Wer an Jordanien denkt und an die Sehenswürdigkeiten denkt, die das Land zu bieten hat – dem fällt vielleicht zuerst Petra ein. Die Stadt der Nabtäer, die in den Fels gehauen wurde. Und ganz ohne Frage: Petra ist großartig, unheimlich beeindruckend und ein ganz besonderer Ort. Aber es war Wadi Rum, das mir bis jetzt am Besten gefallen hat. Wadi Rum, das ist ein großes Naturschutzgebiet im Süden des Landes, ein Stück rote Wüste, das mir den Atem geraubt hat.

Als ich das erste Mal in Wadi Rum war, sind wir mit dem Auto über den Dessert Highway von Amman gekommenl.
Auch wenn die Fahrt sich gezogen hat ohne Ende (400 km auf einer Straße deren Namen „Highway“ Assoziationen aufruft, die nicht unbedingt der Realität entsprechen) war es die Erfahrung wert. Wir haben unterwegs mehrmals für einen Kaffee oder einen kleinen Snack angehalten. Wir sind einer Ziegenherde auf dem Highway ausgewichen, haben die ersten Jordanier in einem Café kennengelernt, konnten beobachten wie sich die Landschaft verändert (ja, es ist überall Wüste – aber die Wüste sieht komplett unterschiedlich aus) und haben wirklich viel vom Land gesehen.
Als wir in Wadi Rum ankamen, war es zwar erst 18:00 aber schon stockfinster. Wir haben unser Auto auf einem Parkplatz am Eingang des Dorfes abgestellt und wurden von einem Bedouinen im Jeep abgeholt und zu unserem Camp gebracht. Mitten durch die Wüste in finsterer Nacht – ich habe gar nichts gesehen und fand die Erfahrung ganz ordentlich abenteuerlich.

Ich habe vor unserer Reise ewig lange recherchiert, die unterschiedlichen Camps verglichen und hab lange überlegt, was ich buchen soll. Am Ende haben wir uns für das Wadi Rum Bedouin Camp entschieden und ich war so happy mit der Entscheidung, dass ich es Euch wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
Das Camp liegt am Fuß eines Berges mitten in der Wüste. Die „Zimmer“ sind in einzelnen kleinen aufgebockten Zelten oder kleinen Wägen untergebracht. Von unserem Zelt aus hatten wir einen freien Blick in die Wüste und ich bin selten mit einem besseren Blick aufgewacht. Am Morgen haben wir die Tür aufgemacht und aus dem Bett den Blick in die Wüste und auf die aufgehende Sonne genossen.
So ein Bedouinencamp ist natürlich kein fünf Sterne Hotel. Die Zelte sind mit einem Bett, warmen Decken, ein paar Kleiderhaken und einem kleinen Licht ausgestattet. Strom gibt es im Essenszelt. Die Duschen und Toiletten werden gemeinschaftlich genutzt – unsere hatten rund um die Uhr warmes Wasser mit einem überraschend guten Wasserdruck.
Im Übernachtungspreis inbegriffen ist das (recht traditionell bedouinische) Frühstück, für 10 JD kann man zusätzlich vor Ort zu Abend essen. Das Fleisch und Gemüse zum Abendessen wird mit heißen Kohlen unter der Erde zubereitet, dazu gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Salaten, Soßen, Beilagen.

Auch wenn man nach Wadi Rum nicht fährt, weil man dort so schön übernachten kann, habe ich noch einen Tipp zur Nacht für Euch: Als ich das erste Mal in Wadi Rum war, hatte ich Glück – es war Neumond. Entsprechend finster war die Nacht und wir hatten wirklich unglaubliche Blicke auf die Sterne am Himmel. Beim zweiten Mal war Vollmond – die Sterne waren fast nicht sichtbar, aber es war auf eine andere Art ganz wunderbar und ein besonderer Moment.
Mein Tipp: Überlegt Euch vorher, wie ihr die Nacht in der Wüste gerne sehen wollt. Wenn ihr es irgendwie einrichten könnt, empfehle ich Euch eine Neumond-Nacht.

Natürlich sind es eigentlich die Tage in Wadi Rum, die das Erlebnis ausmachen. Die Möglichkeiten sind enorm: Man kann wandern, mit dem Kamel reiten, Fahrten mit einem Heißluftballon machen oder eine Jeep-Tour buchen. Wir haben üns für acht Stunden Jeep entschieden und was vielleicht zuerst nach einer Menge Zeit klingt, in der man mit einem Jeep durch den Sand fährt, war ein großartiger Ausflug, der uns keine Minute lang oder langweilig vorkam. Neben vielen verschiedenen Steinformationen, Schluchten, Dünen und der beeindruckenden schier unendlichen Weite der Wüste haben wir auch alte Inscriptions gesehen, waren am Haus von Laurence von Arabien, haben die STellen gesehen an denen Star Wars und der Marsianer gedreht wurden und sind durch zwei Canyons gewandert. Zwschendurch hat unser Fahrer und Guide mitten im Nirgendwo einen Lunch für uns gekocht und wir haben eine Stunde im Schatten Mittagspause gemacht.

Leider war ich insgesamt nur vier Tage in der Wüste – man kann sicherlich auch einen kompletten Urlaub in Wadi Rum verbringen.
Und ganz ehrlich: Wenn ich das nächste Mal die Chance habe, fahre ich vielleicht einfach wieder hin.
Neben all den beeindruckenden Naturschauspielen und den großartigen Ausblicken, die ich in Wadi Rum erleben durfte, war es eine Situation am Abend, die mir besonders im Kopf geblieben ist: In dem Camp in dem wir waren, gab es keinen Handy-Empfang. Nicht nur kein Internet, gar keinen Empfang. Entsprechend hatte auch beim Abendessen niemand ein Telefon in der Hand, zwanzig wildfremde Menschen haben angefangen mit einander zu sprechen (nachdem sie sich eine gemeinsame Sprache gesucht haben, die alle mehr oder weniger sprechen konnten) und haben sich über ihre bisherigen Erlebnisse in Jordanien ausgetauscht. Es war so ein wunderschöner Abend, der einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinetrlassen hat. Wir sind viel zu selten offline und beschäftigen uns mit den Menschen direkt um uns herum. Lesson learned.