Direkt vom Flieger ins Auto und dann vierzig Minuten in die Weinberge. Stellenbosch, das weltbekannte Anbaugebiet Südafrikas ist theoretisch nah genug an Kapstadt um nur für einen Nachmittag raus zu fahren und sich ein Gläschen schmecken zu lassen. Oder man bleibt über Nacht, für ein langes Wochenende – ganz einfach, weil es so schön ist. 

Stellenbosch an sich war mein erster „Kontakt“ mit Südafrika. Wenn man den Flughafen kurz außer acht lässt – denn der ist weder architektonisch noch sonst irgendwie wirklich erwähnenswert. Stellenbosch also. 
Ein bisschen erinnert es mich an Holland oder Nordfriesland, reetgedeckte Häuser, auf den ersten Blick niederländisch klingende Straßennamen. Ein bisschen hat es aber auch was von den kleinen Orten an der Küste Neu-Englands. Fast könnte man vergessen, dass man gerade einen 14 Stunden-Flug aus Europa hinter sich hatte, wenn man durch Stellenbosch schlendert. Nett ist es hier. 

Aber niemand kommt wegen des Ortes. Durchschlendern kann man schon, es gibt den ein oder anderen Bau, der die koloniale Vergangenheit Südafrikas ins Gedächtnis ruft und mich daran erinnert, dass ich nicht in Holland bin. Dass es keine niederländischen Begriffe sind, die ich lesen kann – es ist Afrikaans. 
Wir sind auch nicht wegen des Ortes in Stellenbosch, sondern wegen des Weins. Passend, dass es davon gleich eine halbe Flasche pro Person zum späten Lunch gibt. So muss sich Urlaub anfühlen. 

Was ich Dir zum Lunch empfehle:
Ein später Lunch, ein frühes Abendessen – wie auch immer: Wer Weinproben macht, der braucht etwas im Magen. Wir waren beim Italiener und haben es uns mit einer Flasche Wein (oder zwei oder vielleicht auch drei) gut gehen lassen. Bei Decameron gab es Melanzane alla Parmigiana für mich und eine große Auswahl verschiedener Pasta, Fisch- und Fleischgerichte auf der Karte. Nur das Tiramisu, über das ich schon während des Hauptganges fantasierte, das gab es nicht. Macht aber nichts, bei etwas wärmeren Temperaturen sitzt man draußen in einem „Biergarten“ sicherlich ganz wunderschön; wir hatten Regenwetter und haben uns drinnen aufgewärmt. 

Decameron Restaurant & Beergarden
50 Plein St, Stellenbosch Central, Stellenbosch, 7600, Südafrika
+27 21 883 3331

Wein, Wein und noch mehr Wein. Wer mit dem Auto aus Stellenbosch rausfährt (oder auch beim Reinfahren die Augen geöffnet hatte), der kann sich der Tatsache nicht verschließen, dass er sich in Mitten von Weinreben befindet. Überall. Über 300 Weingüter gibt es in der Region um Stellenbosch. Wir schauen uns nur eines davon an, trinken nur bei einem. 

Das sieht dafür aus, wie ich es mir vorstelle. Mit einer breiten Auffahrtsalle. Dazu ein altes Gebäude aus großen Blöcken hellen Sandsteins. Das durchwachsene Wetter, das der frühe September noch mit sich bringt, kann ich ignorieren, als ich die Heizstrahler im Wintergarten entdecke. Ja, man macht es uns nett auf Gut Waterford. Vier Weine verkosten wir, zu dreien gibt es passende Schokolade. Einen – den – bestelle ich gleich kistenweise für zu Hause. 

Wo ich Dir empfehle zu schlafen: 
Südafrika ist voll von niedlichen kleinen Pensionen. Eine liebevoller gestaltet als die andere. Am liebsten wäre ich noch wochenlang im Land herumgefahren – einfach nur um jede Nacht in einem anderen kleinen Bed & Breakfast zu bleiben. Es gibt unendlich viele verschiedene Stile, jedes ist auf seine Art ganz wunderbar; alle sind relativ günstig.

In Stellenbosch waren wir im Appletree Guest House untergebracht. Auch wenn ich den Apfelbaum nicht gesehen habe (das mag aber an meinem magelnden botanischen Wissen liegen), habe ich mich wahnsinnig wohl gefühlt. Die Zimmer sind gemütlich eingerichtet, im Innenhof gibt es einen kleinen Pool und in zehn Minuten ist man zu Fuß im Zentrum von Stellenbosch. Die Gegend ist sehr sicher, Autos kann man auf dem (mit einem hohen Zaun abgetrennten) Gelände abstellen und zum Frühstück gibt es jeden Tag eine andere warme Speise, dazu einen Kachelofen und eine Weinbar mit Selbstbedienung. I like.