*Mit etwas Verspätung geht dieser Beitrag nun noch online – vor fast zwei Wochen in Jordanien geschrieben*

Noch drei Tage bleiben mir in Jordanien, bevor ich wieder in den Flieger nach Deutschland steige.
Ich bin hin- und hergerissen: Ich kann es kaum erwarten meine Lieben in die Arme zu schließen. Gleichzeitig wird mir das Herz schwer, wenn ich daran denke, dass ich Amman verlassen muss. In den letzten zwei Monaten sind mir das Land, die Stadt und die Menschen ans Herz gewachsen. Ich habe ein Zuhause gefunden, als ich nur eine Unterkunft gesucht habe. Der einzige Trost: Ich weiß, dass ich zurück komme.

Die letzten zwei Wochen haben sich – wider vorheriger Planung – als erstaunlich unspektakulär herausgestellt. Ich hatte so viele Pläne für meine letzten drei Wochen in Amman, ich wollte noch viele verschiedene Gegenden entdecken. In Cafés gehen, ein paar Museen besuchen und mich einfach ein bisschen treiben lassen. Der gebrochene Fuß hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt Erkundungen der Nachbarschaft war ich an Bett und Sofa gefesselt, konnte gerade lange genug auf den Krücken gehen um zur Schule zu hüpfen.
Doch auch, wenn die letzten Zeilen negativ anklingen: Ich wertschätze die Zeit, die sich mir eröffnet hat. Ich bin mit den Planungen für das kommende Jahr weiter gekommen. Ich habe mir zum Jahresende Zeit genommen, die Monate Revue passieren zu lassen. Mir ist bewusst geworden, wie viel sich in diesem letzten Jahr verändert hat – vielleicht mehr als jemals zuvor.

Mein dreißigster Geburtstag war in der vergangenen Woche. Ein Datum, dass ich mit Schrecken erwartet hat. Unzufrieden, unfertig, ganz und gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und dann war es doch in Ordnung. 30 – eine Zahl die mir im Vorhinein so viel Angst gemacht hat. Ein Tag, der am Ende sehr viel weniger tragisch war als erwartet.
Vielleicht waren es die Tage davor, die am Ende den Unterschied gemacht haben. Durch die eingeschränkte Mobilität hatte ich Zeit. Meine Gedanken zu ordnen, mir über vieles klar zu werden. Die nächsten Schritt zu planen und in Angriff zu nehmen. Der Fuß hat mir ein Stück weit die Ruhe gebracht, die ich gebraucht habe. Einmal durchatmen, zurückblicken – und dann nur noch nach vorne. Das ein oder andere Problem loslassen um wieder Energie für Neues zu haben.

Und die Menschen. Die Menschen, die ich in den letzten zwei Monaten getroffen habe. Vielleicht ist es ein bestimmter Typ Mensch, der sich aus Europa auf den Weg in den Nahen Osten macht. Menschen die offen sind für eine neue Kultur, die Herausforderungen, die das Leben hier mit sich bringt. Menschen die bereit sind mit Vorurteilen aufzuräumen. Menschen, die bereit sind den unbequemen Weg zu gehen. Manchmal im tatsächlichen und manchmal im übertragenen Sinne. Freunde, Bekannte, Weggefährten.

Ich sitze in einem Café und schaue zurück auf zwei Monate, die ich mir kaum besser hätte vorstellen können. Zwei Monate mit Höhen und Tiefen. Mit Schmerzen und Freude. Zwei Monate, die den perfekten Abschluss für dieses Jahr bilden. Ich schaue zurück mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und ich bin bereit nach Hause zu fahren.

Die Bilder zu diesem Beitrag sind gemeinsam mit Hanna entstanden. Kennengerlernt haben wir uns in der Schule. bei einem gemeinsamen Arabisch-Kurs. Ihre Arbeiten sind einfach wunderschön (check out her page) und bei einem Kaffee haben wir schnell ein bisschen geknipst. Ich liebe die Ergebnisse.