Freundschaften brauchen Zeit. Zeit um zu wachsen, aber auch immer wieder Zeit, die man investiert.
Zeit für lange Telefongespräche, für gemeinsame Erlebnisse und Wochenenden, die Erinnerungen schaffen. Als ich in Amman angekommen bin, hatte ich das große Glück auf den ersten Blick Freunde zu finden. Nicht nur Bekannte, Freunde. Menschen, mit denen ich mich ohne viele Worte verständigen konnte, Menschen die mir sofort nahe standen und Menschen, mit denen mich jetzt eine Geschichte verbindet.

Manchmal braucht es nicht viel, um eine Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen.
Eine Kleiningkeit reicht, ein Moment der verbindet. Ein Ausflug, ein Abendessen, ein Wochenende. Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick, hin und wieder dauert es etwas länger. In Amman hatte ich ein Wochenende mit zwei wunderbaren Frauen. Ein Ausflug nach Jerash, ein Tag in Wadi Mujib und viele gemeinsame Abendessen (und die ein oder andere Party) hat uns zusammengeschweißt. Noch vor unserem tränenreichen Abschied in Amman haben wir uns entschieden, dass es ein Wiedersehen in Deutschland geben muss.

Wenn ich jetzt meine kleine Tasche für´s Wochenende packe, dann fühlt es sich nach einer Auszeit an. Was – fragst du Dich jetzt vielleicht?! Braucht sie etwa schon wieder eine Auszeit? Ist sie nicht gerade erst von ihrer Auszeit im Nahen Osten zurück? Hat die überhaupt noch ein normales Leben oder reiht sich Auszeit an Auszeit?
Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Ich brauche keine Auszeit von meinem Alltag. Ich genieße gerade jeden Moment. Ich brauche auch keine Auszeit von Deutschland und doch fühlt es sich gerade so an. Es fühlt sich an, als würde ich mir eine Auszeit von Deutschland nehmen, obwohl ich nur nach Freiburg fahre.

weiße Strickjacke – more&more
Shirt – hm
Jeans – mango
Schuhe – Geox
Mantel – Woolrich

Der Grund? Ich verbringe das Wochenende mit zwei wunderbaren Frauen, die zwar wie ich in Deutschland leben und die ich auch in Deutschland treffe – aber bis zum heutigen Tag waren sie ein Teil von meinem Leben in Amman. Nicht von meinem Leben in München, in Deutschland. Macht das Sinn? Habe ich wirklich zwei Leben, die nebeneinander existieren?
Ja und nein.
Amman ist anders. Ich bin ein anderer Mensch, wenn ich dort bin. Lockerer, gelöster, ich lebe sehr viel mehr in den Tag hinein. Ich nehme die Dinge genau so, wie sie eben kommen. Diese Lässigkeit würde ich auch hier gerne mehr leben, diese Lässigkeit und Entspanntheit versuche ich auch hier zu integrieren. Gar nicht so einfach, wenn der Alltag natürlich mit einm gewissen Termindruck, Deadlines und Aufträgen daherkommt, die fertig werden müssen. Aber die Amman-Annalena versuche ich trotdem immer wieder rauszulocken. Einfach mal zwei Stunden Mittagspause machen, ausgiebig mit dem Hund spazieren gehen und Fünfe gerade sein lassen. Zählt das auch schon als „sich eine Auszeit nehmen“?

In Amman zu leben, neue Freunde zu finden, Gedanken und Erlebnisse mit diesen Menschen zu teilen – das hat mir vor allem auch eines gezeigt: Wie sehr ich die Menschen liebe, die zu meinem Leben in Deutschland gehören. Mein Freund, meine Familie, meine engen Freunde. Die Menschen, die nur durch Erzählungen, Bilder und kurze Besuche ein Teil von meinem Leben in Amman sein konnten. Die Menschen, von denen ich niemals eine Auszeit brauche.