Ich bin manchmal neidisch. Neidisch auf Menschen die das schaffen, was ich schlecht kann: Sich in Geduld üben. So wie diese eine Freundin, die mir sagt, sie will sich mit dem Einrichten ihrer neuen Wohnung Zeit lassen. Sie will sich nur Lieblingsstücke aussuchen und sich genau überlegen, welche Möbel zusammen passen und welche Farben die perfekte Ergänzung bilden. Ich kann das nicht.

Ich bin wahnsinnig ungeduldig. Ich kann nur schlecht mit unfertigen Projekten leben – und eine Wohnung ist doch irgendwie ein Projekt, oder? Als wir eingezogen sind, habe ich schnell Entscheidungen getroffen und Möbel gekauft. Dekoriert.
Und ich war nicht zufrieden. Vier Jahre lange habe ich hin und her getauscht, überarbeitet, Möbel gekauft und verkauft. Hätte ich mir gleich mehr Zeit gelassen, hätte ich wahrscheinlich Zeit gespart. Und vor allem auch Geld. Heute bin ich an einem Punkt, an dem ich tatsächlich mit der Wohnung zufrieden bin, so wie sie ist. Nach und nach habe ich die „ach das passt schon“-Möbel gegen Stücke ausgetauscht, die mir wirklich gut gefallen. Mein ganz persönliches Projekt Wohnung ist abgeschlossen – dass es überhaupt offen war, ist mir erst aufgefallen als ich gemerkt habe, wie happy ich jetzt bin.
Dass ich mich beim Hundekörbchen für ein farblich passendes Modell entschieden habe (statt einem sehr viel praktischerem dunklen Körbchen), ist für mich typisch für mich. Alles andere hätte mich nachher doch nur gestört.

Abgesehen von dem Hundekörbchen war es der Couchtisch, den ich ganz zuletzt noch ausgetauscht habe. Ich hatte Dir schon davon erzählt. Dass wir das alte Holzmodellgegen die weiße dreier Kombination ausgetauscht haben, hat mich zufriedener gemacht, als ich es geglaubt hätte.

Jetzt kommt für mich die Zeit im Jahr, die ich – in unserer Wohnung – mit am Liebsten mag. Die Weihnachtsdekoration ist weg, der bunte und überschwängliche Frühling ist noch nicht da.  Die Farben der Natur kommen mir entgegen. Ich liebe Weidenkätzchen, schlichte Zweige und eine Hyazinthe. Dazu vielleicht noch eine Kerze und vor allem eine große Tasse Tee. Es geht mir gut – und ich bin wahnsinnig zufrieden, wenn ich auf dem Sofa sitze und unsere Wohnung anschaue. Ein gutes Gefühl.