Ich nippe an meinem Latte Macchiato. „Den trinkt man in Italien nur zum Frühstück.“, rufe ich mir ins Gedächtnis. Meine Uhr zeigt 15.30 – kann mir egal sein, ist mir egal. Ich bin im Urlaub oder besser: Wir machen eine Workation, wie es neudeutsch heißt.
Was auf Instagram und Social Media aussieht wie zwei Wochen Urlaub in Italien, ist im besten Fall eine Mischform zwischen Arbeit und Urlaub. Ich möchte Dich heute einmal mitnehmen durch die Prozesse einer solchen Presse- und Produktionsreise.

Werbung/ PR-Sample


Eines vorweg: Ich beklage mich nicht. Nicht mal ein bisschen.
Ich habe die wunderbare Chance und das große Glück von sehr schönen Orten aus arbeiten zu können. Mit Menschen zu arbeiten, die mich inspirieren und unterstützen. Jetzt nun also Italien, Südtirol. Es ist eine individuelle Pressereise zu insgesamt vier Hotels, während der ich nicht nur Content für die Hotels, sondern auch für fünf, sechs weitere Kunden produziere. Nach Abschluss der Reise werden wir in 10 Tagen etwa 50-70 Bilder produziert haben, die auf unterschiedlichen Social Media-Kanälen der Kunden (und meinem eigenen) veröffentlicht werden können. Zwischen fünf und sieben Shootings pro Tag; das ist machbar, aber natürlich nicht ganz ohne Aufwand.


Hose – timezone*

Step 1: Vorbereitung ist King.
Ich recherchiere im Vorfeld der Reise nicht nur die Hotels und die Orte, die rund herum liegen. Nicht nur Restaurants und Sightseeing. Es gilt im besten Fall nicht nur alle Outfits, Accessoires und Props auf die Location abzustimmen und eventuell sogar die genauen Bilder vorzuplanen.
Optimaler Weise finde ich über die Bildersuche bei Google, die sozialen Medien, Websites, Tourismusverbände Bilder, die mir einen Eindruck vermitteln, ein Gefühl dafür geben, was sich an den einzelnen Orten umsetzen lässt. Ich schreibe eine genaue Liste der Shootings, die ich umsetzen will: Hier sind nicht nur die Orte und Motive aufgelistet, sondern auch eventuelle Briefings des Kunden integriert. Nichts ist ärgerlicher, als ein Shooting wiederholen zu müssen, vielleicht lässt es sich auch gar nicht wiederholen.
Die Vorbereitung, Recherche, Abstimmung für eine Produktionsreise von 10 Tagen liegt bei etwa 10-12 Stunden.


Step 2:Vor Ort.
Sobald ich an einem Hotel, einer Location ankomme, mache ich einen Rundgang. Mit meiner vorbereiteten Liste schaue ich mir die Orte an, die ich vorher nur online gesehen hatte. Ein kleiner Abgleich mit der Realität, den Einfall des Sonnenlichts berücksichtigen. In die Planung muss einbezogen werden, wann sich Shootings umsetzen lassen (Faktoren wie Licht oder auch ganz schlicht die Privatsphäre anderer Gäste spielen hier eine Rolle). Immer wieder entstehen auch spontan neue Ideen für Content, der eigentlich so gar nicht geplant war, aber perfekt zur Location passt.
Für die Begehung vor Ort und die zeitliche Planung der Shootings brauche ich etwa 1,5 Stunden.


Step 3: Zeit zu shooten.
In der Regel starten wir am Morgen sehr früh. Das erste Licht des Tages ist – ebenso wie das Licht kurz vor dem Sonnenuntergang – das Schönste. Der Wecker klingelt jetzt im Sommer dann auch mal gerne gegen 5:00, wir bereiten das Equipment vor, shooten zwei Stunden…dann gibt es Frühstück.
Je nach Thema und Location folgen dann ein paar Innenaufnahmen, bei denen das Licht eine geringere Rolle spielt. Harte Schatten um die Mittagszeit versuchen wir zu vermeiden, gehen erst am Nachmittag gegen 17.00 wieder nach draußen zum Shooten.
Südtirol war eine individuelle Pressereise, d.h. ich war nicht in einer Gruppe unterwegs, sondern nur mit meinem Partner und Fotografen. Wir waren natürlich sehr viel flexibler in der Zeiteinteilung und Gestaltung, als es im Fall einer Gruppenreise in der Regel möglich ist. Häufig haben solche Reisen ein Programm von 7:30 bis 23:00; individueller Content muss irgendwann zwischendurch produziert und vor allem bearbeitet werden. Bei einer individuellen Pressereise verbringen wir etwa vier Stunden pro Tag mit Shootings.
Nebenbei versuche ich natürlich meine Leserinnen und Leser über Stories und Social Media mitzunehmen, von meiner Reise zu erzählen, die Hotels zu zeigen. Auf einer solchen Produktionsreise kann ich mir leider häufig nicht ganz so viel Zeit für die Nachbearbeitung der Stories nehmen, wie z.B. nach einem einzelnen Event, das nur wenige Stunden dauert. Die Stories sind also weniger artsy, dafür aber direkter am Geschehen dran 😉 Trotzdem sind es etwa 1,5 Stunden am Tag, die ich damit verbringe Stories zu drehen, zu bearbeiten, hochzuladen.


Step 4: Postproduction.
Gerade auf Reisen muss es schnell gehen mit der Nachbearbeitung der Bilder – schließlich soll der Content möglichst aktuell auf meinen Accounts online gehen. Ich bearbeite die Bilder des Tages meist recht spät am Abend. An einem Tag mit vier Stunden Shooting entstehen um die 600 Bilder, die gesichtet, sortiert und schließlich bearbeitet werden wollen.
Gute zwei Stunden müssen dafür nochmal eingeplant werden.


Step 5: Wieder zu Hause.
Zurück zu Hause werden die entsprechenden Beiträge geschrieben.
Pro Beitrag kalkuliere ich eine Stunde reines Schreiben, nochmal zwei Stunden dauert es, bis das Layout und die Bilder fertiggestellt sind. Die Abnahme durch den Kunden, ein Feedbackgespräch und eine Abrechnung von Kosten und Honorar überschlage ich grob mit einer weiteren Stunde.

Abgesehen davon bleibt natürlich unheimlich viel liegen, wenn ich nicht in München bin. Oder anders: Es bleibt unheimlich viel liegen, wenn eine „normale“ Arbeitssituation nicht gegeben ist. Die Beiträge für die Zeit der Abwesenheit müssen vorbereitet werden – die Erfahrung zeigt, dass es zeitlich nahezu unmöglich ist, während einer solchen Reise Beiträge zu schreiben, zu layouten und online zu stellen.

Mein Fazit?
Ich liebe Presse- und Produktionsreisen. Ich arbeite unheimlich gerne für meine Accounts und die Kanäle der Kunden an kreativen Konzepten und schönem Content. Ich habe unheimlich viel Freude daran immer wieder neue Orte zu entdecken und zu zeigen.
Aber es ist kein Urlaub. Und das ist eigentlich der Punkt, den ich mit diesem Artikel verdeutlichen wollte. Pressereisen sind wunderbar und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die ich habe. Aber es ist kein Urlaub. Es ist ein Arbeiten an wunderschönen Orten und mit tollen Menschen.