Tag drei von dreihunderfünfundsechzig.
Diese erste Woche des Jahres lassen wir es langsam angehen. Wir sind zu dritt zu Hause, genießen die gemeinsamen Stunden und die Ruhe, die wir uns gönnen. Wir haben Termine, aber nur schöne: Theater, Konzert, Treffen mit Freunden. Eine langsame Wiedereingewöhnung für mich, Qualitytime vom Feinsten.
Genauso sollte das Jahr starten, so starten wir es schon seit Jahren. Einer meiner Vorsätze für dieses Jahr war es, mich weniger zu ärgern. Weniger Zeit darauf zu verwenden mich – laut oder leise – über Dinge zu beschweren, die ich nicht ändern kann. Das Wetter, das Verhalten anderer Menschen, die äußeren Umstände. Mein Leben hat mich gleich auf die Probe gestellt: Meine externe Festplatte ist verschwunden. Oder anders: Ich habe mein komplettes Gepäck ausgepackt, aufgeräumt, verstaut – und die Festplatte ist nicht auffindbar. Eine Festplatte mit allen Shootings des vergangenen Jahres. Mit allem, was ich schon für dieses neue Jahr produziert hatte.

Ich habe gemerkt, wie in mir eine leichte Panik aufgestiegen ist. Weil alles weg ist, weil ich jede Menge Arbeit ein zweites Mal investieren muss.
Vielleicht liegt die Festplatte auch einfach in Saarbrücken, bei meiner Mama. Die ist aber unterwegs und kann nicht nachschauen. Ich merke, wie ich anfange mich zu ärgern. Wie ich genervt bin von mir selbst und davon, dass ich vor unserer Abreise nicht nochmal überprüft habe, ob die Festplatte in meinem Koffer ist. Dann fällt mir ein, dass ich mich weniger ärgern wollte. Ich atme tief durch.

Ja, ich hatte drei Beiträge bis Samstag geplant, zu denen die Bilder auf der Festplatte sind. Ja, das ist irgendwie doof.
Aber die Welt geht nicht unter. Ich atme tief durch.
Ja, wenn die Festplatte tatsächlich weg ist, dann bedeutet das jede Menge doppelte Arbeit. Aber die Arbeit wird nicht weniger, wenn ich mich jetzt auch noch darüber ärgere. Die Arbeit bleibt die gleiche – meine Laune wird erheblich schlechter. Ich entscheide mich gegen den Ärger. Ich atme tief durch. Ja, es klappt schon ganz gut mit den Vorsätzen. Und außerdem: Wie sehr werde ich mich freuen, wenn die Festplatte einfach auf meinem Schreibtisch zu Hause liegt? Eben, riesig.