Jeden Tag erreichen mich Mails von Leserinnen und Lesern, die sich selbstständig machen wollen und mich nach Rat fragen. Meine Antwort ist natürlich je nach Geschichte eine andere, aber eins kann ich allen nur empfehlen: Schreibt Euch einen realistischen Businessplan. Aber wie geht das eigentlich?

Das wusste ich bis ungefähr letztes Jahr um diese Zeit auch nicht. Ich wusste, dass ich mit meinem Blog Geld verdiene und Spaß daran habe. Mehr nicht. Dann habe ich mich intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt und mich an die Arbeit gemacht. Gerechnet, geplant, geschrieben und wieder umgeworfen. Natürlich ist ein Business-Plan etwas sehr persönliches und jeder Jung-Unternehmer muss für sich herausfinden und entscheiden was wirklich wichtig ist. Trotzdem gibt es einige Punkte, die nicht fehlen sollten – nicht nur für das Arbeitsamt oder die Bank. Sondern vor allem für Dich selbst. 

Businessplan: Geschäftsidee

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Du musst Deine Geschäftsidee schnell und verständlich in ein paar Sätzen erklären können. Mir hat am Anfang die Vorstellung vom Elevator-Pitch geholfen: Versuch Dir zwei Sätze zurecht zu legen, mit denen du Dein Business während einer Fahrt im Aufzug erklären kannst. Zwei Sätze reichen für einen guten ersten Eindruck. Mehr Zeit hast du häufig nicht. 
Im Businessplan muss es dann doch nochmal ein kleines bisschen ausführlicher werden – das ist aber auf Grundlage des Elevator-Pitches gar kein Problem mehr. Erklär einfach ein bisschen ausführlicher womit genau du Geld verdienen willst. Mein Geschäftsmodell basiert auf verschiedenen Säulen. Jeder Säule habe ich etwa eine halbe Seite gewidmet und sie ausführlich beschrieben. Du solltest immer im Hinterkopf behalten, dass Dein Businessplan am Ende von jemandem geprüft wird, der im Zweifel keine Ahnung von dem hat, was du eigentlich machst. Mach es Deinem Prüfer einfach und erklär ganz genau, wie Dein Business funktionieren soll. 

Businessplan: Alleinstellungsmerkmal

Wahrscheinlich hast du keine vollkommen neue Idee. Wenn du kein Produkt erfunden und zum Patent angemeldet hast – dann hatte jemand anders schon vor Dir die gleiche Idee. Was macht Dich besonders? Was hebt Dich von all den Anderen ab, die etwas ähnliches machen? 
Mit meinem Blog habe ich mich unter anderem über die Zielgruppe versucht von anderen Blogs und Bloggern abzugrenzen. Neben Deiner Zielgruppe (die du natürlich sehr genau kennen solltest) kannst du Deinen Standort oder Deine spezielle Nische heranziehen. 

Businessplan: Gründerinnen-Profil

Mindestens genauso wichtig wie die Geschäftsidee ist Deine persönliche Eignung als Gründer und Selbstständiger. Nicht jeder ist für diese Form der Arbeit gemacht und geeignet, nur leider gestehen sich das die Wenigsten ein. Ich finde, dass dieser Punkt des Businessplans vor allem für Dich selbst wichtig ist: Sei ganz ehrlich zu Dir und führ Dir vor Augen, was es bedeutet selbstständig zu sein. 

  • Niemand kontrolliert Dich mehr. Das klingt im ersten Moment ganz wunderbar, wird aber schnell zur Herausforderung. Im Zweifel musst du nicht mehr zu einem bestimmten Zeitpunkt aufstehen und hast keine festgelegte Mittagspause mehr. Du musst selbst die Prioritäten in Deinem Arbeitsalltag setzen, du entscheidest über Deine Aufgaben, Deine Ziele und Deine Arbeitszeiten. 
    Selbstständigkeit bedeutet sehr viel Disziplin, die nicht jedem Menschen mitgegeben ist. 
  • Du hast keine Sicherheit mehr. Jeder Monat ist anders und du bist ganz alleine dafür verantwortlich, dass die Monate gut werden. Manchmal läuft es nicht und das Konto ist nicht ganz so gut gefüllt wie man es sich wünschen würde. Dafür laufen andere Monate gigantisch und man darf trotzdem nicht das ganze Geld ausgeben. 
    Selbstständigkeit ist nur etwas für Dich, wenn du nicht unter Verlust- und Existenzängsten leidest. 
  • Du wirst mehr arbeiten als du jemals für möglich gehalten hättest. Es fühlt sich sehr viel besser an für mich selbst zu arbeiten, aber es ist auch sehr viel härter als ein Angestelltenverhältnis. Es gibt – gerade mit einem Blog – keinen Feierabend und kein Wochenende, keine Ferien und keine Feiertage. Wenn ich wach bin, dann arbeite ich auch. Das muss man sich vor Augen führen und auch wollen. 
    Selbstständigkeit ist nichts für Dich, wenn du gerne geregelte Arbeitszeiten hast und viel Erholung brauchst. 

Frag Dich ganz ehrlich, ob du wirklich selbstständig sein willst oder ob du nur mit Deinem aktuellen Job unzufrieden bist. 
Neben den oben genannten Punkten ist es natürlich auch von Vorteil wenn du schon ein bisschen Erfahrung im Projektmanagement hast (genau das ist ein Unternehemen nämlich), Dich mit Buchhaltung und Steuern auskennst und ein paar Grundkenntnisse in Marketing und Vertrieb hast. Natürlich geht es ohne – aber je weniger man sich noch zusätzlich selbst beibringen muss, desto besser, oder?

Businessplan: Markteinschätzung und Wettbewerb

Gibt es auf dem Markt ein Verlangen nach Deinem Produkt? Siehst du ein Entwicklungspotential oder ist die Nachfrage aktuell auf einem Höhepunkt? 
Wie groß ist der Wettbewerb in Deinem Bereich im Allgemeinen, wie groß ist er in Deiner Nische?

Businessplan: Kunden und Zielgruppen

Du musst Deine Kunden und Deine Zielgruppen kennen. Bei mir sind das insgesamt drei verschiedene Personengruppen – ja genau drei. Weil sich die Kunden in zwei Gruppen aufteilen. Wichtig ist, dass du weißt wer genau Deine Kunden sind, welche Bedürfnisse sie haben und was du dafür tun kannst ihre Probleme zu lösen. Das Wort “Probleme” klingt nach einer harten Beurteilung, ist es aber gar nicht. Ein Problem kann auch “Langweile in der Ubahn auf dem Weg zur Arbeit” sein – entscheidend ist nur, dass du das Problem erkennst und dafür eine individuelle Lösung anbietest. 
Wenn du Dich an Muttis richtest brauchst du eine ganz andere Strategie, andere Produkte und ein anderes Marketing als wenn Hipster aus Berlin Mitte in Deine Zielgruppe fallen. Je besser du die Kunden und die Zielgruppe kennst und im Businessplan benennst, desto weniger unnötiges Geld musst du ausgeben und desto effektiver kannst du von Anfang an arbeiten. 

Businessplan: Preispolitik

Die Frage “Was bin ich wert?” oder vielmehr “Was ist meine Arbeit wert?” hat mich am Anfang ganz stark umgetrieben. Ich habe lange gebraucht, bis ich wirklich zufrieden war mit den verschiedenen Punkten auf meiner List und den Bepreisungen meiner unterschiedlichen Leistungen. Inzwischen habe ich meinen Weg gefunden und entwickele meine Preislisten in den einzelnen Bereichen immer wieder weiter. 
Wenn du Deine Preise festlegst, dann musst du im Hinterkopf behalten, dass du als Selbstständige Deine kompletten Sozialkosten tragen musst: Krankenversicherung, Rentenversicherung, private Zusatzvorsorge…und behalte bitte auch immer im Hinterkopf, dass von Deinen Einnahmen auch die Einkommenssteuer noch abgezogen wird. 

Businessplan: Marketing und Vertrieb

Dein Produkt muss an den Mann und die Frau – dafür braucht es eine vernünftige Strategie. Ist Printwerbung für Dich interessant? Vielleicht in einer regionalen Tageszeitung? Oder machst du einen Aushang im Kindergarten? Vielleicht funktionierst du aber auch unabhängig von einem bestimmten Stadtort (so wie ich) und Deine Werbung sollte sich auf ganz Deutschland beziehen?
Brauchst du aktive Aquise oder kommen Deine Kunden von ganz alleine? Welche Kunden willst du ansprechen (sh. Zielgruppe) und wie lassen sie sich am Besten erreichen?

Businessplan: Organisation und Standort

Für manche Projekte ist der Standort ganz entscheidend: Ein Café braucht Laufkundschaft und ein attraktives Ladenlokal um zu funktionieren. Mein Blog braucht nur einen Internetanschluss, wenn man ehrlich ist. Trotzdem habe ich mit München eine gute Homebase, von der aus ich arbeiten kann. Jedes Business ist anders – arbeitest du ganz alleine, nimmst du Dir gelegentlich Unterstützung mit ins Boot (so wie ich) oder brauchst du gleich 10 Mitarbeiter, damit Dein Business funktioniert? 

Businessplan: Chancen und Risiken.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. In meinen Augen ist es immer ein Risiko sich selbstständig zu machen. Die fehlende Sicherheit eines monatlichen Einkommens ist ein Risiko – daran lässt sich nichts schönreden. Punkt aus. Manchmal ist es aber auch ein Risiko in einer ungeliebten Festanstellung zu bleiben: Was nützt Dir alle Sicherheit, wenn du an jedem Morgen mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit gehst. 
Welche Chancen (auf eine Weiterentwicklung des Markts) siehst du? Welche Risiken kommen auf Dich zu? Erinnerst du Dich noch an die Bubbletea-Stände, die es vor ein paar Jahren überall gab? In Asien war das ein riesen Trend und in Deutschland wurde es auch versucht – die Chance war in jedem Fall da, geklappt hat es leider nicht. Der Bubble-Tea ist wieder aus den deutschen Innenstädten verschwunden. Solche Dinge passieren in der freien Wirtschaft. Wenn du Dir die Risiken schon früh klar machst und in Deinen Businessplan aufnimmst, trifft es Dich vielleicht nicht ganz so hart und du bist weniger überrascht, falls du doch scheitern solltest. 

Businessplan: Der Finanzplan.

Der Finanzplan war der Teil, der mir am meisten Sorgen und Probleme bereitet hat. Ich war noch nie wirklich gut mit Zahlen – das ist einfach nicht meine Welt. Ich bin kein großer Excel-Crack, aber ein paar Formeln kenne ich doch. Ich habe es geschafft einen vernünftigen Finanzplan zu erstellen. Aber ich bin ganz ehrlich: Ich habe auch ganz einfach im Internet nach Vorlagen gesucht – und die dann zusammengestellt und nach meinen Bedürfnissen angepasst. 

Soll ich mich selbstständig machen?

Das kann ich Dir nicht sagen – das musst du für Dich selbst entscheiden. Ich kann Dir nur raten, dass du Dir alle Eventualitäten durch den Kopf gehen lässt und Dir für Dich ganz eindeutig darüber klar wirst, was Dir wichtig ist und was du erwartest. 
Leg Dir ein finanzielles Polster an um in den ersten Monaten gut über die Runden zu kommen und hab nicht zu hohe Erwartungen an Dich selbst. Dann wird das schon!