Wann heiratest du endlich?
Wollt ihr keine Kinder?
Warum hast du nur einen festen Job gegen die Selbstständigkeit getauscht?
Ich weiß, was ich soll. Was die Gesellschaft (trauriger Weise) von mir erwartet. Ich mache es trotzdem nicht. Oder anders: Ich mache es nur, wenn ich es auch wirklich will.

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Vor einigen Wochen bin ich 31 geworden. Ich bin nicht mehr wirklich jung – in jedem Fall habe ich den Moment verstreichen lassen, eine junge Braut oder eine junge Mutter zu sein. Grund genug offenbar, mich ständig nach meinen Zukunftsplänen zu fragen. Weil ich es anders mache, als es die Gesellschaft erwartet? Wer ist eigentlich die Gesellschaft? Wer ist das, der sich herausnimmt, das Leben und die Planung anderer Menschen zu beurteilen?

Wir alle stecken Menschen in Schubladen. Urteilen.
Über die, die es anders machen, als alle anderen. Über die, die mit der Herde gehen. Über die, die Kinder wollen und die, die keine wollen. Über Menschen, die ihren Müll trennen – oder nicht. Die zur Kirche gehen – oder nicht. Meist unterbewusst. Meist, ohne die ganze Geschichte, die Beweggründe und Hintergründe zu kennen. Wie absurd das werden kann, zu welchen Konsequenzen es führen kann, ist mir vor Weihnachten nocheinmal vor Augen geführt worden, als ich „Cows“ von Dawn O ` Porter gelesen habe.

Drei Frauen, drei Geschichten. Auf skurile Weise sind sie miteinander verbunden und verknüpft – auch wenn jede ihr eigenes Päckchen trägt und mit sich selbst und ihrem Leben beschäftigt hat. Keine der Drei passt einfach in eine Schublade und doch werden sie hineingesteckt.
Eine alleinerziehende Mutter, eine erfolgreiche Bloggerin, eine junge Frau die ihre Zwillingsschwester verloren hat. An manchen Stellen etwas überzeichnet spielt der Roman bewusst mit einigen Klischees zeigt doch oder gerade dadurch: Es steckt mehr dahinter, als man eigentlich denkt. Die Schubladen, in die man andere Menschen steckt, in die man sich selbst stecken lässt…verletzen. Haben ungeahnte Konsequenzen. Und das Wichtigste ist es, selbst glücklich und mit sich im Reinen zu sein. Egal, was andere sagen.
„Cows“ hat mich dazu angeregt nachzudenken, mein eigenes Verhalten zu überdenken. Weniger beurteilen, weniger verurteilen. Mehr leben und leben lassen.

Mein Resümée und mein Vorsatz? Ich möchte mich selbst frei machen. Von den Urteilen und Schubladen anderer. Davon Menschen zu beurteilen, ohne sie zu kennen. Von gesellschaftlichen Zwängen und „man sollte“. Ich möchte leben und leben lassen.

Das Buch „Cows“ erscheint am 27.2. in der deutschsprachigen Übersetzung im Fischer Verlag. Im Rahmen der Veröffentlichung hat der Verlag mich und einige meiner Kollegen gebeten einen Slogan zum Titel „Cows“ zu entwerfen. Aus vielen Entwürfen habe ich mich letztlich für „Spring über den Zaun.“ entschieden.
Kühe – Herde – Zaun. Aber nicht nur Kühe – auch wir als Menschen sind viel zu oft gefangen in einer Herde, zu verängstigt um auszubrechen. Ob die Herde nun die Gesellschaft und ihre Konventionen ist, die eigene Familie, eine Freundesgruppe, die Kollegen – manchmal möchte man raus. Aus der Enge, aus der Erwartungshaltung. Einfach das machen, wonach einem selber ist. Über den Zaun springen.
Auf der Aktionsseite des Fischer Verlags kannst du jetzt für meinen Slogan abstimmen – ich freue mich über Deine Unterstützung.