Ich bin einer dieser anstrengenden Menschen: Ich will immer alles selbst ausprobieren.
Nicht, weil ich anderen Menschen nicht glaube oder vertraue, sondern weil ich gerne eigene Erfahrungen mache. Alles hautnah erleben will. Natürlich musste ich ans Tote Meer fahren und mich treiben lassen. Auf dem Rücken, mit allen Vieren von mir gestreckt. Und ein Sonnenaufgang über dem Toten Meer von einer historischen Festung aus sehen? Konnte ich mir auch nicht entgehen lassen. Ein kleiner Spoiler: So worth it.

Wenn der Wecker um 2:45 klingelt, ist meine Laune meist noch nicht gesellschaftsfähig. Jedenfalls nicht in der Gesellschaft, in der ich lebe. Wenn ich mich dann in einem 6 Bett-Zimmer in einem Hostel vollkommen geräuschlos (und im Stockdunkeln) versuche komplett geräuschlos anzuziehen und fertig zu machen – dann muss schon etwas ganz besonderes auf dem Plan stehen. Ein Sonnenaufgang in Masada zum Beispiel.

Massada – eine Festung von König Herodes

Der gute Part: Im Kleinbus kann man nochmal die Augen zumachen. Etwa 70 Minuten dauert die Fahrt von Jerusalem durch die Wüste bis nach Massada. Als der Fahrer mich um kurz vor Fünf mit einer aFahrer mich um kurz vor Fünf mit einer recht forschen Bremsung weckt, verzeichnet das Thermometer knapp 34 Grad. Vor Sonnenaufgang, im Stockfinstern. Ich entscheide mich gegen meine Strickjacke und für eine zweite Wasserflasche. Weise, sehr weise wie sich später herausstellen wird.
Der Plan ist der folgende: Knapp 90 Minuten bleiben bis zum Sonnenaufgang, bis dahin sollen wir – auf eigene Faust – den Berg besteigen auf dem die Festung steht. Laut Guide dauert das etwa 45-60 Minuten. Innerlich ein bisschen stolz denke ich daran, wieviele Stunden ich in den vergangenen Wochen mit Konditionstraining verbracht habe. Ich gehe davon aus, dass mich der Aufstieg vor kein größeres Problem stellen würde.

Oh boy – wie falsch man liegen kann. Zum Glück war es am Anfang des Aufstiegs dunkel. Hätte ich von Beginn an gesehen, wie weit oben die Festung tatsächlich liegt – ich weiß nicht, ob ich los gegangen wäre. Der Weg schlängelt sich in – erst großen, später kleinen – Serpentinen den Berg hoch. Immer dann, wenn du denkst, dass du es sicherlich gleich geschafft hast – dann tut sich eine neue Biegung auf. Ich habe knappe 60 Minuten und fast 2 Liter Wasser gebraucht. Insgesamt bin ich an diesem Tag auf WEIT über fünf Liter gekommen, ohne einen einzigen Toilettenbesuch. Es war unfassbar heiß und anstrengend, ich habe mehr geschwitzt als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Aber der Ausblick, der Ausblick und der Sonnenaufgang über dem toten Meer. Von so viel natürlicher Schönheit, der unendlichen Weite und den strahlenden Farben war ich so beeindruckt, dass ich den Aufstieg wieder auf mich nehmen würde. It was so worth it.

Errichtet wurde die Festung übrigens von König Herodes im ersten Jahrhundert nach Christus. Er hat sich hier vor der römischen Belagerung verschanzt. Noch heute sind viele Überreste der Gebäude und Anlagen zu erkennen; auch die acht römischen Militärlager und die Belagerungsmauer sind noch zu erkennen.
Wer nicht zum Sonnenaufgang in Masada sein will, kann ab acht Uhr am Morgen übrigens auch die Seilbahn auf das Plateau nehmen. Weniger anstrengend, ähnlicher Ausblick. Wer zu Fuß rauf und runter geht und keinen Sprint am Ende einlegen will, weil der Bus gleich fährt (habe ich für Euch getestet, nicht empfehlenswert) der sollte gute 40 Minuten für den Abstieg einplanen. Der Weg ist extrem steil und uneben, man kommt nicht besonders schnell voran.

Dass man für Massada – mitten in der Wüste – eine Kopfbedeckung, ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitnehmen sollte, ist eigentlich klar. Trotzdem: Wirklich nicht vergessen. Es ist schon ohne Sonnenstich unglaublich anstrengend. Und halbwegs gutes Schuhwerk ist absolut notwendig. Ich bin mit Chucks gelaufen, das geht schon. Aber Sandalen, Flip-Flops, Balllerinas – das wird nicht funktionieren. Ganz sicher nicht.
Die Festung kostet übrigens Eintritt. Ich habe mir nicht gemerkt wie viel – offenbar habe ich den Preis als vollkommen angemessen wahrgenommen, so viel kann es nicht gewesen sein.

En Gedi – ein schneller Abstecher in den Nationalpark

Die Oase En Gedi (oder Ein Gedi) ist landschaftlich unglaublich schön eingebettet zwischen Schluchten, schroffen Bergen, beeindruckenden Plateaus. Es gibt kurze und lange Wanderwege, Wasserfälle, natürliche Pools, viele Wüstentiere und immer wieder Schatteplätze, die zum Verweilen einladen.
Ich habe mich für eine kleine Mini-Wanderung von etwa 25 Minuten zum David-Wasserfall entschieden. Die Geschichte sagt, dass sich König David einmal mehrere Wochen in der Oase hinter dem Wasserfall versteckt hat. Ob das wirklich stimmt, sei dahin gestellt – aber schön ist es allemal im Park. Unter den David-Wasserfall in En Gedi darf man sich nicht stellen, es gibt aber genügend Alternativen. Ich hab die Chance genutzt: Zuerst ein paar Minuten unter dem angenehm kühlen, prasselnden Wasser stehen. Die Abkühlung genießen, die Körpertemperatur wieder etwas nach unten korrigieren. Und dann für eine gefühlte Ewigkeit im natürlichen Pool am Fuße des Wasserfalls liegen – ein Traum. Das Wasser ist an den meisten Stellen nicht mal kniehoch, nicht wirklich kalt aber angesichts der Außentemperaturen sehr erfrischend.
Auch der Nationalpark kostet ein bisschen Eintritt, viel kann es auch hier nicht gewesen sein. Am Eingang kann man mitgebrachte Wasserflaschen mit frischem Quellwasser auffüllen. Unbedingt machen: Die Wanderungen im Park sind fordernd und man sollte in jedem Fall genug Wasser dabei haben.

Das Tote Meer – ich floate

Wie gesagt: Ich wollte es unbedingt ausprobieren. Unbedingt. Und ich weiß schon jetzt, dass ich es wieder tun werde, wenn ich ab Oktober in Jordanien bin – dann von der anderen Seite aus.
Eins vorweg: Das Tote Meer ist kein Meer im eigentlichen Sinne. Es sind im Prinzip zwei Seen. Zwei Seen, die schon lange ausgetrocknet wären, wenn die Israelis nicht ständig Süßwasser zuführen würden. Trotzdem sinkt der „Meeresspiegel“ ständig und unaufhaltsam. Meeresspiegel ist ein gutes Stichwort, denn das Tote Meer liegt  etwa 400 m unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt der Erde.
Ja – man schwebt tatsächlich. Im etwa knietiefen Wasser setzt man sich gemütlich nach hinten und die Beine werden einem sozusagen „zärtlich weggezogen“ – in jedem Fall eine einmalige Erfahrung. Verrückt. Das Wasser ist übrgens unglaublich warm und von einer Erfrischung weit entfernt.
Wegen des hohen Salzgehaltes von etwa 34% ist es nicht ganz ungefährlich, im Toten Meer zu baden. Ich sage bewusst baden: Das Schwimmen ist nicht erlaubt. Auch Baden sollte man tatsächlich nur an freigegebenen Stellen mit Bademeister. Wirklich.

Ich war am Toten Meer am En Gedi Beach.
Dort gab es nicht nur einen (sehr strengen und aufmerksamen) Bademeister, sondern auch den typischen schwarzen Schlamm. Dazu jede Menge Süßwasserduschen – und das Abduschen ist wirklich vollkommen unerlässlich. Das Salz legt sich in einer richtig dicken Schicht auf die Haut und man kann die einzelnen Kristalle erkennen. Dazu kommt noch ein erfrischender Süßwasserpool, Toiletten, zwei kleine Restaurants und ein Souvenir-Shop in dem man Kosmetikprodukte vom Toten Meer kaufen kann.

Auch für diesen Ausflug habe ich mich – genau wie bei der Reise nach Palästina – für einen Tag mit Abraham Tours entschieden. Ich war super zufrieden und werde auch das nächste Mal, wenn ich in Israel bin, meine Ausflüge wieder mit dem Anbieter buchen. (Das ist kein Sponsored Post, keine Werbung, nichts. Ich habe für die Ausflüge und meine Unterkunft ganz normal und regulär gezahlt wie alle anderen Teilnehmer auch. Ich fand den Service einfach gut und wollte die Empfehlung gerne weiter geben.)