Hinter mir liegt eine Sonnen-Woche, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Jeden Tag im Fitnessstudio und am Pool. All day every day.
Ich habe mir eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio gegönnt, das einen Pool auf der Dachterrasse hat. Nothing better on a sunny weekend. Gleichzeitig wirft es Fragen auf, sich auf einer solchen Insel in einer konservativen Gesellschaft zu bewegen.

Ein gemischtes Fitnessstudio mit einem Pool, an dem Männer und Frauen gleichzeitig in der Sonne liegen und es die Möglichkeit gibt Alkohol zu trinken ist wahrscheinlich der Inbegriff von Haram. Verboten, verwerflich. Oder nicht? Ich bin mir darüber bewusst, mein Wochenende auf einer Insel verbracht zu haben.

Die bedeutende Mehrheit der Einwohner von Jordanien ist muslimisch, ein großer Teil recht konservativ. Auch wenn Jordanien ein vergleichsweise liberales muslimischen Land ist, es bleibt eine konservative Gesellschaft. Die meisten Frauen tragen Hijab, viele auch eine Abaya.
Die wenigsten zeigen auf der Straße auch nur ihre Arme oder Fußknöchel. Im Bikini am Pool liegen? Für viele Muslimas undenkbar und wenn überhaupt dann nur an einem Pool, an dem nur Frauen sind. Sollte ich mich an diese ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft halten oder ein Wochenende am Pool in der Sonne verbringen, so wie es für mich bei den heißen Temperaturen angenehm ist?

100 Euro Mitgliedsbeitrag für ein Fitnessstudio ist mehr, als die meisten Menschen in diesem Land zahlen wollen, zahlen können. Auch das macht es zu einer Insel. Außer mir gibt es viele Ausländer, aber auch viele Jordanier. Aus einer höheren Gesellschaftsschicht. Liberale Jordanier aus einer höheren Gesellschaftsschicht; ganz selbstverständlich ist es eine kleine Zielgruppe, an die sich dieses Fitnessstudio und der Pool richten.
Im Laufe des Wochenendes habe ich mich immer wieder gefragt, ob es ok ist, sich dem Großteil einer Gesellschaft so zu entziehen und in eine Art Parallelgesellschaft einzutauchen. Im Wahrsten Sinne des Wortes.

Ich habe mich dafür entschieden, mir die Zeit am Pool zu gönnen. Mich in dieser Zeit den gesellschaftlichen Erwartungen an meine Kleidung und mein Verhalten zu entziehen. Weil es für mich gerade angenehm ist, weil ich die Zeit genieße, die Sonne genieße. Weil es meine letzte Woche (für eine lange Zeit) in diesem Land sein wird und ich mich nicht einschränken lassen will gerade. Vielleicht keine politisch 100% korrekte Entscheidung, aber eine, die gerade zu mir, meinen Wünschen und meinen Bedürfnissen passt.