Schon wieder ist eine Woche vorbei und ich fühle mich komplett angekommen.
Es haben sich Routinen etabliert, ich habe mich in einem Fitnessstudio angemeldet, einige nette Cafés aufgetan, bin mit Jordaniern ins Gespräch gekommen und arbeite langsam aber sicher an meinen Arabisch-Kenntnissen. Ich bin in Jordanien angekommen und kann es fast nicht erwarten noch mehr von diesem wunderbaren Land zu entdecken.

The Jordan Days: Wenn die Woche mit einem Sonntag startet.

Was mich verrückt macht? Eine Woche, die mit einem Sonntag beginnt. Mein komplettes Gefühl für Zeit und Tage wird durcheinander gebracht, die ganze Woche hinke ich gedanklich hinterher und bin am Donnerstag überrascht, dass schon Zeit für´s Wochenende ist. Ebenso wie in der jüdischen Religion ist auch im Islam der Freitag der religiös heilige Tag. Freitags gehen alle in die Moschee, danach feiert man mit der Familie. Anders als in Israel kommt das öffentliche Leben allerdings nicht komplett zum Erliegen. Ein Großteil der Geschäfte – vor allem in Amman – hat geöffnet, man kann essen gehen und Freunde treffen.

 

The Jordan Days: Random Insights

Ich habe viele Nachrichten von Euch bekommen mit dem Wunsch nach mehr Einblicken in meinen Alltag hier in Amman.
Eigentlich sehen die Tage immer wieder sehr ähnlich aus: Mein Unterricht beginnt am Morgen um Neun, auf dem Weg zur Schule nehme ich einen Kaffee mit. Überall gibt es kleine Kioske, die neben Kaffee auch andere Getränke (kein Alkohol, das sind spezielle Stores) und ein paar Snacks verkaufen. Mit meinem Kaffee-Homie kann ich den arabischen Teil der Konversation jeden Tag ein bisschen weiter ausbauen – ein sehr gutes Gefühl.
Von Neun bis viertel nach Vier bin ich in der Schule, dann im Gym, ein Dinnerdate mit anderen Sprachschülern oder eine Kleinigkeit zu Hause, dann noch ein bisschen arbeiten und lernen (die Kurse sind tatsächlich sehr intensiv und brauchen recht viel Nachbereitung), dann ist der Tag vorbei. So wahnsinnig viel Zeit die Stadt zu entdecken bleibt unter der Woche eigentlich gar nicht.

Random Insights: Mein Kleiderschrank
Vermutlich habe ich noch selten so reduziert gepackt wie hier. Wie man auf dem Bild sehen kann, habe ich mich tatsächlich stark auf eine Farbfamilie komzentriert und neben einer Jeanshose und einem Jeanshemd tatächlich nur schwarze, weiße und graue Kleidungsstücke eingepackt. Was soll ich sagen: Alle Kleidungsstücke lassen sich untereinander kombinieren und ich finde es unheimlich praktisch und cool. Mal sehen, was ich nach zwei Monaten zu der eingeschränkten Auswahl sage – vielleicht ergibt sich ein großes Ausmisten, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Random Insights: Der Weihnachtsshop
Ich bin ganz ehrlich: Ich dachte ich könnte dem Weihnachtswahnsinn in diesem Jahr komplett entkommen. In einem muslimischen Land gibt es keine Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtswerbung im Fernsehen (auch wenn – ich schaue hier eh kein Fernsehen), keine Weihnachtsständer im Supermarkt…ich hatte mich richtig darauf gefreut zwei Tage vor den Feiertagen wieder nach Deutschland zu kommen und dann noch voller Lust auf Glühwein und Lebkuchen zu sein. Dann hat auf meinem Schulweg dieser Store geöffnet und meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Verkauft werden aufblasbare Weihnachtsmänner in allen erdenklichen Größen, mannshohe Zuckerstangen und jede Form von Weihnachtsdekoration, die man sich vorstellen kann. Weird, aber gut weird.

Random Insight: Ein yemenitisches Dinner. 
Donnerstag Abend war ich essen – yemenitisch. Zugegebener Maßen zum ersten Mal in meinem Leben, aber sicherlich nicht zum letzten Mal. Wir haben uns viele verschiedene Speisen geteilt und jede einzelne davon war köstlich. Ein bisschen orientalisch, Fleisch, Soßen, alles wird mit einem unfassbar guten Fladenbrot gegessen (das Brot scheint sehr buttrig zu sein, wahnsinnig lecker).
Nach dem Essen gab es diesen Tee, der scheinbar mit jeder Menge Gewürzen und etwas Sahne zubereitet wird. Und Zucker, jeder Menge Zucker.

Im Nahen Osten wimmelt es nur so von Kultur: Die Burgen der Kreuzritter, die Wiege dreier großer Weltreligionen, Lawrence von Arabien, großartige Gallerien und Museen mit Moderner Kunst in Amman, Mosaike, traditionelle Handwerkskunst, Römische Ruinen – tatsächlich ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Das vergangene Wochenende habe ich für gleich zwei Ausflüge in die Umgebung von Amman genutzt: Jerash, Aljoun und Wadi Mujib.

Jerash

In Jerash stehen die größten und am besten erhaltenen römischen Ruinen außerhalb Roms – eine komplette Stadt ist erhalten.
Auf einem schier endlos erscheinenden Gelände sind eine Hand voll Tempel, drei Theater, ein Hippordrom, Straßenkreuzungen und die Überreste von Wohnhäusern zu besichtigen.
Mit zehn Dinar ist der Eintritt nicht ganz günstig – im Jordan Pass (eine Empfehlung, die ich jedem Touristen mit auf den Weg geben möchte) ist enthalten – aber tatsächlich den Preis wert. Wir haben uns fast vier Stunden auf dem Gelände aufgehalten und bei Weitem nicht alles gesehen. Wie eigentlich überall in Jordanien (den Eingangsbereich von Petra einmal ausgenommen), waren kaum Touristen unterwegs und wir hatten wirklich viele Momente, an denen wir komplett alleine waren.

Aljoun Castle

Wer sich von Amman aus zB mit einem Mietwagen auf den Weg nach Jerash macht, kann auch einen Stop am Aljoun Castle machen. Zur Zeit der Kreuzritter als muslimische Festung gebaut, war Aljoun Teil einer Kette von Burgen auf dem Weg von Cairo nach Damaskus. Über Feuerzeichen und Brieftauben war es damals möglich eine Nachricht innerhalb von zwölf Stunden zwischen den beiden Städten zu übermitteln. Das Gemäuer ist unheimlich gut erhalten und überzeugt unter anderem mit großartigen Ausblicken über die umliegende Landschaft.

Das absolute Highlight meines Wochenendes: Wadi Mujib

Selten habe ich einen besseren Ausflug gemacht, ich bin noch immer vollkommen hin und weg. Wadi Mujib ist ein Flussbett direkt am Toten Meer, das ein komplettes Naturschutzgebíet umfasst und die Heimat für viele Vögel und vor allem seltene Orchideenarten ist. Im Flussbett selbst kann man von April bis Oktober „wandern“. Man läuft, klettert, schwimmt, etwa 1,5 Stunden lang im Wasser, bis man schließlich einen gigantischen Wasserfall erreicht. Auf dem Rückweg kann man sich immer wieder treiben lassen, natürliche Rutschen herunter gleiten und in die entstehenden Pools springen.
Tatsächlich war es großartig, landschaftlich beeindruckend und hat unglaublich viel Spaß gemacht. Zugang zum Wadi hat man erst ab 18 Jahren und es ist kein ganz ungefährliches Abenteuer. Wir waren in einer recht großen Gruppe unterwegs und uns doch letztlich alle einig, dass eine gewisse körperliche Fitness Grundvoraussetzung ist. An vielen Stellen muss man den eigenen Körper mit Hilfe eines Seils über einen Felsvorsprung ziehen, es ist viel Klettern und jede Menge Balance und ein sicherer Tritt mit im Spiel. Nicht unmöglich, aber anstrengend.
Und ein Wort zur Kleidung: Man wird tatsächlich komplett nass. Nichts bleibt trocken, vermutlich ruiniert man sich die Schuhe (nicht nur, weil sie 3 Stunden lang nass sind, sondern auch weil immer wieder scharfe Steine im Wasser liegen, die zB Stoff durchschneiden). Die Empfehlung ist es keinerlei Wertsachen mitzunehmen und sich tatsächlich auf viel Wasser einzustellen.
Entsprechend konnte ich weder meine Spiegelreflex noch mein Handy mitnehmen – für beides habe ich leider kein wasserfestes Case. Ich schaue aber mal, ob ich mir für solche Momente nicht eine Gopro kaufe – dann gibt es beim nächsten Mal auch mehr Bilder.