Kapstadt hat ein besonderes Flair: Afrika – natürlich. Aber auch sehr viel Europa und viel Kolonialismus. Dazu etwas unheimlich internationales und kosmopolitisches. Es fühlt sich an vielen Stellen so an, als wäre die Stadt im Aufbruch – als würde ganz viel Neues entstehen.

Für mich haben Städte am Wasser, am Meer ein ganz besonderes Flair. Allein der Gedanke der Weite, die eine Stadt am Wasser, eine Stadt mit Hafen mit sich bringt, wirkt auf mich unheimlich anziehend. So ungerne ich tatsächlich AUF dem Wasser bin, so gerne bin ich am Wasser.

Direkt am Wasser: Waterfront.

Ein bisschen Vergnügungsviertel mit einem Riesenrad (!!!), vielen Cafés, Bars und Restaurants – aber auch ein alter und ein neuer Hafen. Ein Stück Geschichte des Kolonialismus. Die Waterfront lädt mit verschiedenen kleinen Märkten (indoor und outdoor) zum Bummeln ein; einige der schönsten Souvenirs von meinem Trip habe ich in dieser Gegend gefunden. Daneben gibt es unterschiedliche Museen, Gedenkstädten und immer wieder einen fantastischen Blick auf den Tafelberg.
Von hier aus legen auch die Boote nach Robben Island ab, wo man eines der berühmtesten (stillgelegten) Gefängnisse der Welt sehen kann.

Ein Ausflug von Kapstadt aus: Robben Island.

Einer der Hauptgründe, warum ich schon lange (wirklich lange) nach Kapstadt wollte: Das Gefängnis von Robben Island. Das Gefängnis, in dem Nelson Mandela so viele Jahre seines Lebens verbracht hat. Nelson Mandela war der erste Politiker, Revolutionsführer, Oppositionelle, Kämpfer…wie auch immer man ihn nennen mag, für den ich mich interessiert habe. Der erste, mit dem ich mich beschäftigt habe. Gut 15 Jahre später hatte ich endlich die Chance das Gefängnis zu sehen, dass ihn geprägt hat – das er berühmt gemacht hat.
Mein Ticket hatte ich schon Wochen im Voraus gebucht (die Schlangen sind nicht nur endlos lang, man muss ohne vorbestelltes Ticket auch damit rechnen keinen Platz auf dem Boot und in einer Tour zu erwischen), als ich am Nelson Mandela-Steg stand, habe ich trotzdem kurz gezaudert. Ein Boot, das mich durch eine der Buchten der Welt bringt, in der es die meisten Haie überhaupt gibt – nicht unbedingt meine Vorstellung eines gelungenen Vormittags. Ich habe gezittert wie verrückt und als ich vom Boot aus – in etwas Entfernung – einen Hai (bzw. seine Rückenflosse) gesehen habe, ist mir das Herz stehen geblieben. (Der regelmäßige Leser erinnert sich vielleicht daran, dass ich wirklich große Angst vor Schiffen, Booten und Wasser habe.)

Abgesehen von der Überfahrt war es tatsächlich einer der besten Vormittage, die ich im letzten Jahr hatte. Der Besuch der Insel ist nur inklusive einer Tour möglich, die von einem ehemaligen Insassen der Insel geleitet wird. Auch wenn ich häufig kein großer Fan von geführten Touren bin – dieser war es wert. Der Führer hat nicht nur sehr persönliche Einblicke in sein Leben, seine Zeit auf der Insel und den Alltag gegeben, sondern auch die Geschichte “drum herum” ganz fantastisch erzählt und mich immer wieder zu Tränen gerührt. Eine wirkliche Bereicherung und eine Erfahrung, die ich um nichts in der Welt missen möchte.

So bunt ist das Kap: Bo Kaap.

Im Kontrast zu dem sehr lehrreichen aber auch bedrückenden Vormittag auf Robben Island, habe ich den Nachmittag in einem der buntesten Viertel der Stadt verbracht: Bo Kaap. Eigentlich sind es nur zwei oder drei Straßenzüge und aus irgendeinem Grund dachte ich immer, Bo Kaap würde am Wasser liegen. Weit gefehlt: Es geht einen – recht steilen und langen – Berg hinauf und dann stehen sie da, die berühmten bunten Häuschen. Würde ich Afrikaans sprechen (was ich leider nicht tue), wäre mir übrigens klar gewesen, dass Bo Kaap nicht am Wasser liegen kann, ins Deutsche übersetzt bedeutet der Name “über dem Kap”…
Gegründet von kapmalaischen Sklaven nach ihrer Entlassung aus der Sklaverei bilden diese auch heute noch den Großteil der Bewohner. Hier gibt es einige Moscheen, einen kleinen Supermarkt in dem man alle Produkte bekommt, die das middleeastern Herz begehrt, ein Museum zur kapmalaischen Geschichte und vor allem…nun ja…kleine bunte Häuser.

Meine Übernachtungs-Empfehlung für Kapstadt: Villa Rosa Guesthouse.

Wir haben in Südafrika nur in kleinen Guesthouses und Pensionen geschlafen und jede einzelne Übernachtung war wirklich wirklich schön und komfortabel. So auch das Villa Rosa Guesthouse in Clifton.
Etwa fünf Gehminuten vom Wasser entfernt und ein paar Schritte bis zum Foodmarket, zehn Minuten mit dem Uber in die Innenstadt und dabei ganz ruhig gelegen – alles, was ich mir gewünscht habe.
Die kleine Pension ist mit sehr viel Liebe und Herzlichkeit von einem schwulen Päärchen geführt, jedes Detail stimmt und die beiden standen jederzeit für Fragen und Empfehlungen zur Verfügung. Das – wirklich gute – Frühstück bietet neben frischen Früchten, Joghurt und Müsli jeden Morgen zwei Auswahlmöglichkeiten: Eine Eierspeise (jeden Tag eine andere) oder eine kalte Platte mit Schinken, Käse und Wurst. Ich habe beides probiert und war direkt überzeugt. So starte ich gerne in den Tag.

Ein besonderes Schmankerl bzw. eine schöne Geste: Mein Flug zurück nach Deutschland ging recht spät am Abend und ich war noch den ganzen Tag in Kapstadt unterwegs. Mein Gepäck konnte ich problemlos im Hotel lassen, aber on top hat man mir am Abend ohne Aufpreis ein kleines privates (und sehr schönes) Badezimmer gezeigt, in dem ich nochmal duschen konnte und mich ganz gemütlich und in aller Ruhe auf meinen Flug vorbereitet habe. Ein besonderer Service, der mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich nochmal davon überzeugt hat, dass ich dieses Guesthouse wirklich von Herzen empfehlen kann.

Tatsächlich war ich so viel unterwegs, dass es kein Bild (selbstgeschossenes) von meinem Zimmer gibt. Das Licht war einfach immer noch oder schon viel zu schlecht. Die Bilder stammt von booking.com.

Ein bisschen Park: The Company Gardens.

Einmal kurz durchschnaufen bitte. Eher durch Zufall bin ich in den Company Gardens gelandet. Eigentlich wollte ich an eine andere Stelle, bin dann zwei mal abgebogen und stand plötzlich davor – ein wunderschöner Park mitten in der Stadt. Ursprünglich angelegt von der Holländisch Ostindischen Handelskompanie ist er heute Jedermann zugänglich und so habe ich zwischen spielenden Schulkindern, Touristen und Kapstädtern in ihrer Mittagspause ein bisschen in der Sonne gesessen. Neben dem botanischen Garten in einem Teil (leider größtenteils ohne Beschilderung der teils sehr exotisch anmutenden Pflanzen) sind an den Company Gardens auch das jüdische Museum, die National Gallerie und das House of Parliament.

Was ich nicht wusste: Mitten in Kapstadt steht ein Stück der Berliner Mauer.