Von Jerusalem aus bin ich mit dem Bus nach Palästina gefahren. In die besetzten Gebiete.
Diese Reise war schon geplant, als ich vor sieben Jahren mit der Abschlussarbeit meines Politik-Studiums angefangen habe. Damals habe ich mich mit den Palästinenser-Gebieten beschäftigt und wollte unbedingt vor Ort sein. Mir ein eigenes Bild machen, eine Meinung bilden, mit Menschen reden. Aus unterschiedlichen Gründen kam diese Reise damals nicht zu Stande und ich habe meinen Wunsch nach einem Besuch dort und dem Erlernen der arabischen Sprache auf Eis gelegt. Bis vor drei Wochen. 

Mein Aufenthalt in Israel war als Urlaub gedacht, als Reise – nicht als ein paar Tage, die mein Leben nochmal verändern und auf den Kopf stellen. Aber wie sagt man: Life is what happens while your busy making other plans. Als ich in Ramallah stand wusste ich plötzlich, dass es an der Zeit ist. An der Zeit meine alten Pläne endlich zu verwirklichen. Ein Impuls, ein Bauchgefühl, ein Gedanke der mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Ich höre auf mein Bauchgefühl. 

Die letzten Monate dieses Jahres verbringe ich in Jordanien. Ich ziehe nach Amman um endlich arabisch zu lernen, in die arabische Welt einzutauchen, mir ein Bild der Region zu machen. In den letzten Wochen habe ich abgewogen, Kosten und Nutzen (sowohl finanziell als auch in allen anderen Ausprägungen) abgewogen. Ich habe mich mit Familie und Freunden ausgetauscht, Sprachschulen verglichen und habe mich entschieden ins kalte Wasser zu springen. Amman, eine Heimat auf Zeit.

Seitdem ich mich entschieden habe, fühlt es sich richtig an. Die Vorfreude steigt mit jedem Tag, ich kann es kaum erwarten in den Flieger zu steigen. Eine Mischung aus Vorfreude. Nervosität und gesunder Vorsicht. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich entscheide eine Zeit meines Lebens im Ausland zu verbringen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mein gewohntes Leben und die Menschen, die ich liebe hinter mir lasse. Ich weiß, worauf ich mich einlasse.