Heute, am 14. Mai ist der Tag der Nakba. Und heute ist der Tag, an dem die neue amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet wird.
Langsam schließen die Grenzübergänge und die Checkpoints rund um Jerusalem. Die Stadt wird aus Angst vor Ausschreitungen abgeriegelt. Und die Palästinenser? Ziehen mal wieder den Kürzeren. 

Nakba ist arabisch und bedeutet Unglück oder Katastophe. Im Sprachgebrauch wird damit der 14.Mai 1948 bezeichnet. Der Tag an dem mehr als 700.000 Palästinenser aus ihren Häusern, aus den Städten, aus dem Land vertrieben wurden. Die Zahl der Menschen, die während der Unruhen ihr Leben verloren haben, geht in die zehntausende. der 14. Mai wird auf der israelischen Seite als Tag der Unabhängigkeit gesehen, an dem der Staat Israel seine Unabhängigkeit erlangt hat. Traditionell gedenken die Palästinenser (in Palästina und im Rest der Welt) der Nakba am 15. Mai mit großen Demonstrationen.
Dass der amerikanische Präsident diesen Tag als „zufällig passendes Datum“ für die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Israel gewählt hat – kann nur schwerlich als Zufall wahrgenommen werden.

Die Verlegung der Botschaft wurde – im Prinzip – schon vor langer Zeit beschlossen. Allerdings haben die bisherigen Präsidenten der Vereinigten Staaten alle 6 Monate eine Vertagung der Entscheidung veranlasst. Über Jahrzehnte hinweg. Im Dezember hatte Trump eine solche Vertagung nicht unterschrieben und entschieden die Botschaft in die geteilte Stadt zu verlegen. Schon seit 2010 nutzen die Amerikaner ein Gelände in Jerusalem für konsularische Angelegenheiten. Der Clou: Das Gelände liegt in Jerusalem, nicht aber in Israel. Es befindet sich exakt auf der grünen Linie, im Niemandsland zwischen Ost- und Westjerusalem. Im Unabhängigkeitskrieg wurde dieser Streifen gleichermaßen von Israel und Jordanien beansprucht, viele westliche Staaten und die Vereinten Nationen sehen dieses Gebiet und den Osten Jerusalems sowie die Westbank und den Gaza Streifen heute als besetztes Gebiet an. Der amerikanische Staat hätte noch ein anderes Gebäude gehabt, das klar im westlichen Teil Jerusalems liegt. Eindeutig in Israel also. Gewählt wurde das Gebäude in der umstrittenen Lage.

Der Großteil der Botschaftsmitarbeiter wird übrigens in Tel Aviv bleiben, auch der Botschafter wohnt weiter im Norden Tel Avivs. Aus Sicherheitsgründen.
Donald Trump wird nicht an den Feierlichkeiten zur Einweihung teilnehmen, das übernimmt seine Tochter zusammen mit ihrem Mann. Aus Sicherheitsgründen. Er wird sich live im amerikanischen Fernsehen äußern. Und – es wird wohl nicht zu vermeiden sein – twittern.

Die amerikanische Botschaft in Jordanien, hier in Amman, ist schon seit Dezember weiträumig abgesperrt. Gleichzeitig ruft die jordanische Regierung die Bürger mit palästinensischen Wurzeln dazu auf für ihre Überzeugungen zu demonstrieren.
Noch ist es in Amman ruhig, es brodelt eher unter der Oberfläche. Was der morgige Tag, der traditionell für die Demonstrationen steht, mit sich bringt, wird sich zeigen. Es fühlt sich an, als könnte sich die Situation – in der generell eher angespannten Situation – in alle Richtungen entwickeln. But honestly: There´s no place I´d rather be.

*Nein, das ist kein Artikel gegen den Staat Israel. Es ist auch kein Artikel Pro Palästina. Es ist vielmehr eine Beschreibung der SItuation, die sich gerade nur wenige Kilometer von mir entfernt abspielt. Es ist eine Darstellung darüber, wie ein Präsident den – zugegebener Maßen sehr brüchigen und oberflächlichen – Frieden in einer vom Krieg geschüttelten Region auf´s Spiel setzt. Es geht darum zu zeigen, wie es wie  anfühlt hier zu leben. Wie es sich anfühlt zu wissen. dass der nächste Konflikt, die nächsten Ausschreitungen, die nächsten Toten manchmal nur einen symbolischen Umzug entfernt sind. Es geht daraum zu zeigen, wie die Anerkennung des Einen ein Schlag ins Gesicht des Anderen sein kann. Und es geht auch darum zu erinnern, dass es erst wenige Jahre her ist, dass wir in Deutschland in einem geteilten Land gelebt haben. Unter anderen Umständen und anderen Voraussetzungen – eine Mauer und einen bewachten Grenzstreifen mit Checkpoints innerhalb einer geteilten Stadt gab es trotzdem auch bei uns. Es geht daraum zu zeigen, wie fragil Frieden ist. Und darum zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und zu versuchen andere Menschen, Länder und Kulturen zu verstehen. Es zumindest zu versuchen. Das ist der einzige Grund, warum ich mich entschieden habe mehr Zeit in dieser Region zu verbringen. Ich möchte alle drei Sprachen (Arabisch, Hebräisch und Farsi) lernen um mit Menschen sprechen zu können. Um ihre Emotionen, Geschichten und Traditionen zu verstehen. Um darüber erzählen zu können, was sie verbindet, was sie trennt. Welche (große oder doch eher kleine) Rolle Religion in diesem Konflikt spielt. Ob Religion vielleicht nur ein vorgeschobener Grund, eine Ausrede ist. Und gerade, in diesem Moment, gibt es keinen besseren Ort um genau das zu tun. There´s no place I´d rather be-