„Der Weg beginnt in Ihrem Haus.“ oder „El camino comienza en su casa“
(in Spanien geläufige Antwort auf die Frage, wo der Jakobsweg beginnt)

Ich starte meinen Jakobsweg in München. Das ist ein wenig ungewöhnlich.
Aber es ist mein Weg und ich möchte ihn genau hier starten. Hier zu Hause und hierher möchte ich auch wieder zurückkommen. In München ist meine Basis, mein Zuhause, meine Homebase. In München liegt auch ein Großteil der Probleme. Für mich ist es naheliegend hier zu starten.
Der Jakobsplatz war schon der Startpunkt für Pilgerreisen, bevor es München als Stadt wirklich gab. Schon als München nur eine kleine Mönchssiedlung war, sind die Menschen von diesem Ort aus gestartet, an dem heute der Jakobsplatz liegt. Der Gedanke gefällt mir: Ich gehe den Weg, den vor mir schon so viele gegangen sind. Ich starte an eben diesem Punkt. 

Es gibt auch praktische Gründe, die mich dazu bringen in München zu starten.

Ich habe keine Anreise. Aus unterschiedlichen inneren und äußeren Gründen wollte ich meine Abreise um einen Tag nach hinten verschieben. Das ist nur möglich, weil ich in München starte. Weil meine “Anreise” zum Jakobsplatz eine Fahrt mit der Ubahn ist. In der letzten Woche hat es eine ganze Reihe innerer und äußerer Umstände gegeben, die es mir unmöglich gemacht haben wie geplant am Dienstag zu starten. Zuerst war ich genervt, frustriert – und wütend. Weil ich mir so fest vorgenommen habe an diesem Tag zu starten. Ich habe geschimpft, geschrien und geweint, habe mich selbst und alle um mich herum verflucht. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich erkannt habe, dass der Weg mir genau das gibt was ich brauche. Für mich war es offenbar wichtig zu lernen, dass es in diesem speziellen Fall nicht auf ein paar Tage ankommt. Mein Weg, meine Zeit.
Die fehlende Anreise bedeutet auch, dass ich keinen künstlich selbstproduzierten Stress habe. Ich muss mich nicht beeilen einen Zug zu erwischen, zum Flughafen zu kommen, in ein Auto zu steigen. Wenn ich eine halbe Stunde später starte, dann passiert nichts. Ich starte entspannt und zu genau dem für mich richtigen Zeitpunkt.

Wieder und wieder habe ich das Gefühl das Land nicht zu kennen, in dem ich lebe. Die Großstädte vielleicht, dort verbringe ich immer wieder viel Zeit. Aber die ländlichen Regionen? Keine Ahnung. Ich freue mich darauf zunächst an der Isar und dann durchs Allgäu zu laufen. Wer zu Fuß unterwegs ist, der nimmt die Umgebung ganz anders wahr.

Ich habe den Hund dabei.
In Südfrankreich und Spanien wäre es wesentlich schwieriger zusammen mit dem Hund eine Unterkunft zu finden. Schwieriger oder sogar unmöglich. Auch hier habe ich ein Zelt dabei für Nathan und mich. Wir möchten gerne so oft wie möglich zelten um nah an der Natur zu sein.
Viel wesentlicher ist im Bezug auf Nathan aber eine andere Überlegung: Ich trage ihn einen großen Teil der Strecke in einer Bauchtasche. Der kleine Hund schläft dabei ganz wunderbar ein und schnurrt vor sich hin wie ein kleines Kätzchen. Er läuft pro Tag etwa fünf Kilometer, den Rest des Weges trage ich ihn – bis jetzt klappt das ganz wunderbar und ist für uns beide eine schöne Lösung. Aber wenn es nicht mehr geht, dann kann der kleine Hund von meiner Familie abgeholt werden, ohne dass der Aufwand ins Unermessliche steigt.

El camino comienza en su casa.