Als wir entschieden haben, dass wir eine Woche in Kairo bleiben würden, waren die Pyramiden in Giza natürlich der erste Punkt, der uns in den Sinn gekommen ist.  Muss ich dazu überhaupt etwas sagen? Jeder kennt die Pyramiden, hat schon mal von ihnen gehört oder sie sogar schon besucht. Als letztes verbleibendes Weltwunder der Antike stand ein Besuch dort schon lange auf meiner Liste und ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut an den Rand der Wüste zu fahren und mir selbst ein Bild dieser beeindruckenden Bauwerke zu machen.

Ich bin ein Entdecker: Am liebsten bin ich alleine unterwegs, laufe rum. Ich nehme mir Zeit für das, was mich interessiert. Gehe fix bei dem weiter, was mich nicht fesselt. Touren mit großen Touristenbussen sind für mich eine grausige Vorstellung – trotzdem haben wir uns für den Tagenausflug nach Memphis, Saqqara und zu den Pyramiden in Giza für eine Tour entschieden. Allerdings für eine private Tour: Mit einem eigenen Fahrer im klimatisierten Auto und einem deutschsprachigen Guide. Das klingt sehr viel luxuriöser und abgehobener als es war – nichts desto trotz waren wir super happy mit unserer Entscheidung.

Angefangen hat unser Tag mit der Fahrt nach Saqqara.
Die weitläufige Ausgrabungsstätte 20 km südlich von Kairo am westlichen Nilufer wurde zwischen der 1. Dynastie und der Spätzeit als Begräbnisstätte genutzt. Zu sehen sind neben verschiedenen sehr gut erhaltenen Gräbern sind in Saqqara Grabformen aus allen ägyptischen Dynastien zu besichtigen: Neben Stufenpyramiden und klassischen Pyramiden gibt es auch Schachtgräber, Galeriegräber und Mastabas. Die Ausgrabungen sind noch lange nicht abgeschlossen und es werden immer wieder neue Gräber und Kammern entdeckt, etlichen Pyramiden sind noch in der Rekonstruktion. Ein Highlight ist sicherlich die Djoser-Pyramide. Sie stammt aus der 3. Dynastie des Alten Reiches und wird auf etwa 2650 v.Chr. datiert; damit gilt sie als die älteste Pyramide Ägyptens. Sie ist die einzige mit einer nichtquadratischen Grundfläche.

Von Saqqara ging es weiter nach Memphis. Im Alten Reich war Memphis die Hauptstadt, von dort aus lies sich Ober- und Unterägypten vereinen und kontrollieren. Heute ist von der alten Pracht leider nur wenig übrig – aber das, was zu sehen ist, ist umso beeindruckender. Man kann eine riesige Statur von Rames II (das dazugehörige Grab befindet sich in Luxor im Tal der Könige) begutachten. Dazu kommen zahlreiche kleinere Staturen und Abbildungen von Ramses II und eine recht gut erhaltene kleine Sphinx. Memphis und die Totenstadt steht zusammen mit den Pyramidenfeldern von Giza bis Dahschur unter dem Schutz des UNESCO Welterbes.

Das Highlight – jedenfalls für mich – kam nach dem Lunch. Endlich sind wir zu den Pyramiden nach Giza gefahren. Was soll ich sagen: Unglaublich. Kaum in Worte zu fassen.
Wir hatten großes Glück: Ägypten ist aktuell kein beliebtes Reiseziel. Das ist tragisch für die ägyptische Wirtschaft. Es ist existenzbedrohend für all die Menschen, die von und mit Touristen leben. Es ist immer wieder ein bisschen geisterhaft, wenn man ganz alleine in einer Ausgrabungststätte oder an einem besonderen Punkt steht. Aber es ist natürlich auch ganz wunderbar, wenn man sich nicht mit anderen Touristen um die besten Plätze „prügeln“ muss. Wenn man nicht morgens um fünf aufstehen muss, um einen halbwegs freien Blick zu bekommen.

Wenn man mit einer Tour auf das Gelände geht, dann wird man tatsächlich von einer Pyramide zur Nächsten und zum Aussichtsplateau gefahren. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich lieber gelaufen. Auch wenn aktuell kaum Touristen unterwegs sind – die zusätzliche Belastung der alten Gemäuer durch den Feinstaub kann nicht gut tun, ich hätte das gerne vermieden.
Die größte Pyramide – die Cheops-Pyramide – ist immer zugänglich. Man muss ein gesondertes Ticket für die Grabkammer kaufen, drinnen sind keine Guides und auch keine Kameras erlaubt. Wie eigentlich immer und überall kann man gegen eine kleine Bestechung des Wächters (10 Ägyptische Pfund, etwa 0,50 € sind genug) doch fotografieren. Ob man das möchte, steht auf einem anderen Blatt. Die beiden kleineren Pyramiden sind immer abwechselnd im 2 Jahres-Rhythmus geöffnet, so gibt man dem Bau die Chance sich von den Touristen und der Feuchtigkeit, die sie mitbringen, zu erholen. Auch für die kleine Pyramide muss ein gesondertes Ticket gelöst werden. Achtung: Alle Tickets muss man zu Beginn am Eingang kaufen. Überleg Dir am besten vorher, was du sehen möchtest.
Auf dem Gelände bieten zahlreiche Kameltreiber ihre Dienste an. Aufgrund der verzweifelten ökonomischen Situation werden sie bisweilen ein bisschen penetrant und aufdringlich. Wir haben einmal höflich aber bestimmt abgelehnt – dann war es auch gut und erledigt.

Neben den Pyramiden gibt es eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem Gelände in Giza, die man auf keinen Fall verpassen darf: Die berühmte Sphinx.
Erst, als wir einige Tage später in Luxor die Avenue of Sphinxes entlang gegangen sind, ist mir bewusst geworden wie viele dieser „Fabelwesen“ es im alten Ägypten gegeben hat. Sie vereinten die zwei erstrebenswerten Charakteristiken: Klug wie ein Mensch (deswegen der Menschenkopf) und stark wie ein Löwe (daher der Körperbau). Eine der größten und sicherlich die bekannteste steht am Fuße des Plateaus in Giza. Von dort aus hat man nochmal einen Blick auf die komplette Schönheit der Pyramiden.

Meine Empfehlungen für einen Tag in Saqqara, Memphis und Giza.

  • Die Ausgrabungsstätten liegen in der Wüste. Es ist unglaublich heiß, trocken und sonnig.
    Du brauchst auf jeden Fall große Mengen Wasser, einen Sonnenhut und eine reichliche Menge Sonnencreme. Denk daran, dass du Dich immer wieder nachcremst – meine Empfehlung findest du hier.
  • Wenn du gerne auf einem Kamel reiten möchtest, denk bei Deiner Kleidung daran. Am Besten entscheidest du Dich dann für eine lange etwas weitere Hose.
  • Bring Dir einen dünnen Schal mit. In den Pyramiden ist es stickig und heiß – aber in Reisebussen ist es erfahrungsgemäß zugig und frisch.
  • Auf dem Gelände gibt es keine Getränke zu kaufen; Essen gibt es nur in einem überteuerten Buffetrestaurant. Wir haben uns am Vorabend unserer Tour in Downtown mit Obst, Nüssen, Gebäck und jeder Menge Wasser eingedeckt. Das dauert nur ein paar Minuten und war für uns eine perfekte Lösung.
  • Alle Tickets kauft man direkt am Eingang – überleg Dir vorher, was du sehen möchtest. Wir haben zB auf das Boot-Museum verzichtet.