Inzwischen habe ich Erfahrungen damit neue Sprachen zu lernen. Arabisch ist bereits die siebte Sprache, die ich lerne. Die sechste, wenn man meine Muttersprache nicht mit einbezieht. Nach Französisch und Englisch habe ich Spanisch, Italienisch und Portugiesisch gelernt. Meine Polnisch-Kenntnisse wabern klein und leise vor sich hin. Jetzt Arabisch, endlich. Nach so langer Zeit habe ich mich nochmal dazu durchgerungen eine neue Sprache zu lernen – nur für mich, komplett freiwillig und ohne Druch von außen.
Ich habe viel ausprobiert über die Jahre und will mit Dir die Tipps und Strategien teilen, die für mich am Besten funktioniert haben.

#1: Fang mit kurzen Sätzen an.
Ich finde es am einfachsten, wenn man sich zunächst ein paar kurze einfache Sätze einprägt.
Der Satz, den ich zuerst im Arabischen gelernt habe, war “Guten Morgen. Ich möchte bitte einen türkischen Kaffee mit wenig Zucker.” EIn kleiner Satz, ein wichtiger Satz. Und ein Satz, der mich mit so vielen Menschen ins Gespräch gebracht hat. Tatsächlich konnte ich einen Kaffee bestellen, bevor ich das Alphabet kannte, bevor ich lesen und schreiben konnte.

#2: Fünf bis zehn Wörter am Tag.
An dem Tag, als ich aus Palästina zurück kam, habe ich mir eine App installiert. Jeden Tag lerne ich neun Wörter oder Ausdrücke dazu. Mit der Zeit läppert sich jede Menge zusammen und der Wortschatz wächst jeden Tag. Ich verwende Nemo – die App gibt es für sehr viele Sprachen – , es gibt aber sicherlich jede Menge Alternativen.

#3: Sprechen ist Trumpf.
Ich weiß, dass es am Anfang unheimlich viel Überwindung kostet. Und dass es frustrierend ist, wenn man versucht eine neue Sprache anzuwenden und das Gegenüber dann in Englisch antwortet. Aber die Überwindung ist es wert, nur durch regelmäßiges Sprechen, Üben und natürlich auch durch Fehler lernt man eine Sprache. Nur so bekommt man ein Gefühl für die Betonungen und die Satzmelodie.

#4: Musik, Filme, Serien.
In manchen Sprachen ist es einfacher, als in anderen. Die meisten Filme werden für Frankreich sychronisiert – für die arabische Welt gibt es meist nur Untertitel.
Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es unheimlich hilft eine Sprache regelmäßig zu hören. Ich schaue Filme immer im Original (meist auf Englisch, aber auch viele französische und spanische Filme), switche bei Serien immer mal wieder zwischen den verfügbaren Sprachen und höre viel internationale Musik. Gerade Redewendungen und idiomatische Ausdrücke lernt man so besonders schnell.

#5: Mach ein Tandem draus.
In Portugal habe ich mit zwei Portugiesinnen zusammengelebt, die sich geweigert haben Englisch mit mir zu sprechen. Ich habe selten in so kurzer Zeit so wahnsinnig viel gelernt wie mit den Beiden. In diesem Fall war es natürlich kein klassisches Tandem, aber das Prinzip ist das gleiche. Hier in Amman gehe ich regelmäßig zum Language-Café, das von der Schule angeboten wird: 40 Minuten sprechen wir Arabisch, 40 Minuten Englisch. Beide Seiten profitieren vom Austausch und alle sind happy.

#6: Jeden Tag. Jeden einzelnen Tag.
Konsequenz ist das Wichtigste: Wer nur ein Mal pro Woche zum Sprachkurs geht und dazwischen sein Buch in die Ecke legt, ohne es wieder anzuschauen, der wird sich schwer tun.

#7: Buch den Flug, besuch das Land.
Sicherlich lässt sich das nicht immer und ganz problemlos umsetzen. Trotzdem gibt es für mich nichts Schöneres, als eine Sprache in ihrer natürlichen Umgebung – in dem Land in dem sie gesprochen wird – zu lernen. Gerade stelle ich wieder fest wie viel schneller und effektiver ich tatsächlich hier in Jordanien lerne – im Vergleich zu den Erfahrungen, die ich in München gemacht habe. Als zusätzlichen Bonus gibt es die Kultur des jeweiligen Landes dazu – für mich die beste Kombination überhaupt.