Der einfachste und sicherste Weg, um mich dazu zu bringen ein bestimmte Sache zu tun? Man sagt mir, dass ich es nicht kann und niemals schaffen werde.
Das weckt meinen Ehrgeiz, lässt mich über mich hinaus wachsen und neue Kräfte mobilisieren. Nachdem mir all meine Leherinnen gesagt hatten, dass der Ramadan zu schwierig sein würde und ich es nicht schaffen könnte…wollte ich es wissen. 20 Tage sind geschafft – Zeit für ein erstes kleines Zwischenfazit, 

Nichts zu essen ist nicht so schwierig…
Tatsächlich vermisse ich es nicht besonders, tagsüber nicht zu essen, Es ist nicht so, dass ich ununterbrochen nur daran denken kann, wie hungrig ich bin. Teilweise mag das an den ausgesprochen warmen Temperaturen liegen: Im Sommer und bei über 35 Grad bin ich ganz grundsätzlich weniger hungrig. Sehr viel schwieriger finde ich es, bei solchen Temperatueren auch den zweiten Teil einzuhalten und tatsächlich nichts zu trinken. Ich möchte an dieser Stelle ganz ehrlich sein: Es gab zwei oder drei Tage, an denen ich mein Fasten brechen musste. Als ich vor zwei oder drei Wochen am Wochenende in Ummquais an der syrisch-jordanischen Grenze war und die Temperaturen auf über vierzig Grad gestiegen sind, habe ich aus gesundheitlichen Gründen ein Glas Wasser getrunken. Und einen weiteren (ungeplanten) Fastenbruch hatte ich in Tel Aviv, als ich einfach unfassbar gerne eine Tasse Kaffee mit Blick auf´s Meer trinken wollte. Natürlich hätte ich verzichten können – ich wollte aber nicht.
Geplant hatte ich von Anfang an, bei der Hochzeit, die wir am Wochenende besucht haben, das Fasten zu brechen. Ganz ehrlich: Eine Hochzeit bei der ich nichts essen oder trinken kann? Das finde ich albern. Abgesehen von zwei kleinen und einer großen Ausnahme bin ich stark geblieben und darauf – ganz ehrlich – ziemlich stolz.

Ich habe tatsächlich jede Menge Energie.
Nichts die ersten Tage. Die ersten Tage waren furchtbar und ich hatte das Gefühl mindestens dreizehn Stunden schlafen zu müssen. Gefühlt hat meinem Körper die Energie gefehlt, die er aus meiner Nahrung zieht. Dazu kam die erste Hitzewelle. Geholfen hat mir nur der Rooftop-Pool in meinem Fitnessstudio mit Abkühlungs-Tauchgängen im halbstündigen Takt.
Seit einigen Tagen ist es sehr viel besser und ich habe nicht nur wahnsinnig viel Energie, sondern auch einen gewissen Tatendrang und den Wunsch endlich wieder was anzupacken. Ein paar neue Projekte sind in der Planung, es stehen Veränderungen an…und ich freue mich auf das, was kommt. Und was ich nicht zuletzt auch wegen meiner Ramadan-Energie in Angriff genommne habe.

Teilen ist das Wunderbarste überhaupt. 
Denn darum geht es beim Ramadan: Zu teilen. Das Leid derer, die (aus verschiedenen Gründen) nicht regelmäßig essen und trinken können. Und darum das Essen zu teilen, das man am Abend hat. Mit Freunden, mit der Familie, mit Nachbarn und Menschen, die man zufällig kennengelernt hat. Und das gemeinsame Fastenbrechen macht einfach unfassbar viel Freunde und lässt einen sehr dankbar werden für das, was man hat. Ich bin sehr viel wertschätzender geworden in den letzten Wochen und freue mich unheimlich über kleine Dinge.
Der Ramadan ist die Zeit, in der in der arabischen Welt am meisten geteilt wird, in der das Spendenaufkommen am Höchsten ist. Es gehört einfach dazu – und dieser Teil erinnert mich ein kleines bisschen an die Vorweihnachtszeit in Europa.

Würde ich es wieder machen?
Ohne mit der Wimper zu zucken. Eventuell werde ich den neuen Rhythmus noch ein bisschen länger beibehalten.
Gerade weil ich so (positiv) überrascht war, wie unproblematisch es für mich war tagsüber nicht zu essen. Der einzige Grund, warum der Verzicht auf´s Essen bei Tageslicht auf Dauer nichts für mich wäre? Ich frühstücke unheimlich gerne. Gerade habe ich wahnsinnig Lust darauf wieder am Morgen einen Kaffee auf dem Balkon zu trinken und dazu eine Schale mit frischen Beeren zu snacken. Mal schauen, welche Regelung ich in Zukunft für mich finden werde.
Definitiv werde ich nach Ende des Ramadan nicht weiter auf das Wassertrinken verzichten. Ich habe einfaach das Gefühl, dass es mir nicht wirklich gut tut und ich merke, dass ich es nicht schaffe meinen Wasserbedarf am Abend und in der Nacht zu decken. Ich merke, dass meine Haut sehr viel trockener ist, dass ich vermehrt mit Kopfschmerzen zu kämpfen habe. Was ich gar nicht vermisse sind jegliche Softdrinks und Energydrinks. In Deutschland trinke ich eh nie Zuckerzeugs, in Amman hatte ich es mir angewöhnt – jetzt ist die Phase auch wieder vorbei 😉

Natürlich habe ich den Ramadan irgendwie nicht wirklich ernst genommen. 
Ich bin keine Muslima, ich habe den Ramadan nicht wirklich gelebt. Ich habe mich weitestgehend an die Regeln gehalten, was die Aufnahme von Lebensmitteln und Getränken betrifft – ich habe nicht gebetet. Natürlich nicht, es ist nicht meine Religion und ich plane auch nicht zu konvertieren. Den Ramadan zu Teilen mitzumachen und das Gefühl zu erleben, war keine Frage für mich. Ich wollte diese Erfahrung machen, während ich in Jordanien lebe. NIcht mehr und nicht weniger.