Man sagt, dass der Tod einer Mutter der erste Verlust ist, den man ohne sie betrauern muss. Vor wenigen Wochen, gestern waren es genau zwei Monate, haben wir einen solchen Verlust erlitten. Ich musste mich verabschieden von meiner Oma, von einem der Menschen die am meisten Platz in meinem Herzen beanspruchen. Und bis heute vergeht kein einziger Tag, an dem sie mir nicht fehlt. An dem sie uns nicht fehlt.  Dieser Muttertag, den ich so weit entfernt von meiner eigenen Mama verbringe, ist ein besonderer.

Death is nothing at all. It does not count. I have only slipped away into the next room. Nothing has happened. Everything remains exactly as it was. I am I and you are you and the old life we´ve lived so fondly together is untouched, unchanged. Whatever we were to each other, that we are still. Call me by the old familiar name. Speak of me in the easy way which you always used. Put no difference in your tone. Wear no forced air of solemnity or sorrow. Laugh as we always laughed at the little jokes we enjoyed together. Play, smile, think of me, pray for me. Let my name be ever the household word that it always was. Let it be spoken without an effort, without the ghost of shadow upon it. Life means all that it ever meant. It is the same as it always was. There is absolute and unbroken continuity. What is death but a negligible accident? Why should I be out of mind because I am out of sight? I am but waiting for you, for an interval, somewhere very near, just round the corner. All is well. 

Es sind die Kleinigkeiten, die mich erinnern. Die Kleinigkeiten, die mir Tränen in die Augen treiben. Ein Lied, das ich höre. Ein Blumenstrauß mit ihren Lieblingsblumen, den ich durch Zufall sehe. Eine Portion Karotten, die mich an meine Oma erinnern. Ihr Ring, den ich seit zwei Monaten jden Tag an meinem Finger sehe und der mich gleichzeitig zum Lächeln und zum Weinen bringt.
Man sagt, dass die Menschen, nicht wirklich tot sind, so lange wir Erinnerungen an sie haben. Noch erinnere ich mich an ihre Stimme. Ich erinnere mich daran, wie sich ihre Hände angefühlt haben. Daran wie wir gemeinsam an Fasching ein Lied gesungen haben und daran, wie ich während meiner Schulzeit jeden Mittag zu meinen Großeltern kam und wir gemeinsam zu Mittag gegessen haben. Die Erinnerungen sind präsent, ich kann sie abrufen ohne viel darüber nachdenken zu müssen. Ich weiß, dass das nicht für immer so bleiben wird. Die Erinnerungen werden blasser, langsam, kaum merklich.
Ich möchte nur noch Gerichte essen, die die Erinnerung aufrecht erhalten: Wirsing mit einer hellen Mehlschwitze. Hackfleisch mit dunkler Soße. Schnittlauchsalat mit frischen Bratkartoffeln. Heringe in Sahnesoße. Ich möchte mich verkriechen, in Erinnerungen schwelgen.

Liebe Oma,
ich bin Dir für immer dankbar, dass du dazu beigetragen hast mich zu dem Menschen zu machen. Der ich heute bin. Ich danke Dir für all die unendlichen Stunden voller Liebe und Geduld, die du mit mir gespielt und gesungen hast. Für jede Portion Karotten, die du nur für mich gemacht hast. Für jeden Nachmittag, den wir zusammen verbracht haben und für all die vielen Dinge, die ich von Dir lernen durfte. Ich danke Dir für all das, was ich von Dir in mir sehe. Ich behalte Dich in Erinnerung als eine Frau, die bereit war alles zu tun für ihre Familie, die sich hingebungsvoll aufgeopfert hat und stark war in einer Zeit, in der es für Frauen nicht selbstverständlich war stark zu sein.
Ich behalte Dich für immer in meinem Herzen.

Annalena