Einen letzten Punkt hatte ich auf meiner Liste, einen nur noch. Ummquais. Die Ruinen im Norden Jordaniens, von denen man auf die Golan-Höhen und den See von Genezareth sehen kann. Auf Israel, Syrien, Palästinaein Kriegsgebiet. Lange habe ich überlegt, ob ich – aufgrund der aktuellen politischen Situation von einem Besuch Abstand nehmen soll – und mich dann doch entschieden zu fahren. Zurecht: Es ist nicht gefährlich, aber wunderschön.

Die einfachste Möglichkeit nach Ummquais zu kommen? Man mietet sich für einen Tag einen Fahrer, ein Taxi oder schließt sich einer Tour an. Sehr viel spannender, lustiger, interessanter (und sehr sehr viel günstiger)? Man nimmt den öffentlichen Nahverkehr.
In Amman fährt ein Kleinbus von der nördlichen Busstation zur südlichen Busstation von Irbid. Dort muss man ein Taxi zur nördlichen Busstation nehmen, in einen anderen Kleinsbus nach Ummquais steigen – und schon ist man da. Alles in allem dauert die Anreise etwa 2,5 Stunden und kostet maximal 5 JD pro Person, ein bisschen abhängig von den Verhandlungskünsten beim Taxifahrer.

Während der erste Bus noch unter die Vorstellung fällt, die wir von einem Bus haben, war die Fahrt im zweiten Bus ein Erlebnis. Wir hatten uns einen der heißesten Tage des Jahres und das erste Wochenende im Ramadan ausgesucht – keine ganz smarte Kombination. Im klapprigen Bus, dessen Türen und Fenster sich nicht mehr haben schließen lassen (was angesichts der Temperaturen ein Segen war) sind abwechselnd Großfamilien mit unendlich vielen kleinen Kindern, Männer auf dem Rückweg vom Einkaufen, Hühner und eine Ziege mit uns gefahren. Das Beste aber? Angekommen an den Ruinen waren wir auf dem Gelände nahezu alleine und hatten alle Zeit der Welt uns in Ruhe umzuschauen.

Ummquais – der historische Name der Stadt, die heute Gadara heißt – ist eine ausgesprochen große Ruinen-Anlage mit Überbleibseln der römischen und osmanischen Zeit. Es gibt mehrere Theater, Stallungen, Bäder, ein Nymphaeum und sogar ein Gästehaus, das noch heute in Betrieb ist und die Möglichkeit gibt, mit Blick auf die Golan Höhen zu übernachten.
Das Beeindruckende ist nicht nur, wie weitläufig die Anlage ist, sondern auch, wie gut die Ruinen erhalten sind.