Jordanien ist – vollkommen zu Unrecht – kein wahnsinnig populäres Reiseziel. Aber Petra, die rosafarbene Stadt, kennt fast jeder. Und viele Menschen träumen davon Petra einmal im Leben zu besuchen. Vollkommen zurecht: Die alte Nabtäer-Stadt ist aus dem Fels gehauen und beeindruckt mit filigraner Handwerkskunst, unglaublichen Ausblicken und einer Größe und Weitläufigkeit, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Natürlich ist ganz Jordanien eine Reise wert – aber Petra ist tatsächlich etwas ganz besonderes.

Ein Tipp vorneweg: Es lohnt sich früh aufzustehen, es lohnt sich lange zu bleiben, es lohnt sich außerhalb der Saison zu kommen.
Ja, man möchte im Urlaub nicht unbedingt morgens um sechs aufstehen. Ich auch nicht. Sollte man aber. Erstens, weil es sich rentiert und wirklich wunderschön ist den Sonnenaufgang in der Wüste und den Bergen rund um Petra zu sehen. Die Felsen sind rötlich und im Morgenlicht ein ganz besonderes Naturschauspiel.
Zweitens lohnt sich das frühe Aufstehen weil die Reisebusse aus dem Rest des Landes nicht vor acht Uhr kommen. Nun finde ich es irgendwie immer wieder seltsam sich als Tourist über Touristen zu beschweren. Trotzdem mag ich es lieber ein bisschen ruhiger: In Ruhe die beeindruckenden Bauten genießen, auf dem Siq zur Treasury nicht um Reisegruppen im Slalom laufen, nicht allzuviele fremde Menschen auf meinen Erinnerungsbildern haben. Wir waren morgens direkt zur Öffnung da und konnten die Ruhe vor dem Sturm genießen – es lohnt sich.
Aus dem gleichen Grund empfehle ich auch eine Reise außerhalb der Hauptreisezeit. Nun ist diese Aussage zu relativieren. Jordanien ist kein Ziel des Massentourismus, ganz im Gegenteil. Ich habe in all der Zeit im Land kaum andere nicht arabische Touristen getroffen. Das ist einerseits wunderbar, gleichzeitig auch schade. Das Land ist wunderschön und die Menschen sind so herzlich – ich wünschte mehr Menschen aus Europa würden sich vor Ort ein Bild von diesem Teil des Nahen Ostens machen. Aber auch ohne Massentourismus ist es an diesem zentralen Punkt der touristischen Attraktionen am Vormittag und am frühen Nachmittag etwas belebter. Sobald man ein bisschen von den Hauptpfaden abweicht, kehrt die Ruhe zurück. Ich war zwei Mal in Petra (and still counting – ich komme auf jeden Fall wieder hin), im Oktober und Ende November. Beides war nicht Hochsaison, aber im November war es nochmal deutlich ruhiger.

Direkt am Eingang gibt es eine Karte mit allen Wanderwegen auf dem Gelände. Ja, Wanderwege.
Wenn man sich für die Tage in Petra anzieht (ich empfehle in jedem Fall mindestens zwei Tage auf dem Gelände zu verbringen) dann sollte man das im Hinterkopf behalten. Man läuft über unebenen Untergrund. durch den Sand, über Felsen und Berge hoch. Man braucht keine Wanderausrüstung, aber Flip Flops sind nur bedingt geeignet. Die Karte mit den Wanderwegen: Es gibt nur diese eine Karte direkt am Eingang, nahezu keine Schilder auf dem Gelände. Wir haben ein Foto von dieser Karte gemacht und dann immer mal wieder nachgeschaut um eine grobe Orientierung zu bekommen.
Die Wege sind teilweise sehr anstrengend, aber es lohnt sich. Natürlich sollte man das Treasury direkt zu Beginn nicht verpassen, das alte Theater sehen, die Gräber auf der rechten und linken Seite nicht verpassen. Und auch wenn es steil ist: Der Weg zum Monastry lohnt sich. Immer wieder tuen sich spektakuläre Aussichten auf und das Gefühl oben angekommen zu sein ist unbeschreibtlich. Wir haben etwa vierzig Minuten gebraucht, das ist durchaus zu schaffen. Den Getränkevorrat kann (und sollte) man entlang des Weges immer wieder auffüllen.

Neben dem Weg zum Monastry gibt es eine zweite kleine Wanderung die absolut empfehle: Wir haben das Treasury von oben gesehen. Wenn man am Theater vorbei geht, rechts hinter den Gräbern vorbei…dann steigt ein kleiner Weg mit recht steilen Treppen den Berg hinauf. Wir sind eine gute Stunde gelaufen, haben schon zwischendurch immer wieder angehalten, haben die außergewöhnlichen Aussichten genossen und über die Ausmaße der antiken Stadt gestaunt. Wohin man auch schaut, die Höhlenwohnungen entdeckt man soweit das Auge reicht.
Auf halbem Weg hatten mehrere junge Bedouinen eine Art Aussichtspunkt mit einem Zelt und Teppichen aufgebaut, wir haben gemeinsam Tee getrunken und ich habe einen ersten Eindruck der Großzügigkeit und Gastfreundschaft gewonnen. Ich hatte HIER schonmal davon erzählt. Sicherlich war diese Teepause einer der Momente in denen ich mich in das Land verliebt habe.