Unter Weinkennern – und auch unter Weintrinkern – hat er nicht den besten Ruf: Der Rotwein vom Kalterer See.
In den Siebzigern fand eine massive Überproduktion statt, es wurde gepanscht um dem Verlangen der Weintrinker nach dem leichten Vernatsch aus Südtirol nachzukommen. Bis alles mit einem lauten Knall geendet hat.
Heute setzen die Winzer vom Kalterer See wieder auf Klasse statt Masse – ein lobenswerter Ansatz. Als ich vor ein paar Wochen die Einladung zum Kalterer See für „Kaltern ganz in Rot“ bekommen habe, wollte ich mich unbedingt selbst davon überzeugen, dass man den Wein aus Kaltern wieder trinken kann. Rückblickend würde ich sagen: Man kann ihn nicht nur trinken – man sollte ihn trinken.

Der Vernatsch ist eine leichte Traube.
Als autoktone Sorte in Südtirol überzeugt er mit leichten Aromen von Erdbeeren und Mandeln, die sich am allerbesten entfalten können, wenn der Wein auf etwa 12 Grad gekühlt wurde. Ein Rotwein für den Sommer, den man an einem gemütlichen Abend mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem Balkon genießen kann.

Oder man genießt den Vernatsch direkt in Kaltern, am See oder auf dem Weinwanderweg – die Region ist ganz ohne Frage eine Reise wert. Zwischen sanften Hügeln voller Weinreben, einige Apfelbäumen und den Wächterrosen wandert man ganz gemütlich und immer mit Blick auf den See durch die Weinberge. Die Region rund um den Kalterer See ist die Wärmste in Südtirol, hat das mildeste Klima der Alpen: Diese Voraussetzungen sind unabdingbar, um die Vernatsch-Traube hier anzubauen. Gemeinhin sagt man, dass der Blauburgunder zu den anspruchvollsten und schwierigsten Reben gehört, die man als Winzer anbauen kann – der Vernatsch legt nochmal eine Schippe drauf. Der Winzer, der sich für die Diva der Rotweine entscheidet, muss eine Menge beständige Arbeit, Passion und Liebe in die Rebe stecken, um sie zum Erfolg zu führen.

Wer den Vernatsch einmal leicht gekühl probiert hat – vielleicht hat der Vernatsch auch einen schlechteren Ruf, als er verdient, weil er häufig nicht richtig gekühlt serviert wird – der möchte gar nicht mehr aufhören.
Der Vernatsch ist so angenehm und schmeichelhaft am Gaumen, dass die Region sogar eine DOC-Zertifizierung erhalten hat. Nur der Vernatsch, der rund um den See angebaut wird, darf sich Kalterersee nennen jund bringt den leichten weichen Geschmack mit sich. Weitere Anbaugebiete in Südtirol sind St. Magdalenen (hier schmeckt der Vernatsch als Lagrein-Verschnitt etwas stärker) und Meraner Hügel (wo der Vernatsch sehr viel fruchtbetonter ist). Am Kalterer See schützt eine eigens eingeführte Charta heute die Qualität der Weine – nur die Trauben aus den besten Riegen und alten Rebstöcken dürfen verwendet werden. Das Siegel beruht auf einer freiwilligen Anmeldung der Weine und wird erst nach ausführlichem und langwierigem Testen verliehen.

„Kaltern ganz in Rot“ ist ein Fest im Stadtkern, das in diesem Jahr erstmals in der Form stattgefunden hat.
Die Charta-Weine – aber auch alle anderen Kalterersee – können verkostet werden – eine einmalige Gelegenheit. Mit guter Musik , feinem Essen und den milden Temperaturen war es ein ganz besonderes Erlebnis.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast auch mal den ein oder anderen Wein am See zu verkosten, dann habe ich einen Vorschlag für Dich: Am 20. Juni findet das Event „Kaltern ganz in Weiß“ statt, bei dem entsprechende Weißweine verlostet werden können. Für 20 Euro kann man eine Eintrittskarte erwerben und sich den ganzen Abend durch die Weine testen.
Für eine Verkostung der Rotweine bleibt trotzdem noch genug Zeit: Entweder in der Cantina Kaltern oder auf einem der vielen Weingüter entlang des Weinwanderwegs.
Als besonderes Schmankerl für ein Abendessen kann ich Dir das Restaurant Seehofkeller empfehlen: Bei einer wirklich atemberaubenden Aussicht auf den Kalterer See genießt man ein ausgezeichnetes Abendessen (meine Empfehlung: Dreierlei Antipasti zur Vorspiese und dann einem Kalbsrücken, zur Nachspeise das Pannacotta) mit exzellenter Weinbegleitung. Der einzige Wehmutstropfen: Samstags hat der Seehofkeller immer (!!) wegen geschlossener Veranstaltungen seine Pforten für den „normalen“ Gast verriegelt.

*Vielen Dank an wein.kaltern für die Einladung.