bin. Eventuell muss ich dem Emirat doch nochmal eine zweite Chance geben.
Abu Dhabi habe ich anders empfunden, sehr viel kultureller. Während Dubai sich damit brüstet die weltweit beste Destination für Shopping zu sein, will sich Abu Dhabi bis 2030 zur Kulturhauptstadt der Emirate entwickeln. Wir hatten auch in Abu Dhabi nur einen Tag und haben die Zeit für einen Besuch in der großen Moschee und dem neu eröffneten Louvre genutzt. Mir hat beides wirklich gut gefallen und wenn ich im nächsten Jahr nochmal nach Jordanien fliege, lege ich in jedem Fall einen Stop in Abu Dhabi ein. Ich möchte noch ein bisschen mehr sehen, entdecken und einen  besseren Eindruck gewinnen.

Und sonst?
Jordanien meint es gut mit mir. Mit jedem Tag und jeder Woche wachsen mir das Königreich und seine Menschen mehr ans Herz. Natürlich freue ich mich für die Feiertage nach Deutschland zu fliegen – und gleichzeitig blutet mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich nur noch 23 Tage habe, bis mein Rückflug geht. Die Zeit hier ist viel zu schnell vergangen und ich habe noch so viel auf meine Liste. So viele Plätze, die ich sehen will – so viele Menschen, die ich treffen will.

Der Hauptgrund meiner Reise war es endlich die arabische Sprache zu lernen. Ich wollte sowohl das „Hocharabisch“ als auch den jordanischen Dialekt lernen und habe diese Kombination jetzt sechs Wochen lang durchgezogen. Selten hatte ich sechs so intensive Wochen: Fünf Stunden Sprachkurs am Tag, danach Hausaufgaben, lernen, Sprachcafé.
Intensiv – aber großartig. Ich merke die Fortschritte, ich sehe und spüre wie nicht nur mein Wortschatz, sondern auch mein Selbstbewusstsein zu sprechen immer weiter wächst.
Noch drei Wochen bleiben mir, drei Wochen die ich intensiv nutzen will und werde. Und dann? Dann fliege ich nach Deutschland und ein Teil von mir bleibt hier; ein Teil meines Herzens bleibt in diesem wundervollen Land und ich kann es schon jetzt kaum erwarten wieder zu kommen.