Manchmal reichen weniger Stunden, ein paar Sonnenstrahlen und eine neue Umgebung um die Dinge wieder in die richtige Perspektive zu setzen. Durchatmen, die Füße im Meerwasser, später eine Paella mit Meeresfrüchten.
Vor zwei Wochen habe ich mich mit meiner Mama für drei Tage auf der Baleareninsel getroffen: Gerade noch so in der Nebensaison um eine Insel wiederzuentdecken, die ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Vollkommen zu Unrecht.


Schon seit Jahren mache ich genau das mit meiner Mama: Kurzurlaube, gemeinsame Zeit. Die Trips über ihren Geburtstag im Juli sind schon seit weit über zehn Jahren fester Bestandteil unseres Jahres – andere Reisen machen wir immer dann, wenn wir Lust haben und sich etwas ergibt. Im vergangenen Jahr hat sie mich zuerst für einige Tage in Jordanien besucht; einige Wochen später waren wir nochmal gemeinsam in Israel und Palästina. Dieses Jahr nur also Mallorca.

Mallorca. Da dachte ich entweder an feierwütige Kegelklubs und Dieter Bohlen oder an die Herbstferien meiner Kindheit, die wir immer mal wieder wandernd im Norden der Insel verbracht haben. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los genug Zeit auf Mallorca verbacht zu haben. Alles gesehen zu haben. Was NEUES zu wollen.

Letztlich waren es die günstigen Flugpreise, die Erreichbarkeit von zwei unterschiedlichen Flughäfen Deutschlands und die kurze Anreisezeit, die mich überzeugt haben ein paar Tage mit meiner Mama auf Mallorca zu verbringen – und ich habe es keine Sekunde bereut.

Mallorca, das ist so viel mehr, als man vielleicht zunächst im Kopf hat. Die Insel ist wirklich unheimlich vielseitig: Eine wirklich schöne (und große) Stadt mit Palma, kleine verträumte Dörfer, mondäne Häfen, Klöster, traumhafte Buchten und ein Gebirge.


Tag 1: Palma de Mallorca

Palma ist eine Stadt, die für ein langes Wochenende genau die richtige Größe hat: Vieles lässt sich zu Fuß erlaufen, es gibt einiges zu tun, viele kleine Cafés laden zum Zwischenstop ein und die unzähligen Restaurants und Tapas-Bars haben bis spät in die Nacht geöffnet.

Wir haben uns dazu entschieden direkt vom Flughafen in die Stadt zu fahren: Hier kann man entweder die schnellen und günstigen Busse des öffentlichen Nahverkehrs nutzen oder sich natürlich auch einen Mietwagen nehmen, wenn man ein bisschen auf der Insel rumfahren und etwas entdecken will. Wir haben uns für letzteres entschieden – die perfekte Wahl.
Bis spät in die Nacht gibt es Tapas in der ganzen Stadt; wir waren in der Bar La LLotja direkt an der alten Börse – wie der Name verrät. Neben Tapas stehen auch Sandwiches und kleine Salate auf der Karte; das Ambiente ist wirklich nett und außer uns waren auch unheimlich viele Spanier dort.
Für „nach dem Abendessen“ habe ich noch einen besonderen Tipp für Euch: Einen Spaziergang durch die nächtliche Innenstadt. Durch die kleinen Gassen der Altstadt bis zur Plaza Mayor – vielleicht noch eine Runde Tapas und ein Drink in der Bar Bosch? – oder weiter vorbei an der Plaza de la Raina zum Königspalast La Almudaina und dann zur Kathedrale La Seu die man nur Nachts so ungestört und alleine betrachten kann. Schön ist sie, die Hauptstadt der Balearen.



Tag 2: Soller, Port de Soller und die Gärten von Alfabia.

Ein kleiner Exkurs zum Thema Mietwagen: Die Straßen in den Orten abseits der Hauptstraßen sind häufig sehr sehr schmal. Auch wenn sie häufig theoretisch je eine Spur pro Richtung hätten, wird doch mindestens eine Spur als Parkplatz verwendet. Es ist wenig Platz, ganz Allgemein.
Wir haben uns (hauptsächlich deswegen) ganz bewusst für einen sehr kleinen Mietwagen entschieden. Pluspunkt: Wir hatten kaum Probleme in den Gassen und haben überall recht problemlos einen Parkplatz gefunden.

Mit unserem kleinen Flitzer sind wir in Richtung Norden aufgebrochen. Der erste Stop: Maratxi/Portól. Hier sind viele traditionelle Töpferein beheimatet und wären wir nicht nur mit Handgepäck unterwegs gewesen, hätten sicher noch mehrere Stücke ihren Weg in unser Gepäck und nach Deutschland gefunden. So blieb es bei einigen kleinen Schüsseln und einer Löffelablage. In einem zarten Türkiston, schön sommerlich.
Die Töpferwaren sind alle handgemacht in Maratxi und wirklich sehr sehr erschwinglich (zB 3,50 € für die Löffelablage).

Durch die Berge geht es über verwunschene Landstrassen (wer unter Zeitdruck steht kann auch eine Autobahn nehmen und kommt wesentlich schneller aber nicht ganz so pitoresque ans Ziel) weiter in Richtung Norden bis nach Alfabia.
Ein alter Landsitz, der noch aus der Zeit der muslimischen Besatzung stammt und zu dem eine wunderschöne Gartenanlage gehört. Der Eintrittspreis schlägt mit stolzen 7,50 € pro Person zu Buche, entsprechend sollte man sich für den Rundgang durch Park und Landsitz schon ein bisschen Zeit nehmen. Mitten im Garten ist ein kleines Café in dem es Snacks und frisch gepressten Orangensaft gibt.

Sóller und Port de Sóller waren die Orte, in denen wir früher häufig während unserer Wanderurlaube übernachtet haben. Ich hatte mich wahnsinnig gefreut, nach fast 17 Jahren Pause wieder durch die Gassen zu schlendern und mich davon zu überzeugen, dass alles noch so schön ist wie damals. Leider hat mir das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht: Einmal im Jahr findet in den Orten ein großes Volksfest statt, bei dem eine historische Schlacht zwischen den muslimischen Besatzern und den Mallorquinern nachgestellt wird.

Wir hatten genau diesen Tag erwischt…Sóller war komplett gesperrt und es war leider kein Parkplatz zu bekommen. Als wir in Port de Sóller ankamen, hatte sich das Fest langsam in den Hafen verlagert und auch hier wurden die Straßen gesperrt. Wir haben es bei einem kurzen Spaziergang entlang der Uferpromenade belassen – ich muss wohl noch einmal wieder kommen, um mich davon zu überzeugen, dass die Orte noch immer so nett sind, wie in meiner Erinnerung.

Ganz spontan haben wir uns für einen Sundowner in Valdemossa entschieden. Die alte Klosterstadt wurde unter anderem durch George Sand und ihr Buch „Ein Winter auf Mallorca“ berühmt, in dem von dem Winter berichtet, den sie mit ihrem Liebhaber Frédéric Chopin auf der Insel verbrachte. Valdemossa könnte eine verträumte kleine Stadt sein, tagsüber wird sie allerdings von Heerscharen an Touristenbussen belagert – zum Sundowner sind die Busse alle wieder auf dem Weg zurück in die jeweiligen Hotels und der Ort kommt zur Ruhe.


5 Tipps für Deinen Kurzurlaub auf Mallorca:

  • Die Insel ist gar nicht so groß, wie sie vielleicht wirkt – aber umso vielseitiger. Wenn du wirklich viel sehen willst empfehle ich Dir in ein Auto. In der Nebensaison sind die wirklich spottbillig: Für drei Tage haben wir inkl. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung und inkl. 2 Fahrern 15€ gezahlt. Dazu kamen nochmal 25 € für Benzin.
  • Nutz die Nebensaison. Auf der Ballearen-Insel ist es schon im März und noch im Oktober schön – im Sommer ist es mir meist ein bisschen zu voll überall.
  • Pass Dich dem Lebensrythmus ganz spontan an: Über Mittag machen die Spanier Siesta und zwischen 13 und 16 Uhr sieht es meist ein bisschen mau aus mit Geschäften oder Restaurants. Dafür gibt es bis tief in der Nacht was zu essen – auch nicht schlecht.
  • Lass ein bisschen Platz im Koffer: Shoppen auf Mallorca macht Spaß. Es gibt viele kleine Labels, viel Handgemachtes und jede Menge spanisches Lebensgefühl, dass sich ganz wunderbar mit nach Deutschland nehmen lässt.
  • Befrei Dich von Deinen Vorurteilen gegenüber der Insel. Ja – es gibt den Ballermann mit saufenden Kegelclubs (aber vielleicht magst du das ja auch…). Es gibt im Sommer wahnsinnig viele Pauschaltouristen, die die Insel bevölkern – aber es gibt auch viele einsame Buchten. Auf Mallorca kannst du auf verhältnismäßig kleinem Raum so viele verschiedene Arten Urlaub machen, dass die Insel eigentlich für jeden was bietet – und das finde ich ganz wunderbar.

Tag 3: Port Andratx und Sant Elm

Ein Kurztrip auf eine Mittelmeerinsel ohne tatsächlich am Meer gewesen zu sein? Ohne mich. Leider war es nicht wirklich warm genug zum Baden, aber es hat auf jeden Fall gereicht um mit den Füßen durch´s Wasser zu laufen und über Mittag ein bisschen in der Sonne zu sitzen und zu lesen.

Auch Port Andratx war eine Kindheitserinnerung und ich wollte unbedingt in die Hafenstadt. Geschützt in einer Bucht hat Port Andratx eine schöne Promenade, nette Cafés und einige Geschäfte, in denen man sich mit schöner und passender Kleidung für den Sommerurlaub eindecken kann. Den Großteil der Bucht nimmt allerdings der riesige Yachthafen der Stadt ein, in dem die Schiffe und Yachten nationaler und internationaler Promis liegen.
Was soll ich sagen…Port Andratx ist nett – aber ich würde meinen Urlaub nicht zwingend dort verbringen wollen. Durch die großzügige Hafenanlage (die im übrigen für einen Hafen sehr schön und sauber ist) gibt es keine Möglichkeit ins Wasser zu gehen, die Preise sind sehr gehoben und alles wirkt auf mich ein kleines bisschen so, als wollte jeder ein bisschen vom Glanz abhaben.

Sehr viel netter finde ich es in der nächsten Bucht: Sant Elm hat einen kleinen Sandstrand, einige eher kleine Hotels und eine Fußgängerzone mit kleinen Geschäften und Restaurants.
Wir haben den Tag letztlich mit einer großen Portion frischer Paella mit Meerenfrüchten am Strand in einem Vorort von Palma – Ciudat San Jordi – ausklingen lassen. Drei Tage Kurzurlaub, die ich mir besser nicht hätte wünschen können.